"Am Ende ist das auch ein Job in dem es heißt: Du musst einfach mal machen."

M&A | Verhandlungsmanagement | Negotiation | Vertragsgestaltung

Folge 228 deines Jura-Podcasts zu Job, Karriere und Examensthemen.

Diese Woche gibt’s bei Irgendwas mit Recht etwas ganz Besonderes: eine spannende Doppelfolge mit Marina Arntzen und Stefan Bruder von Ashurst. Im ersten Teil des zweiteiligen Interviews besprechen wir alle Work-Fragen, während Ihr am Donnerstag vieles zum Life hört, nämlich zum Beispiel der Vereinbarkeit von Familie und Beruf neben den spannenden Herausforderungen in der Kanzlei. Wie ist es, die erste Verhandlung allein zu führen? Wie baut man in Verhandlungen goldene Brücken? Wieviele Stunden arbeitet man im M&A wirklich? Wie haben Marina und Stefan ihren Weg in dieses Rechtsgebiet – und zur selben Kanzlei, nämlich Ashurst in München, gefunden? Antworten auf diese Fragen und eine tolle Teamdynamik hört Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß mit dem ersten Teil der Doppelfolge!

Inhalt:

  • 03:31 Vorstellung Stephan
  • 06:19 Einleitung M&A
  • 09:51 Verträge kreieren
  • 14:48 Die erste Verhandlung allein
  • 17:56 Sammelt möglichst viele Erfahrungen!
  • 20:20 Verhandlungen mit seniorigen Anwälten
  • 23:26 Brücken bauen
  • 28:29 Muss man wirklich 3000 Stunden pro Jahr abrechnen?

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Transkript


Stefan Bruder 0:00:21
Hallo.
Stefan Bruder 0:07:06
Ja, in der Praxis schon. Und es gibt vor allem auch noch, was ich persönlich ganz spannend finde, ja noch ein drittes Element, das jetzt sich nicht in diesem Kürzel so direkt verbirgt. Und das sind eigentlich Joint Ventures. Also wenn man sagt, zwei Unternehmen wollen in irgendeiner Variante zusammen agieren, wollen sich zusammentun und wollen zusammenarbeiten. Und da lässt sich dann auch für mich so die Verknüpfung herstellen, also warum ich zum Beispiel gerade M&A ganz spannend finde, weil es eben ein Bereich ist, der unglaublich konstruktiv ist, also wo man sagt, man geht wirklich, man versucht zusammen, also zwei Parteien versuchen zusammen irgendwas zu bauen, irgendwas zusammenzuführen, was es so vorher noch nicht gab. Ja, also Juristen haben ja oft so ein bisschen das Vorurteil, boah, das sind die Bedenkenträger oder die sehen immer nur das Problem oder das Risiko, die Gefahr und das ist natürlich auch ehrlicherweise als jetzt Rechtsberater ein Teil unseres Jobs, aber ein ganz, ganz großer Teil im M&A ist eher dieses zukunftsgerichtete Positive zu sagen, wir wollen doch hier an dem Tisch zusammen irgendwas Positives schaffen. Und das ist für mich ein wichtiges Element, warum ich M&A so mag. Das andere ist, wenn man es jetzt juristischer betrachtet, dass man sagt, es verbindet ganz viele Rechtsgebiete. Es ist ein Bindeglied zwischen ganz vielen verschiedenen Bereichen, weil wenn ich eben so ein Unternehmen jetzt kaufen will, muss ich mir das ja irgendwie angucken. Und da muss ich mir anschauen, okay, was sind das für Vermögensgegenstände? Da gibt es Arbeitnehmer, da gibt es vielleicht irgendwelche Vorschriften, die beachtet werden müssen, da gibt es irgendwelche Betriebsteile und dergleichen. Und das kann ich alles mir anschauen aus rechtlicher Sicht und als M&A-Anwalt muss ich das dann verbinden. Ich muss nicht überall der Spezialist sein, dafür gibt es dann andere Kollegen, aber ich kann damit dann spielen und das eben zu einer guten Sache zusammenbauen.
Marina Arntzen 0:10:52
Und das machen wir eben auch im Wege der Verhandlungen und das ist gerade, du sagtest so, man macht so die Verträge, ja klar, das ist auch Teil der ganzen Transaktion, aber das Spannende sind wirklich am Ende die Verhandlungen, dass wir mit dem Team da sitzen, die ganz lange an den Verträgen gesessen haben, mit der Gegenseite, mit den Mandanten. Man kann sich das wirklich dann so richtig vorstellen, wie man dann am großen, jetzt nehmen wir mal die physische Situation, inzwischen gibt es das natürlich auch virtuell, aber wir sitzen da wirklich an dem Riesentisch mit unserem Team, mit den eigenen Mandanten, mit der Gegenseite, mit deren Mandanten und wir verhandeln. Und das ist das, was, würde ich mal sagen, mir auf jeden Fall ganz großen Spaß an dem Beruf macht. Weil man sitzt da einfach und versucht, die Ansicht des Mandanten gut zu vertreten. Man versucht, die Gegenseite zu verstehen, die unterschiedlichen Perspektiven. Da ist ganz viel Psychologie eben auch im Spiel. Also man braucht, wir merken das so ein bisschen hier, man braucht ganz viele andere Qualitäten als so diese rein juristische Fähigkeit, die man natürlich, die ist die Basis von allem, aber es gehört ganz viel mehr dazu. Und wenn man das dann, jetzt sehen wir mal den Fall, dass man wirklich auch länger in der Verhandlung sitzt, ja, das kann durchaus mal passieren bei uns. Wenn man das dann schafft, eine Einigung zu finden, dass alle Parteien unterschreiben und sich dann nachher trotz Unstimmigkeiten zwischendurch dann eben einigen, dass sie den Vertrag, den wir gestaffen haben, den wir gestaltet haben, unterzeichnen und alle damit happy sind, das ist so der große Gewinn oder das ist einfach die Bereicherung und das ist das, was mir besonders Freude macht an dem Beruf.
Marina Arntzen 0:15:23
Ja, da kann ich mich sehr gut dran erinnern. Das war tatsächlich bei mir so das große Glück, dass als ich in meiner ersten Kanzlei angefangen habe, da war ich genau, ich glaube, ungefähr ein Jahr Anwältin und da durfte ich quasi schon mit zwei Partnern mit, da sind wir von München nach Frankfurt gefahren und das war irgendwie eine ganz natürlich brisante und eilige Transaktion, auf der Gegenseite hatten wir eine Großkanzlei aus Frankfurt und genau da war wirklich die Situation, unsere Mandanten, die kamen aus London, die Mandanten der Gegenseite aus den USA und es war ganz klar, wir müssen jetzt innerhalb einer Woche diesen Deal, sage ich mal, über die Bühne bringen, also alle hatten es irgendwie eilig, alle sind extra angereist und ja, da stand so gesehen für uns, In diesem Business-Kontext einfach viel auf dem Spiel, dass wir das jetzt auch einfach gut schaffen. Und ich hatte dann quasi die Ehre, als junger Associate da mitzufahren. Und da war es dann auch nachher so, dass wir uns da wirklich so aufgeteilt haben, während der Verhandlung, die natürlich auch länger dauerte, so ein bisschen in Teams. Und als Associate ist man so klassisch zuständig gewesen für die Anlagen. Wir hatten eben diesen riesen Unternehmenskaufvertrag gehabt, das war in dem Fall in SPA, da haben wir Unternehmensanteile verkauft und genau, ich war natürlich dafür verantwortlich, die ganzen Anlagen mit diesen Associates der Gegenseite halt irgendwie durchzusehen. Sie waren halt irgendwie zu acht, ich war alleine. Das war natürlich allein schon sehr spannend für mich. Und dann gab es eben zwischendurch immer so diese Situation, dass ich dann tatsächlich auch mal mit der Gegenseite alleine im Raum saß, weil einfach die anderen beiden Partner zu anderen Themen eben mit den anderen Partnern verhandelt haben. Und da ist dann so die Herausforderung, dass man da sitzt und muss wirklich, das war dann natürlich auch auf Englisch in dem Fall, dass man da sitzt und einfach jetzt wirklich was sagen muss. Dann muss das natürlich auch Hand und Fuß haben. Man muss das natürlich auch mit klarer und fester Stimme vertreten und man will natürlich auch den Mandanten glücklich machen. Also da steht man tatsächlich vor diesen Herausforderungen. Aber da kann ich jetzt einfach mal sagen, da hat mir wirklich geholfen, einmal tief durchzuatmen und den Boden unter den Füßen zu fühlen und sich zu sagen, das kriegt man jetzt schon irgendwie hin und dann so ruhig wie möglich. Ja, die eigene Argumentation vorzubringen, den anderen aber auch zuzuhören, das ist natürlich auch ein wichtiger Punkt und dann einfach eine Lösung zu finden. Und da war das tatsächlich dann am Ende auch so, dass wir dann alle froh waren, als wir dann irgendwie am Ende der Woche tatsächlich das Signing gehabt haben. Und das ist mir auch bis heute in Erinnerung geblieben. Und ich habe dann immer so Stück für Stück versucht, noch so an meinen Verhandlungsskills quasi so ein bisschen zu schleifen und auch immer mal zu schauen, das kann ich auch so ein bisschen als Tipp mitgeben, wie die anderen das so machen. Also man schaut ja immer so ein bisschen, wer da so welche Verhandlungstaktik hat und dass man sich einfach mal so die ein oder andere Sache rauspickt, die einem besonders liegt und dann selber mal versucht.
Marina Arntzen 0:18:59
Das finde ich auch. Also ich habe wirklich auch immer die Zeit genutzt während des Studiums, während des Referendariats, um so viele Erfahrungen wie möglich mitzunehmen. Und tatsächlich auch die Station bei der Staatsanwaltschaft ist mir auch prägend in Erinnerung geblieben, weil da musst du ja auch plötzlich aufstehen und dein Plädoyer gut vorbringen. Und das ist so Step by Step, denke ich, kann man immer wieder üben. Und dann muss man sich wirklich auch mal entspannen und auch sagen, man lernt halt immer dazu. Und man hat immer die Situationen, die dann mal schwieriger sind. Und ja, es ist ein bisschen auch wie ein Spiel. Mal gewinnt man, mal verliert man. Und dabei sollte man, denke ich, auch immer so ein bisschen das Umfeld im Blick haben. Also man sollte die Leute beobachten. Nicht jeder Mandant ist gleich und nicht jede Gegenseite ist gleich. Manche, die möchten dann auch mal, dass man ein bisschen aggressiver verhandelt und manche, die möchten, dass man das wirklich sehr einvernehmlich macht. Also da muss man, das ist wirklich auch ein ganz wichtiges Skill, finde ich, eine ganz wichtige Fähigkeit, dass man sich so auf die Leute einstellt, mit denen man zusammen ist. Und dann hat man natürlich persönlich die Herausforderungen. Ich beispielsweise war dann einmal in einer großen Verhandlung hochschwanger. Du hast es ja schon erzählt, wir haben viele Kinder, ich habe drei. Und das war natürlich auch immer die Situation, wo man dann selber natürlich auch nochmal mehr auffällt, wenn man da gerade mit dem dicken Bauch sitzt und da noch weitere Herausforderungen hat. Also egal, wie die Situation ist, ich denke, man kann die, wenn man Spaß dabei hat, nimmt man die Situation an und man lernt nie aus und man lernt immer was dazu.
Stefan Bruder 0:20:20
Daran erinnere ich mich auch noch, weil es auch relativ früh war, also auch, würde ich sagen, so am Ende von meinem ersten Berufsjahr oder vielleicht in meinem zweiten Berufsjahr. Es gibt ja unterschiedliche Arten von Transaktionen, auch was so Größe und Komplexität betrifft. Und da war das dann eben so, dass gesagt wurde, okay, das ist vielleicht ein Ticken weniger komplex, das kannst du eigentlich alleine machen. Und dann ist nur ein bisschen seniorigerer Anwalt, der aber glaube ich auch nicht Partner war, sondern Counsel aus einem anderen Bereich noch dabei, so hingestiefelt und auf der Gegenseite saßen sehr seniorige Damen und Herren und natürlich unsere Mandanten und alle waren da und ich habe mir da auch gedacht, da hilft jetzt nur die Flucht nach vorne. Ja, also man muss halt manchmal in diesem Beruf einfach machen, einmal durchatmen und dann einfach ausprobieren. Und insofern einerseits war es leichter, als ich dachte, weil ich hatte ja keine andere Chance. Also es gab ja nur die Chance wegzurennen, zu schweigen oder zu machen. Ich dachte, jetzt mache ich halt, was soll ich tun? Und natürlich wird das dann je nach Situation auch so ein bisschen versucht auszunutzen. Du hattest es erwähnt, so in einem Sitzungsdienst bei der Staatsanwaltschaft hat man meistens noch einen Richter, der ist dann wohlwollend und der guckt schon, dass da nichts schief geht und der balancet es aus. Das ist natürlich anders im M&A, da vertritt hat man zwei Seiten und sozusagen, klar gibt es da vielleicht so eine gewisse kollegiale Höflichkeit manchmal. Aber dem Grunde nach manchmal auch nicht und das ist ja auch, sag ich mal, nicht der Job des Anwalts auf der Gegenseite, der vertritt halt seinen Mandanten. Und dann wurde halt in mehr oder minder subtiler oder auch ganz direkter Weise immer wieder darauf angespielt, ja, der Kollege, das ist vielleicht ein bisschen anders, als sie es sich an der Uni vorgestellt haben oder die Praxis vielleicht doch ein bisschen anders als die Theorie und das ging und geht. Und das war der Auftakt von einigen solcher Verhandlungen. Also ich hatte dann wirklich das Glück, dass ich schon relativ jung relativ viel solche Verhandlungen machen durfte und natürlich lernt man am meisten, wenn man es macht. Und erstens habe ich auch das gelernt, was du Marina gesagt hast, dass man sagen muss, okay, man muss auch sagen, man lernt daraus, aber man legt nicht alles auf die Gold. Und sagt manchmal einfach, okay, heute lief es besser, da lief es vielleicht nicht so gut, da lerne ich draus, aber ich schüttel das dann auch ab und kasteile mich da nicht ewig, wenn es gefühlt gar nicht so gut lief. Und meistens läuft es eigentlich objektiv viel besser, als man es subjektiv wahrnimmt. Und das Zweite war natürlich auch mit dieser Situation umzugehen, dass man sehr unter Druck gesetzt wird, natürlich auch vor Mandanten so ein bisschen ins Spotlight gerät und dann auf Dauer bestenfalls damit zu spielen, dass man dann eher sagt, dass man sich nicht ärgert, wenn dann wieder so ein Spruch kommt und dann versucht, also so Aktion, Reaktion sozusagen, wenn man geht dagegen, sondern dass man sich dann zurücklehnt und sagt, ja, sehr gut, Kollege, dann erklären Sie mir das doch mal, weil offensichtlich habe ich es doch nicht verstanden. Und dann kommt natürlich irgend so ein Geplapper und dann hat man eigentlich den schon irgendwie entwaffnet, also bei ihrer Erfahrung dann, ich hab's echt nicht verstanden und dann müssen ja schon alle an dem Tisch total lachen, weil natürlich, ja, wissen die auch, man ist doch, also guck mal, das ist ja der Witz, man ist zwar Junior für die Kanzleiwelt, aber man hat irgendwie, weil in Deutschland mindestens zwei Staatsexamina hinter sich, viele haben noch promoviert oder haben LLM, auf jeden Fall ist man da irgendwie schon doch relativ weit auch auf seinem Lebensweg. Ja, da muss man sich ja nicht ernsthaft dann sagen lassen, man sei irgendwie vollkommen der Nase weiß oder sonst was. Und das kann dann auch Spaß machen.
Marina Arntzen 0:25:35
Da fällt mir auch noch ein Beispiel ein, wo du das gerade sagst. Das war für mich auch so ein Schlüsselmoment und das ist wieder so eine Zusammenführung auch aus Psychologie, dann den juristischen Skills. Das war bei mir so, wir hatten auch Wochen verhandelt und es war ein Signing angesetzt für den Freitag. Das war auch irgendwie eine relativ große Transaktion und wir hatten Donnerstagabend, also am Tag zuvor, hatten wir noch ein Telefonat mit, ich denke mal, irgendwie so acht bis zehn Leuten. Und in diesem Telefonat wollten wir eigentlich nur noch alles klären für den nächsten Tag. Und plötzlich stellten wir fest, dass so ein Gutachten fehlte. Da ist unsere Seite von ausgegangen, dass das der Mandant schon ganz lange in Auftrag gegeben hatte, dass da alles fein läuft. Stellte sich heraus, nö, das gab es eigentlich noch gar nicht. Ja, dann waren wir also da und dann war das wirklich so, dass da alle sich teilweise so, ich sag schon jetzt schon mal, wirklich angebrüllt haben. Also sie dachten, das kann doch alles nicht wahr sein und ganz viele Schuldzuweisungen. Und ich hatte das dann so gemerkt, dass da jetzt wirklich jeder irgendwie mal brüllen muss und vielleicht auch irgendwie so den Druck mal rauslassen muss. Und dann gab es so einen Moment, da war wirklich Ruhe. Da hatte einfach jeder was gesagt und jeder war sauber und es hing in der Luft, wir wollen aber doch morgen signen. Und dann habe ich genau diesen Moment, also diesen stillen Moment genutzt, ich hatte vorher nicht gebrüllt, um was zu sagen. Und ich habe wirklich mit ruhiger und klarer Stimme gesagt, wir wollen doch alle morgen zum Signing gehen. Wir haben das und das vorbereitet. Das sind jetzt die Ansichten. Und wie kommen wir dahin, dass wir morgen zu einem guten Abschluss der Transaktion kommen? Und das war tatsächlich so ein Moment, ich hatte die volle Aufmerksamkeit, Ja, weil alle waren ja so ein bisschen erschöpft von dem, was sie vorher eben so gesagt hatten und es war irgendwie ganz klar, wir wollen es jetzt irgendwie schaffen und du hast, das ist ja wieder das Schöne rechtlich, du hast ja dann auch Hebel, gerade so, du hast immer eine Phase oft zwischen Signing und Closing, also dem Transaktionsabschluss, dem Vollzug des Ganzen, wo du einfach auch noch Sachen regeln kannst, ja und wir haben das dann im Endeffekt so geregelt, dass man eben dieses Gutachten dann eben auch nachher noch bringen konnte. Also war das im Endeffekt kein Problem, aber du musstest in diesem Augenblick war einfach gefragt, ein bisschen mitzudenken, die Situation einzuschätzen, die Gemüter der Personen in einem Call einzufangen und dann zu sagen, wie es weitergeht. Und der Mandant hat wirklich nachher gesagt, einfach vielen Dank, dass wir deshalb sein konnten, weil du da den kühlen Kopf bewahrt hast und einfach mal nicht geschrien hast.
Stefan Bruder 0:29:55
Nein, das ist nicht marktüblich. Es ist so, dass man im M&A intensive Arbeitszeiten hat. Alles, was wir jetzt auch ein bisschen gerade erzählt hatten, hat man jetzt ein bisschen rausgehört. In dieser Verhandlungsphase ist es irgendwie intensiv und das geht natürlich einher, wenn man es jetzt in Stunden übersetzen würde, dass man da dann auch relativ viele Stunden für aufwendet. Wo wir aber sagen würden, das sind auch schon spannend verbrachte Stunden. Wenn man das jetzt mal über so ein Jahr betrachtet, gibt es sicherlich im M&A... Einfach so Wellen, weil jede Transaktion hat so bestimmte Wellen. Da gibt es intensivere Phasen, ruhigere Phasen. Natürlich hat man auch immer irgendwelche Transaktionen parallel, aber es gleicht sich so ein wenig aus. Und ich würde eben auch sagen, dass jetzt mal aus der Mandantensicht gesprochen, ja, ich möchte doch Berater haben, die sich voll natürlich auf diese Sache konzentrieren, die aber auch konzentriert, wach, fit bei dieser Sache sind. Und da gibt es natürlich auch gewisse physische Limits und natürlich auch gewisse physische Anforderungen, die man ja auf Dauer als Anwalt erfüllen muss. Also toll, ich kann sicherlich mal ein Jahr arbeiten ohne Ende und so weiter, aber irgendwann wird das an eine Grenze kommen. Ich glaube, dass das in weiten Teilen einfach ein Mythos ist, der so ein bisschen verbreitet wird, weil es vielleicht immer noch Leute gibt, die das in irgendeiner Variante cool finden oder eben als tolle Geschichten. Vielleicht gibt es auch Einzelfälle, wo das zutrifft, aber das ist nicht der Marktstandard. Und wie gesagt, der kann es auch nicht sein, weil wir sind alles Menschen und wir haben alle auch noch Leben darum herum. Das macht uns, glaube ich, dann auch zu den spannenderen und umfassenderen Persönlichkeiten. Also egal, ob das jetzt Familie ist oder spannende Hobbys oder was auch immer es ist, da gibt es ja ganz viele Varianten zum Glück, damit es bunt bleibt und die müssen ja auch noch irgendwo gelebt werden. Und deshalb ist das, glaube ich, einfach ein Mythos.
Marina Arntzen 0:31:34
Genau, also ich sehe das wie Stefan. Mir ist dazu auch noch eingefallen, dass, ich hatte ja eben auch erzählt von, wir sagen ja dann oft so War-Stories, wenn es bei uns so diese Peaks gibt, wo man tatsächlich auch mal bis nachts verhandelt, was wirklich einfach nicht der Regelfall ist. Das passiert bei uns, ja, und wenn man da eben Spaß dran hat wie wir, dann findet man das auch völlig in Ordnung. Aber das ist nicht der Alltag, sondern es ist einfach so, dass es diese Verhandlungspiks einfach gibt, wo man eben kurz vor Transaktionsabschluss ist und da muss man damit umgehen. Und ich hatte ja vorher die Geschichte erzählt oder die Story von mir, wo ich eben die große Transaktion hatte, als ich da junger Associate war, wir nach Frankfurt gefahren sind und da auch lange verhandelt haben. Und ich weiß noch bis heute, da hat mich mein damaliger Chef, der hat mich nach dieser Transaktion zur Seite genommen und hat mit mir das nochmal nachbesprochen, was jetzt wie gelaufen ist. Und der hat am Ende, kurz bevor er aus meinem Büro gegangen ist, hat er zu mir gesagt, Marina, denk immer dran, in unserem Business für dich selbst zu sorgen. Achte auf deine Gesundheit. Nach diesen Phasen schau, dass du dich ein bisschen erholst und nimm dir diese Erholung. Und da sind wir auch wieder beim Thema, was ich auch einfach extrem wichtig finde mit unserem intensiven Beruf, dann eben auch noch mit Familie und eben auch noch mit einfach einem intensiven Leben und dass es einfach ganz wichtig ist, dass man sich da noch ein bisschen die eigenen Zeiten holt, ein bisschen Selbstfürsorge betreibt und da können wir vielleicht auch in einem anderen Teil nochmal drauf eingehen. Das finde ich einfach ganz wichtig, da für sich selber zu sorgen.
Stefan Bruder 0:33:51
Also ich sehe das mit der Tutorations wie folgt. Also erstmal ist das ja auch vielleicht spannender, als man denkt am Anfang. Also es ist jetzt ja auch nicht nur vollkommen langweilig, wo man sagt, ich sitze da in meinem Büro und oh Gott, oh Gott, ich gucke mir die langweiligsten Sachen an, sondern das hat ja gerade, wenn man jetzt im M&A-Team ist, hat das ja zwei Teile. Das eine ist ja auch Prozessmanagement. Manche mögen das eben sehr gerne, manche weniger, aber das kann man da mal eben austesten, weil ich muss ja verschiedenste Fachbereiche auch irgendwie koordinieren. Da gucke ich mir gar keine Dokumente an, sondern ich sorge dafür, dass andere das machen. Wie cool ist eigentlich das, dass man das am Anfang schon gleich machen kann. Das zweite ist ja klar, ich gucke mir Sachen an, aber wie gesagt, es sind ja dann auch ganz unterschiedliche Unternehmen, unterschiedliche Branchen, da kann man auch so eine gewisse Faszination für entwickeln. Jetzt gestehe ich zu, wenn das nur der Fall wäre, dann hätte mir M&A auch keinen Spaß gemacht, aber ich denke, wir haben sicherlich in unserem Team immer den Anspruch, zu sagen, dass wir die Leute auch sehr früh kennenlernen. Wirklich auch nach vorne schieben, damit die auch wirklich Interaktion mit den Mandanten haben. Also das ist ja so ein bisschen damit einhergehend, diese mehr, oh Gott, dann sitze ich da immer nur im Keller oder im Hinterstübchen und so weiter. Ich sehe ja nicht die was, sondern ganz im Gegenteil. Wir wollen doch, dass die Leute schnell ihre Persönlichkeit einbringen können und auch mit dem Mandanten in Kontakt kommen und direkt. Das heißt, es geht ja nicht, wenn ich nur sozusagen die Diligence mache. Das heißt, konkret heißt es auch, okay, wenn ich vielleicht den Teil mir angeguckt habe, Dann stelle ich das auch den Mandanten vor oder bespreche den Teil mit dem Mandanten. Und dann gibt es ja eben ganz viele andere Sachen, die du auch genannt hast, die gar nichts mit Your Diligence zu tun haben, wie eben Beschlüsse oder vielleicht auch kleinere Verträge, die vielleicht Teil einer großen Transaktion sind, wo ich es total wichtig finde, dass man die von Anfang an macht, weil wie soll ich denn dieses große, fantastische SBA irgendwann mal entwerfen können? Da muss ich ja auch irgendwo anfangen, ähnlich dem Verhandeln und das tut man dadurch, dass man erstmal einen kleinen Vertrag entwirft und das kann ich nicht im Jahr 5 anfangen, weil da ist es viel zu spät, sondern das muss ich auch im ersten Jahr anfangen. Das heißt, man macht eigentlich von Anfang an sehr, sehr viele verschiedene Teile und ja, da ist Due Diligence eins davon und ehrlicherweise ist es auch so, wenn ich mir so eine oder eine Zweijahresperiode angucke, da wechselt das auch. Da gibt es vielleicht eine Phase, da ist mehr Due Diligence und dann ist auch wieder eine Phase, da ist gar nichts mit Due Diligence, weil die Transaktionen gerade in anderen Stadien sind.
Marc Ohrendorf 0:36:18
Tschüss.
Stefan Bruder 0:36:19
Ciao.

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