“Strafverteidigung muss eine Geschichte erzählen, die mindestens ebenso überzeugend ist wie die der Staatsanwaltschaft. Doch das Schweigerecht und die Unschuldsvermutung werden zunehmend in Zweifel gezogen.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Schon als Jugendlicher spürte ich, dass Strafverteidigung unmittelbaren Einfluss auf Freiheit und Würde eines Menschen hat. Dieses Spannungsfeld zwischen staatlicher Macht und individuellem Rechtsschutz empfand ich als hoch-sozial und intellektuell herausfordernd. Mir gefiel, dass man Argumentation, Empathie und Rechtsdogmatik bündeln muss, um wirklich etwas zu bewegen. Darum wurde Strafverteidigung sehr früh meine Berufung.
Ein engagierter Gemeinschaftskundelehrer brachte uns Urteile des Bundesverfassungsgerichts nahe. Er zeigte, dass hinter sperrigen Abkürzungen Macht und Rechtsstaat stecken. Diese Entdeckung, gepaart mit seinem Vertrauen in meine auswendig gelernten Entscheidungen, weckte meinen Ehrgeiz, tiefer in die Materie einzusteigen – letztlich der Startschuss für mein Jurastudium.
Presse und Social-Media erzeugen heute Parallelverfahren. Noch bevor die Akte vorliegt, formt die Schlagzeile ein Vorurteil. Ich muss deshalb nicht nur das Gericht, sondern auch die Öffentlichkeit adressieren, ohne das Mandatsgeheimnis zu gefährden. Strategische Statements, presserechtliche Schnellschüsse und Krisen-PR gehören inzwischen zum Pflichtrepertoire jeder ernsthaften Verteidigung.
Eine Anwaltspersönlichkeit verleiht dem Beruf eigenes Gepräge: Sie kombiniert fachliche Exzellenz mit Haltung, nutzt Sprache meisterhaft und bleibt auch unter Druck unabhängig. Ob politischer Einsatz wie bei Otto Schily oder handwerkliche Eleganz wie bei anderen Größen – entscheidend ist, dass Mandanten, Gerichte und Öffentlichkeit einen unverwechselbaren Stil wahrnehmen.
Sprache war für mich immer Schlüssel zur Verantwortung. Ich wollte Worte so präzise einsetzen, dass sie Wirklichkeit gestalten. Jura bot mir genau das: komplexe Sachverhalte durch Sprache strukturieren, Chiffren wie „BVerfGE“ entschlüsseln und in überzeugende Argumente übersetzen. Das Zusammenspiel aus Semantik und Rechtsfolgen treibt mich bis heute an.
Inspiriert hat uns Jürgen Teipels "Verschwende Deine Jugend", eine mündliche Geschichte der Punkbewegung. Durch montierte Originalstimmen entsteht Authentizität, die kein Kommentartext erreicht. Genau diesen unmittelbaren Sound wollten wir für die Strafverteidigung: ungefilterte Stimmen, persönliche Anekdoten, lebendige Zeitgeschichte statt trockener Analyse.