“Das Referendariat ist das Salz in der Suppe, weil man so wahnsinnig viel ausprobieren kann und praktische Erfahrung sammelt, die über das Studium hinausgeht.”
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Netzwerke nutzen! Ehemalige AG-Leiter, engagierte Richterinnen oder Kanzleien ansprechen und Wunsch-Ausbilder direkt fragen. Wichtig ist echtes Interesse, nicht nur ein großer Name. Wer vielfältige Stationen wählt, erkennt, was wirklich Freude bereitet und baut zugleich ein glaubwürdiges Profil auf.
1990 wurden durch die Wiedervereinigung schlagartig neue Richterstellen geschaffen. Plötzlich konnte ich direkt nach dem Referendariat einsteigen, statt jahrelang auf Wartelisten zu stehen. Ohne diesen historischen Moment wäre mein Weg ins Richteramt vermutlich viel länger und unsicherer gewesen.
Wer praktisch arbeiten will, promoviert am besten nach dem Zweiten Examen. Dann bleibt der Prüfrhythmus frisch, das Gehalt fließt schon und die Forschung lässt sich praxisnäher ausrichten. Promotion vor dem Referendariat sieht oft, dass der Wiedereinstieg ins Prüfungslernen mühsam wird.
Das Referendariat ist das Salz der Suppe: Man probiert Gerichte, Staatsanwaltschaft, Verwaltung, Kanzlei oder Ausland aus, ohne sich festzulegen. Dadurch entdeckt man, welcher Arbeitsstil wirklich passt, sammelt Prozessroutine und erwirbt mit dem Zweiten Examen ein Qualitätssiegel, das Karrierewege öffnet.
Im Referendariat wird Methodik zur Handwerkskunst. Ich lerne, Mandantenschilderungen blitzschnell in Tatbestände zu gießen, Beschlüsse zu formulieren und Urteile zu begründen. Strukturen, nicht Definitionen, stehen im Mittelpunkt. So übersetzen wir universitäres Wissen in gelebtes Recht.
Wir schreiben niemandem Schwimmflügel vor. Referendarinnen sprechen offen ab, wann sie Lernphasen brauchen. Kontrolle gibt es nicht, wohl aber Vertrauen. Entscheidend ist ein klarer Zeitplan: Strukturen festigen, Schwerpunkte setzen, Perfektionismus ablegen. So bleibt Raum für Praxis und konzentriertes Pauken.