“Gute juristische Texte zeichnen sich durch klare, verständliche Sprache aus - juristische Fachsprache hingegen ist oft das Gegenteil und erschwert das Verständnis.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Nach drei Kanzleijahren merkte ich, dass mich das klassische Mandatsgeschäft nicht erfüllte. Ein erfahrener Kollege hatte mir geraten, diese Zeit abzuwarten. Als sich danach noch immer kein echtes "Ankommen" einstellte, verließ ich die Sozietät – ohne perfekten Plan, aber mit dem klaren Gefühl, etwas Neues finden zu müssen, das besser zu mir passt.
In den ersten zwei Jahren spielte Spiegel Online unsere Artikel direkt auf seiner Startseite aus. Der enorme Traffic verschaffte uns Sichtbarkeit – und stürzte unsere Server regelmäßig ins Chaos. Inhaltlich blieben wir aber von Beginn an ein eigenständiges Portal.
Sieben feste Redakteurinnen, unterstützt von Studierenden, veröffentlichen im Stundentakt. Ein Chef-vom-Dienst und der Newsdesk scannen permanent die Lage, eine Wochen- und Tagesplanung gibt Orientierung. Kommt Dringendes rein – 80 Prozent der Zeit –, werfen wir alles um. Wer hier arbeitet, muss Adrenalin mögen.
Ich möchte schlicht sagen, was ist – und zeigen, wo vermeintliches Recht in Wahrheit Politik ist. Gerade im Lügenpresse-Klima erklären wir Funktionsweise von Gerichten und Rechtsstaat. Fakten sind unser Mittel gegen Hass. Deshalb haben wir zeitweise sogar Kommentarfelder geschlossen, bis wir genug Ressourcen für eine bessere Moderation haben.
Wir wollen alles liefern, was Juristinnen brauchen – fachlich solide, sprachlich angenehm. "Recht, das Spaß macht" war unser Gründungsmotto. Von Karriere bis Supreme-Court-Kuriosität: Wir vermitteln juristische Allgemeinbildung, damit selbst die Gesellschaftsrechtlerin abends in der Kneipe etwas zur Scheidung ihrer Freundin sagen kann.
Mein Herz schlägt für Straf- und Presserecht. Gerichtsreportagen, am liebsten bei großen Strafverfahren oder verfassungsrechtlichen Fragen wie der Sterbehilfe-Entscheidung, lassen mich immer noch Gänsehaut bekommen. Recht am Anfang und Ende des Lebens verbindet Emotion, Grundrechte und spannende Dogmatik – genau mein Ding.