Astrid Kohlmeier

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27.09.2021Podcast-Episode

IMR102 - IMR102: Legal Design Thinking und Kollaboration | Interview Legal Designerin

Teilnahme am IMR Jurapodcast

Bei: Astrid Kohlmeier
🚀 Karriereweg von Astrid Kohlmeier

Fragen & Antworten

10:58–12:08

Lässt sich Präzision und Verständlichkeit vereinen?

Unbedingt. Fachbegriffe bleiben, wenn sie nötig sind, doch ich erkläre sie zusätzlich in einfacher Sprache oder Grafiken. Der Text behält seine rechtliche Genauigkeit, während Nichtjuristen den Sinn begreifen. Es geht nicht ums Streichen, sondern ums Vermitteln – das reduziert Konflikte, spart Zeit und erleichtert Entscheidungen.

19:30–21:11

Haben Post-its im Workshop wirklich Sinn?

Ja. Die bunten Zettel machen Gedanken sichtbar, lassen sich farblich clustern und jederzeit versetzen, wenn neue Erkenntnisse kommen. Dieses haptische Arbeiten fördert Kreativität und gemeinsame Verantwortung. Digitale Whiteboards wie Miro bilden es heute virtuell ab, doch das Prinzip bleibt: flexible Visualisierung statt starrer Protokolle.

24:04–25:36

Warum ist interdisziplinäre Zusammenarbeit so wichtig?

Juristen, Designer, Entwickler und Psychologen schließen gegenseitig ihre Lücken. Gemeinsam übersetzen wir Regeln in nutzbare Services. Diese Kollaboration ist der Innovationstreiber, den das traditionelle Einzelkämpfer-Mindset verhindert. Ich habe erlebt, wie erst das Zusammenspiel unterschiedlicher Blickwinkel wirklich praxistaugliche Lösungen entstehen lässt.

15:41–19:19

Welche Schritte empfiehlst du Finanzbehörden?

Ich starte mit Nutzerinterviews: Wo hakt der Steuerbescheid – Formulare, Fristen, Sprache? Die belegten Pain-Points führen zu Prototypen, etwa einem interaktiven Dashboard statt PDFs. Nach Tests und Anpassungen entsteht ein Prozess, der in vorhandene Workflows passt. Anfangs aufwendig, langfristig weniger Rückfragen, vollständigere Daten und niedrigere Kosten.

04:07–06:11

Warum fehlt Nutzerfokus in juristischer Ausbildung?

Unsere Studiengänge trainieren vor allem Subsumtion und Paragraphen, nicht Empfängerorientierung. Wir lernen selten, Verträge als Dienstleistung zu verstehen. Erst im Referendariat merkt man, wie sehr Mandanten Verständlichkeit brauchen. Legal Design liefert mir dafür Haltung und Werkzeuge – zuhören, Bedürfnisse erforschen, klar übersetzen. Universitäten sollten das früh integrieren, um auf moderne Praxis vorzubereiten.

31:12–33:05

Wie habt ihr Airbus-NDAs vereinfacht?

Wir interviewten Start-ups, entdeckten Misstrauen und überflüssige Klauseln, entwickelten einen klar strukturierten, visuell aufbereiteten Prototyp und testeten ihn mehrfach. Der neue Vertrag ist juristisch wasserdicht, in Minuten verstanden und wird mittlerweile begeistert geteilt. Rückfragen an die Rechtsabteilung sind drastisch gesunken – ein echter Beweis für den Mehrwert von Legal Design.