“Es kommt zunehmend weniger auf das rein juristische Fachwissen an. Interpersonelle Kompetenz”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Ich habe mich für Mannheim entschieden, weil dort der LLB-Unternehmensjura angeboten wird. Dieser Studiengang kombiniert juristische Inhalte mit betriebswirtschaftlichen Grundlagen. Da ich mich schon früh für das Steuerrecht interessierte und die Schnittstelle zwischen Jura und BWL spannend fand, war Mannheim der ideale Ort, um bereits in den ersten sechs Semestern wertvolle Vorerfahrungen in der Bilanzierung und Steuerlehre zu sammeln.
Im Wirtschaftsrecht halte ich das auf jeden Fall für sinnvoll. Wenn man nach dem Studium nur BGB-AT und Schuldrecht kennt, aber zum ersten Mal in einer Kanzlei vor einer Bilanz steht, ist das sehr schwierig. Viele Kanzleien lehren das zwar on-the-job, aber ein frühes Verständnis dafür, wie Mandanten wirtschaftlich ticken und wo Probleme in der Bilanz liegen könnten, ist ein enormer Vorteil für die Beratungspraxis.
Ich habe mich für diesen „Sweet Spot“ entschieden, weil ich das mittelständische Beratungsumfeld in Kombination mit der Professionalität einer Großkanzlei schätze. Hier darf ich an großen, spannenden Mandaten mit internationalem Bezug arbeiten, ohne die ganz krasse Arbeitsbelastung der allergrößten Einheiten zu haben. Für meinen Berufseinstieg bot mir das die beste Möglichkeit, früh Mandatsverantwortung zu übernehmen und mich fachlich sowie persönlich als Berater weiterzuentwickeln.
Als Rechtsanwalt hilft mir das Steuerberaterexamen vor allem dabei, die betriebswirtschaftlichen Hintergründe der Mandanten besser zu verstehen. Man lernt rein praktisch, wie eine Steuererklärung oder eine Bilanz aufgebaut ist. Da viele Probleme unserer Mandantinnen aus Unstimmigkeiten in der Buchführung oder Prüfung resultieren, ist dieses Wissen essenziell, um die Ursachen ihrer rechtlichen Sorgen wirklich zu durchdringen und eine passgenaue Beratung anzubieten.
Ich glaube, uns Juristinnen und Juristen fällt die Vorbereitung leichter, weil wir durch die beiden Staatsexamina bereits gelernt haben, gewaltige Stoffmengen in kurzer Zeit zu komprimieren. Wir wissen, wie man unter hohem Druck Klausuren schreibt. Da das Steuerberaterexamen nur aus drei sechsstündigen Klausuren besteht, ist die Fallhöhe zwar extrem hoch, aber unsere methodische Ausbildung in der Prüfungsvorbereitung ist ein entscheidender strategischer Vorteil.
Grundsätzlich gilt: Wenn der Staat mit privaten Unternehmen in Wettbewerb tritt, soll er nicht durch Steuerbefreiungen privilegiert werden. Das dient der Vermeidung von Marktverzerrungen. Wir unterscheiden daher genau zwischen rein hoheitlichen Tätigkeiten und unternehmerischen Handlungen. Sobald eine Körperschaft des öffentlichen Rechts am Markt agiert, etwa durch eine Kantine, wird sie steuerpflichtig, um faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber privaten Anbietern sicherzustellen.