“Es steht nirgendwo geschrieben, dass man ein Recht nutzen muss. Oft wird da ein grundsätzlicher Fehler gemacht, wenn man bei Bauprojekten zu sehr von den rechtlichen Möglichkeiten ausgeht, statt unternehmerisch zu denken.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Eigentlich war es Zufall: Erst als mich Professor Fiegen unvermittelt in seinen Bausenat holte, begriff ich, wie spannend das Zusammenspiel aus Technik, Ökonomie und Recht sein kann. Nach wenigen Wochen in diesem Umfeld merkte ich: Das wird mein Thema – und die Faszination hat mich seitdem nie mehr losgelassen.
Im Schiedsverfahren treffe ich ein endgültiges, vollstreckbares Urteil. In der Schlichtung leite ich nur an, formuliere einen Lösungsvorschlag – entscheiden müssen die Parteien selbst. Adjudikation liegt dazwischen: Ich entscheide vorläufig bindend binnen weniger Wochen, damit Bauablauf und Liquidität gesichert bleiben; prüfen kann man das erst nach Projektende.
Faktenfleiß bleibt Grundvoraussetzung – Sie müssen gigantische Aktenmengen beherrschen. Daneben zählt Kommunikationsgeschick: komplexe Technik verständlich machen, Risiken ehrlich erklären, Vertrauen schaffen. Ohne diese Mischung aus Detailtiefe und Empathie nimmt Sie keine Partei als neutralen Problemlöser ernst.
Ein wütender Bauleiter tippt nachts eine Behinderungsanzeige, der Auftraggeber weist sie morgens brüsk zurück – schon eskaliert alles. Falsche Tonalität, unklare Strukturen und fehlender Respekt produzieren mehr Streitfälle als jede feuchte Bodenplatte. Gute Verträge helfen nur, wenn die Menschen richtig miteinander sprechen.
Vorab schickt jede Seite eine kompakte Stellungnahme samt Kernbelegen. Dann treffen wir uns – möglichst persönlich – einen ganzen Tag lang. Ich ordne die Sach- und Rechtslage ein, markiere den realistischen Ergebniskorridor und lasse die Parteien verhandeln. Meist unterschreiben wir abends einen Vergleich.
Der Markt ist klein und kopfgetrieben. Suchen Sie daher eine Litigation- oder Arbitration-Abteilung einer großen Kanzlei oder docken Sie bei etablierten Schlichtern an. Fachwissen, Sichtbarkeit und Reputation wachsen nur durch Mitarbeit an echten Fällen – ein Schild an der Tür reicht nicht.