“Im Insolvenzrecht ist man von heute auf morgen in unterschiedlichsten Branchen unterwegs – von Krab”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Obwohl ich die Menschen im Rheinland schätzte, bot Jena modernere Studienbedingungen und eine höhere Diversität am Campus. Die räumliche Nähe der verschiedenen Fakultäten dort sorgt für eine bunte Mischung an Interessen und Studierenden, was mir persönlich deutlich besser gefiel als die eher abgekapselte Atmosphäre am Bonner Juridikum.
Mein Doktorvater, Professor Bayer, schlug mir die Verknüpfung von Insolvenz- und Sportrecht vor. Da der Sport sich zunehmend kapitalisierte und mit dem ESUG InsO neue Sanierungsoptionen entstanden, untersuchte ich empirisch und rechtlich die Insolvenzgründe sowie Managementstrukturen in Vereinen der Sportarten Fußball, Handball und Volleyball.
Ausschlaggebend war eine Reportage auf NTV über einen Insolvenzverwalter. Mich faszinierte die Dynamik: Man muss sich extrem schnell in unterschiedlichste Branchen und wirtschaftliche Szenarien reindenken. Zudem gilt es, in Krisensituationen die verschiedensten Interessen unter Berücksichtigung rechtlicher und ökonomischer Rahmenbedingungen zu vereinen und Sanierungslösungen zu finden.
Das oberste Ziel ist immer die bestmögliche Gläubigerbefriedigung gemäß § 1 InsO. In der Praxis bedeutet das zunächst die Sicherung der Insolvenzmasse durch den vorläufigen Verwalter. Heutzutage steht dabei jedoch immer öfter die Fortführung des Unternehmens und der Erhalt von Arbeitsplätzen im Fokus, statt einer reinen Zerschlagung.
Ohne die wirtschaftlichen Hintergründe und Verhältnisse eines Unternehmens zu verstehen, lässt sich ein Verfahren nicht zielführend abschließen. Man muss die wirtschaftliche Realität mit dem Recht verknüpfen können. Nur so lassen sich Insolvenzgründe rechtzeitig prüfen und Risiken wie die Insolvenzverschleppung, die ein scharfes Schwert darstellt, adäquat handhaben.
In der Eigenverwaltung bleibt das Management im 'Driver's Seat' und gibt die Fäden nicht vollständig aus der Hand. Unter Aufsicht eines Sachwalters kann das Unternehmen den Sanierungspfad selbst durchsteuern. Das setzt jedoch voraus, dass man frühzeitig rechtlich beraten ist, bevor das Kind endgültig in den Brunnen gefallen ist.