Associate
Arbeitgeber in Folgen: Alter & Knoch
“Im Berufsalltag sind Kommunikation, Verhandlungsgeschick und Psychologie oft wichtiger als juristisches Wissen. Recht ist der letzte Schritt, Konflikte sollten zuvor auf emotionaler Ebene gelöst werden – das spart Zeit, Kosten und Nerven.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Einerseits war es eine Kostenfrage, andererseits wollte ich eigenständig Struktur schaffen. Lieber mit der Machete den Prüfungs-Dschungel freilegen als einer vorgegebenen Asphaltstraße folgen. Die harte Selbstorganisation hat zwar Nerven gekostet, aber meine Fähigkeit geschärft, Stoff zu priorisieren – exakt die Kompetenz, die ich heute in jeder Mandatsbearbeitung brauche.
Wir waren zu viert, trafen uns dreimal pro Woche, hatten einen verbindlichen Themenplan. Jede Woche bereitete jemand einen Fall vor, verschickte ihn samt Skizze; gemeinsam diskutierten wir Lösung, Taktik und Fallstricke. Nebenbei teilten wir private Tiefs, bauten uns auf und verhinderten so, dass das Ganze zum bloßen Kaffeekränzchen wurde.
Mein wichtigstes Werkzeug ist Kommunikation, gefolgt von Verhandlungsgeschick und Psychologie; der Paragrafenhammer kommt zuletzt. Wer empathisch zuhört, kultursensibel vermittelt und vielleicht noch eine Fremdsprache beherrscht, löst viele Konflikte außergerichtlich. Das spart Mandanten Zeit, Geld und Nerven – und schafft das Vertrauen, auf dem jede langfristige Mandatsbeziehung beruht.
Nach mindestens drei Jahren Tätigkeit schreibe ich die notarielle Fachprüfung – das berüchtigte „dritte Examen“. Nach fünf Jahren anwaltlicher Praxis kann ich bestellt werden. Da die Plätze begrenzt sind, entscheidet eine Bestenauslese aus Zweitem Staatsexamen und Fachprüfung. Erst wer dort vorn liegt, erhält schließlich die notarielle Urkunde.
Ich begleite Menschen bei lebensprägenden Momenten: erste Immobilie, Unternehmensgründung, Ehevertrag oder Nachlass. Jede Urkunde verbindet harte Dogmatik mit höchst persönlicher Realität. Als neutraler Gestalter baue ich Brücken, sichere Risiken ab und ermögliche Lösungen ohne Gerichtsstreit. Diese direkte, positive Wirkung auf das Leben meiner Mandanten motiviert mich jeden Tag.
Mein Hiwi-Job bei einem staatsrechtlichen Lehrstuhl konfrontierte mich früh mit Grundfragen wie „Was ist der Staat?“. Im Schwerpunkt konnte ich solche Begriffe systematisch hinterfragen, methodisch arbeiten und juristische Argumentation von der Wurzel her verstehen. Das versprach echte Bildung statt bloßen Klausurwissens – ein Investment, das sich bis heute auszahlt.