“Im Familienrecht geht es vor allem um die finanzielle Entflechtung, Unterhalt und Zugewinnausgleich, bei dem Vermögen während der Ehe hälftig geteilt wird. Es ist ein Bereich, der ständig im Fluss ist und viele Facetten hat.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Das Doppelstudium in Düsseldorf und Cergy-Pontoise brachte mir fließendes Französisch, interkulturelles Feingefühl und Einblicke in ein anderes Prüfungssystem. Ich sah, wie ähnlich BGB und Code civil sind, lernte Entscheidungen zu kommentieren und blieb dadurch motiviert. Heute nutze ich dieses Wissen ständig in internationalen Mandaten – ohne Frankreich hätte ich vielleicht aufgegeben.
Unvergesslich: Zwei Frauen suchten per eBay-Kleinanzeigen einen Samenspender – Tupperdose inklusive. Nach zwei Kindern trennte sich die nicht-leibliche Mutter und verweigerte Unterhalt. Also musste ich beim ahnungslosen Spender anklopfen und Unterhalt durchsetzen. Eine Online-Anzeige, zwei Kinder und eine überraschende Zahlungspflicht: Familienrecht schreibt die unglaublichsten Geschichten.
Ich vergleiche Vermögen bei Heirat mit Vermögen beim Scheidungsantrag. Hat ein Ehegatte mehr hinzugewonnen, zahlt er die Hälfte dieser Differenz aus. Ererbtes oder Geschenktes wird nur mit damaligem Wert herausgerechnet; Wertsteigerungen müssen ausgeglichen werden. Klingt simpel, explodiert aber schnell, wenn Immobilien oder Unternehmen bewertet und bezahlt werden müssen.
Das hängt von euren Umständen ab. Hohe Vermögensunterschiede, Unternehmertum oder Auslandsbezug sprechen für vertragliche Modifikationen. Dann gestalte ich etwa Zugewinn oder Unterhalt, um Bewertungsstreit, Gutachterkosten und Prozessrisiken zu vermeiden. Haben beide ähnliches Einkommen und keine besonderen Risiken, genügt oft die gesetzliche Lösung. Beratung klärt, ob ein Vertrag wirklich Mehrwert bringt.
Während der Ehe zahlen beide faktisch in einen gemeinsamen Rententopf. Bei Scheidung werden alle in dieser Zeit erworbenen Anwartschaften halbiert (§§ 1587 ff. BGB). Das kann Pensionen drastisch kürzen und ist finanziell oft der größte Posten. Deshalb prüfe ich den Versorgungsausgleich immer zuerst – dort entscheidet sich häufig die Existenzsicherung beider Seiten.
Den Kurs machte ich gleich im ersten Berufsjahr. Er gab mir den umfassenden Überblick und ich konnte das Gelernte sofort an echten Fällen mit Supervision anwenden. Wer früh spezialisiert, wächst schneller fachlich, gewinnt Selbstvertrauen und kann komplexe Mandate übernehmen, statt jahrelang nur Teilaufgaben zu erledigen.