“„Der gesetzliche Auftrag zielt darauf ab, Kinder zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu schützen und dabei auch gesellschaftliche Werte zu reflektieren und weiterzuentwickeln.“”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Nach dem Rat eines Jugendmedienschutz-Ausbilders schrieb ich ohne Stellenausschreibung an die Bundesprüfstelle. Ich schilderte meine Motivation und bot konkrete juristische Fähigkeiten an. Vier Monate später stand ich als Referentin im Sitzungssaal – ein Beweis, dass Eigeninitiative Türen öffnet, gerade im öffentlichen Dienst.
Die Zwölfergremien vereinen Lehrkräfte, Buchhändler, Künstler und Jugendhilfe. Dieses pluralistische Umfeld fordert mich juristisch wie menschlich: Ich moderiere Grundrechts-Abwägungen zwischen Kunstfreiheit und Kinderschutz. Die Entscheidungskraft des Gremiums zeigt unmittelbar Wirkung im Alltag – das macht die Sitzungstage so reizvoll.
Unsere Leitlinie lautet: Vermeide sozial-ethische Desorientierung. Wir prüfen zunächst die gesetzlichen Tatbestände, ziehen dann Grundrechte heran und suchen praktische Konkordanz. Erst wenn Gewaltverherrlichung, Pornografie oder Diskriminierung das Kindeswohl ernsthaft gefährden, erfolgt eine Indizierung. Wertebewusstsein, nicht Moralismus, bestimmt dabei unser Urteil.
Wer täglich drastische Gewalt oder Pornografie sichtet, braucht Schutz. Darum rotieren meine Juristinnen zwischen Themen, schreiben Artikel, halten Vorträge und betreuen Messen. Diese inhaltliche Mischung, kombiniert mit Supervision, verhindert psychische Überlastung und erhält die fachliche Neugier – Fürsorge ist hier Führungsaufgabe.
Mein erster Jugendmedienschutz-Ausbilder zeigte mir, dass guter Jugendschutz grundrechtliche Feinmechanik erfordert. Seine Begeisterung für die Sache und sein Rat, „an der Bundesprüfstelle kommt niemand vorbei“, haben mein Berufsethos geprägt. Er war mein fachliches Vorbild für neugierige, zugleich konsequente Rechtsanwendung.
Als Mutter zweier Kinder habe ich täglich den Praxistest vor Augen. Ich weiß, wie schwierig Bildschirmzeiten, Klassenchat oder Shooter-Diskussionen sein können. Diese Perspektive lässt mich Entscheidungen aus Sicht von Familien treffen und die Kommunikation so gestalten, dass Eltern handlungsfähig bleiben.