“Am allerersten Tag hieß es: Kannst du mal die Grundbücher mit KI prüfen? Ich”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Ich konnte mich damals nicht zwischen Jura und BWL entscheiden. In Augsburg gab es einen der wenigen Kombi-Studiengänge, der es mir ermöglichte, in beide Bereiche hineinzuschnuppern. Das half mir enorm bei der Orientierung. Letztlich stellte ich fest, dass mir die juristische Systematik mehr liegt als die reine Betriebswirtschaftslehre, auch wenn ich die wirtschaftliche Komponente beibehalten wollte.
In Shanghai wurde mir während meines Bachelorstudiums bewusst, dass ich keine klassische Juristin im herkömmlichen Sinne werden möchte. Die Erfahrung dort hat mir jedoch bestätigt, dass mein Interesse an juristischen Fragestellungen die Begeisterung für BWL überwiegt. Dies war der Grundstein für meine Spezialisierung auf das Wirtschaftsrecht und meinen späteren Master in Augsburg mit Fokus auf Gesellschaftsrecht und M&A.
Das war reiner Zufall. Ich lernte bei einem Uni-Event einen Partner kennen, der jemanden suchte. Obwohl ich bis dahin keine Berührungspunkte mit Real Estate hatte und erst lernen musste, wie man ein Grundbuch liest, ergriff ich die Chance. Dort kam ich bereits am ersten Tag mit KI-Tools zur Grundbuchprüfung in Kontakt, was meinen Weg in Richtung Legal Tech ebnete.
Meine damalige Mentorin im Real-Estate-Team betrieb bereits Legal Tech. Als sie die Kanzlei verließ, übernahm ich ihre Aufgaben übergangsweise. Mein Leitpartner ermutigte mich, diesen technischen Bereich auszuprobieren, und bot mir eine Rückkehrgarantie in sein Team an. Das gab mir die nötige Sicherheit, mich in das neue Feld einzuarbeiten, obwohl ich ursprünglich gar nicht besonders technikaffin war.
Der Markt hat sich in den letzten Jahren stark geöffnet. Kanzleien erkennen heute den massiven Mehrwert, den Kollegen mit Bachelor oder Master durch ihre wirtschaftliche Sichtweise einbringen. Bei DLA Piper arbeiten wir beispielsweise in hybriden Rollen wie dem Legal Delivery Center. Hier leisten Projektjuristen wertvolle Vorarbeit, die dann von Volljuristen im Vier-Augen-Prinzip kontrolliert wird, was die Effizienz für Mandanten deutlich steigert.
In meinem internationalen Team arbeiten wir mit Kollegen aus den Bereichen Politikwissenschaft, IT und Jura zusammen. Diese Diversität führt zu wesentlich besseren Lösungen. Während IT-Experten die technische Machbarkeit prüfen, verstehen wir Juristen die spezifischen Pain Points der Anwälte. Durch diesen Austausch entstehen innovative Ansätze, die ein rein juristisch geprägtes Team so oft nicht entwickeln könnte.