“„Die AI wird die juristische Welt massiv beeinflussen. Es fällt vieles weg, was eh keiner machen will. Aber die Empathie bleibt wichtig und wird neu gedacht.“”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Ich sah damals zahllose Hartz-IV-Empfänger, die sich gegen fehlerhafte Bescheide schlicht keine anwaltliche Hilfe leisten konnten. Mit drei Mitgründern wollte ich beweisen, dass Digitalisierung und Erfolgshonorar den Zugang zum Recht möglich machen. Unser Start-up sollte zeigen: Gute Rechtsdurchsetzung ist kein Luxus, sondern skalierbar, wenn man Prozesse standardisiert und Kostenrisiken übernimmt.
Das Thema treibt mich unverändert. Jede technische Entscheidung wird bei uns daran gemessen, ob sie Mandanten schneller, günstiger und qualitativ hochwertiger zu ihrem Recht bringt. Erst wenn ein Verbraucher meiner Mutter auf Augenhöhe mit Freshfields-Anwälten prozessieren kann, habe ich mein Ziel erreicht; alles andere bleibt Mittel zum Zweck.
Wir haben etliche Sackgassen getestet – falsche Preismodelle, ungeeignete Tools, zu schnelle Erweiterungen. Wichtig war, nie an einer Fehlentscheidung festzukleben. Durch konsequentes Abstellen lernst du blitzschnell, was skaliert. Rückblickend waren die Irrtümer unser Lehrplan: Sie schärften Fokus, Gründerzusammenhalt und den Mut, unpopuläre Korrekturen sofort umzusetzen.
Wir halten eine einheitliche Datenstruktur vor, automatisieren jeden Schritt bis zur Stelle, an der ein juristisches Urteil gefragt ist. Dokumente, Fristen, Mandantenkommunikation laufen workflow-basiert; der Anwalt entscheidet nur noch Strategie. So sparen wir Zeit, erhöhen Konsistenz und können uns auf die rechtliche Wertung konzentrieren, nicht auf Copy-Paste.
Wir stellen neugierige, digitalaffine Juristen ein, die Prozessdenken mögen und Mandanten verständlich beraten können. Formaler Dresscode oder langer Titel sind zweitrangig. Wichtig ist Eigenverantwortung, Lust auf interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Produkt-, Marketing- und Developer-Teams sowie der Wunsch, Recht pragmatisch umzusetzen statt Paragraphen zu verwalten.
Large-Language-Models werden juristische Routinearbeit radikal vereinfachen. Recherche, Erstanalysen und Mandantenkommunikation lassen sich künftig in Minuten erledigen. Das zwingt Kanzleien, ihr Geschäftsmodell auf Beratung, Strategie und Prozessführung zu verlagern. Wer die Technik früh integriert, steigert Qualität und Zugänglichkeit; wer wartet, verliert Mandate. Für mich ist das die spannendste Transformation seit dem Internet.