“Die wichtigste Hilfe ist, sich den Repetitor seines Vertrauens zu suchen und ihm zu folgen – kein Jurist schafft das Examen im Alleingang. Handwerkszeug, klares Strukturieren und das Üben von Klausuren sind die drei Schlüssel zum Erfolg.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Mich beeindruckte, wie mein Vater mittags schon am Küchentisch saß, weil er seine Akten im Griff hatte. Diese Freiheit über die eigene Zeit, kombiniert mit spannenden Entscheidungen, wirkte auf mich als Schüler magisch. Darum wollte ich nicht nur Jurist, sondern genau wie er Richter werden – ein Beruf, der Verantwortung und Selbstbestimmung vereint.
Früher kursierte der Witz vom Richter, der nachmittags auf dem Tennisplatz steht. In meiner Probezeit gab es das schon nicht mehr: Für zwei oder drei ausscheidende Richter kam meist nur ein neuer. Heute sind die Dezernate größer, Mickey-Maus-Fälle Seltenheit. Wer Richter wird, muss deutlich mehr Akten stemmen als eine Generation zuvor.
Mein Bruder unterrichtete schon vor seinem zweiten Examen bei einem Crash-Kurs-Anbieter und überredete erst unseren Vater, dann mich mitzumachen. 2004 gründeten wir die Kaiser Seminare. Im Pilotkurs in einer Jugendherberge saßen sieben Teilnehmende – vier davon waren Vaters AG-Referendare. Aus dieser Mini-Runde wuchs ein bundesweites Repetitorium mit Präsenz- und später Online-Standorten.
Im März 2020 musste ich ein Kölner Seminar wegen des Lockdowns abbrechen – draußen brannte gleichzeitig ein Haus, Weltuntergangsstimmung. Drei Monate lang hofften wir auf Präsenz, merkten aber: aussitzen klappt nicht. Also bauten wir alles auf Zoom um. Seit Sommer 2020 sind unsere Wochenend-Crashkurse reine Online-Formate, was Effizienz und Reichweite enorm erhöht hat.
Sie wirken auf mich immer jünger – was wohl an meinem Alter liegt. Fachlich sehe ich kaum Unterschiede: Leistungsbereitschaft und Neugier bleiben hoch. Schön ist, dass die Gruppen heute viel bunter und diverser sind. Leider treffe ich sie meist als kleine Zoom-Kacheln; den unmittelbaren Austausch vermisse ich sehr.
Erstens: Such dir das Repetitorium deines Vertrauens – ohne professionelle Struktur drohst du im Stoff zu ertrinken. Zweitens: Beherrsche das Handwerkszeug – Ober-sätze, Urteil-, Beschluss- und Verfügungssprache müssen sitzen, sonst sucht der Korrektor die Norm vergeblich. Drittens: Schreibe Klausuren, mindestens fünfzig, besser siebzig. Übung formt Routine und entspannt am Prüfungstag.