“Lust haben, mit Menschen zusammenzuarbeiten und beste Lösungen im Team zu finden, sich mit Recht auseinanderzusetzen und eine Kombination aus Leitung und Fachlichkeit zu leben, um unseren Staat gut aufgestellt zu erhalten.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Im Ministerium suchte man kurzfristig junge Regierungsrätinnen mit Strafrechts- und Steuerexpertise, die noch nicht unverzichtbar verplant waren. Meine Akte verband Diplom-Finanzwirtin, Jura-Background und frische Führungserfahrung. So landete ich auf dem Tisch der Personalabteilung und erhielt Freitagmittag den Anruf, montags ein strafrechtliches Gutachten zum Datenankauf vorzulegen.
Reiner Zufall. Ein Prüfer im mündlichen Examen suchte Finanzwirtinnen für seinen steuerrechtlichen Lehrstuhl in Bochum. Er bot mir eine wissenschaftliche Mitarbeit und die Promotion an. Eigentlich wollte ich sofort ins Referendariat, aber die Chance, Forschung und Praxis zu verbinden, war zu verlockend – also griff ich zu.
Als Sachgebietsleiterin verantworte ich rund zwanzig Mitarbeitende, gleiche Rechtsanwendung, Personalentwicklung und strategische Kennzahlen. Mich begeistert die Kombination aus juristischer Tiefenschärfe und der Aufgabe, Teams zu befähigen. Ich kann gestalten, Prozesse verbessern und gleichzeitig bei schwierigen Rechtsbehelfen selbst in die Argumentation einsteigen – bester Mix aus Paragraph und Menschenführung.
Ich kam aus einem Elternhaus, in dem das Geld knapp war. Die Ausbildung zur Diplom-Finanzwirtin bot sofort ein verlässliches Gehalt, gleichzeitig einen Studienplatz und eine sichere Perspektive. Damit konnte ich meine Familie entlasten und mir akademische Türen offenhalten. Der Schritt war also weniger Berufung als pragmatische Absicherung – und erwies sich später als ideales Sprungbrett.
Während des dualen Studiums merkte ich, wie stark unsere Arbeit rechtlich geprägt ist. Ich sah, dass Juristinnen in der Verwaltung schneller Führungsaufgaben erhielten und komplexere Entscheidungen verantworteten. Diese Mischung aus Fachrecht und Personalführung reizte mich – also finanzierte ich mir nebenbei in Teilzeit das Jurastudium in Münster.
Im Finanzamt schrieb ich täglich umfangreiche Veranlagungen und war durch die Fachhochschule an permanente Klausuren gewöhnt. Diese Routine, knifflige Sachverhalte in kurzer Zeit schriftlich zu lösen, übertrug ich eins-zu-eins aufs Examen. So fiel die mentale Hürde, und der Freischuss lief überraschend glatt – reine Übungssache.