“Jura ist überall präsent und wenn man sich für etwas interessiert, kann man dem juristischen Spin geben und so seine Karriere und sein Leben bereichern.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Die Kanzlei zeigte mir, wie stark Beziehungen den Arbeitsalltag prägen. Zwischen Mandatsbesprechungen blieb Zeit für Kaffee und Gespräche; Stundendruck wie in deutschen Großkanzleien war selten. Ich prüfte Verträge in zwei Rechtssystemen und lernte kultursensible Kommunikation. Diese interkulturelle Erfahrung ist bis heute beruflich Gold wert.
Ohne das Semester in Kairo hätte ich kein Dissertationsthema gefunden; ohne Dissertation keinen Einstieg in die Schweizer Boutique für internationale Schiedsverfahren. Dieser Zinseszinseffekt zeigt: Jede Erfahrung baute auf der vorherigen auf und machte mich für den Markt der Streitbeilegung im Mittleren Osten attraktiv.
Pünktlichkeit ist dort elastischer: Eine Vorlesung kann statt 9.15 Uhr erst um zehn beginnen. Klausuren verschwanden beim Fakultätsumzug. Gleichzeitig öffnen sich Türen schnell, wenn man die richtigen Leute kennt – so bekam ich trotz Gaststatus eine Prüfungsleistung anerkannt. Flexibilität ersetzt Formalismus; persönliches Netzwerk schlägt Papierkram.
Monarchien und viele Republiken schützen ihr Gewaltmonopol. Will man einen Staat vor ein privates Tribunal ziehen, wird die Schiedsvereinbarung oft hinterfragt. Gerichte prüfen zudem streng, ob zwingendes Recht – etwa Grundstücksverkehr – umgangen wird. Das macht Verfahren politisch sensibel und rechtlich anspruchsvoll.
Ich vergleiche die Wirksamkeit von Schiedsvereinbarungen und die Vollstreckung von Schiedssprüchen in Ägypten sowie den VAE, flankiert von regionalen Abkommen und der New-York Convention. Ziel ist zu zeigen, wo nationales Souveränitätsdenken mit internationalen Best Practices kollidiert und welche Reformen Investitionssicherheit fördern können.
In der englischen Abteilung hörte ich Völkerrecht, internationales Handelsrecht, Schiedsverfahren und englisches Vertragsrecht. So vertiefte ich komplexe Materien auf Englisch, während ich parallel Arabisch lernte. Die Mischung aus ägyptischem Recht und globalen Bezügen schulte mein vergleichendes Denken, ohne mich sprachlich zu überfordern.