“Ein guter Anwalt muss das Ergebnis sofort verständlich beim Mandanten platzieren, nicht nur juristisch korrekt argumentieren, sondern auch Vertrauen schaffen. Erfolg in der Anwaltsarbeit lebt von Vertrauen mehr als reinem Jurawissen.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Ich wollte schon als Schüler für andere eintreten und Streitigkeiten strukturiert lösen. Die juristische Systematik faszinierte mich, gleichzeitig reizte mich die Idee, vielleicht ein Stück Welt zu verbessern. Als das Abitur geschafft war, stand für mich daher fest: Ich studiere Jura – und habe es nie bereut.
Mein Vater war Richter. Als Kind saß ich in seinem Dienstzimmer und stempelte begeistert rote Haft-Stempel auf Papier. Diese frühen Gerichtsbesuche, Urteilsverkündungen und der Blick hinter die Kulissen prägten mich. Obwohl mein Vater mir Jura eher ausreden wollte, weckte er so unbewusst meine Begeisterung.
Meine Frau arbeitet ebenfalls, wir wollten Care-Arbeit fair teilen. Als unser erstes Kind kam, stellte ich klar: Ich gehe nur in die Partnerschaft, wenn ein Teilzeitmodell möglich ist. Die Kanzlei war offen, weil Lebensqualität und Talentbindung zusammengehören. Heute profitiere ich beruflich und privat von dieser Flexibilität.
Ich startete mit 80 %, jetzt 90 %. Zwei Nachmittage sind familienfrei: dafür beginne ich oft 7 Uhr. Homeoffice bis zu zwei Tage reduziert Pendelzeiten. Fällt etwas Dringendes an, kläre ich kurz, ob Rückruf am nächsten Morgen reicht – in 98 % der Fälle ja. So halte ich Beruf, Mandat und Familie im Gleichgewicht.
Unbedingt. Bewerber, Mandanten und Kolleginnen fragen immer häufiger danach. Die Erwartung, eine Anwältin müsse von sieben bis 22 Uhr greifbar sein, verliert sich. Mit klarer Kommunikation und Teamorganisation funktionieren flexible Modelle – für junge Associates genauso wie für Partner. Teilzeit ist deshalb keine Randerscheinung, sondern Zukunft unserer Branche.
Organisation und Ausbildung beim Kammergericht Berlin waren exzellent. Trotzdem erlebte ich Licht und Schatten: Eine Landgerichts-Station ohne technische Ausstattung zeigte mir, dass ich nicht in den Staatsdienst möchte. Umso spannender war die Staatsanwaltschaft – Rockerprozess, Sitzungsvertretung, echte Verantwortung. Diese Mischung bestätigte meinen Weg in die Anwaltschaft.