“Nichtbestehen als Chance sehen und das Beste daraus machen. Dann kommt es zu einem Happy End.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Schon als Kind habe ich gern sachlich gestritten und Familienangelegenheiten verhandelt. Dieses Bedürfnis, Argumente zu strukturieren und anderen eine Stimme zu geben, ließ mich vom Pilotentraum abweichen. Im Studium fand ich genau das wieder: logisches Denken, Sprache als Werkzeug und die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen.
Das Lernen in zwei Sprachen hat mir früh gezeigt, komplexe Inhalte aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Gerade im Zivilrecht half mir die französische Terminologie, systematische Unterschiede schneller zu verstehen. Außerdem gewöhnte ich mich daran, Lehrbücher parallel auszuwerten – eine Fähigkeit, die mir später beim Vergleich mehrerer Kommentierungen enorm half.
Nach der Zwischenprüfung suchte ich eine größere Fakultät mit starkem Examensprogramm. Köln bot hervorragende Repetitorien und die Chance, näher an meiner Heimat zu sein. Außerdem wollte ich den Austausch mit Kommiliton:innen, deren Eltern häufig selbst Jurist:innen sind – für mich eine neue Inspirationsquelle.
Plötzlich war die Bibliothek geschlossen, das Unirep lief nur per Zoom und ich saß allein im WG-Zimmer. Ohne feste Umgebung fiel mir Disziplin schwer; zwei, drei Stunden Lernen rutschten weg. Der fehlende Austausch machte es schwieriger, Unsicherheiten sofort zu klären – ein echter Produktivitätskiller.
Ich investierte netto oft nur zwei bis drei Stunden täglich. Rückblickend wusste ich: Damit verdiene ich kein Bestehen. Mir fehlten regelmäßige Probeklausuren und strukturierte Wiederholung – ich lernte eher „lesend“ als „anwendend“. Das Ergebnis spiegelte exakt diese Lücken wider.
Ich erklärte das Examen zu meinem größten Mandat. Fünf bis sechs Netto-Stunden wurden Pflicht, ergänzt um eine Wochenplanung wie in einer Kanzlei. Entscheidender Punkt: Jede Klausur erhielt eine ebenso lange Nacharbeit – erst dadurch verwandelte ich Fehler in Punkte.