“Die juristische Ausbildung ist eine sehr gute Basis, doch das, was heute zählt, ist auch Familie, Freizeit und die passende Work-Life-Balance – das ist wichtiger geworden als früher.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Ich leite gemeinsam mit dem Minister ein Haus mit rund 12.500 Beschäftigten. Personalfragen laufen über meinen Schreibtisch – von der Einstellung bis zur Beförderung jeder Richterin und jedes Staatsanwalts. Gleichzeitig begleite ich Gesetzesinitiativen, verantworte Justizvollzug, Digitalisierung, Haushalts- und Organisationsentscheidungen. Kurz: alles, was Hessens Justiz am Laufen hält, muss bei mir fachlich, organisatorisch und politisch zusammengeführt werden.
Politik und das Miteinander in der Gesellschaft faszinierten mich bereits in der Schule. Ein Onkel, der Jurist in der Staatsverwaltung war, zeigte mir, wie Recht Gestaltungsraum eröffnet. Diese Mischung aus gesellschaftlicher Verantwortung und persönlichem Vorbild ließ mich – trotz Ärztefamilie – bewusst den Weg in die Rechtswissenschaft einschlagen.
Bis Ende 2025 führen wir flächendeckend die elektronische Akte ein. Richter:innen arbeiten mit Tablets, docken sie im Saal an, Serviceeinheiten und Anwälte greifen zeitgleich darauf zu. Zuhause oder im Gericht kann ich identisch arbeiten; Aktentransporte entfallen. Das eröffnet echte Home-Office-Optionen und beschleunigt Verfahren erheblich.
Wir haben die ersten zwei Stufen gestrichen: Berufseinsteiger beginnen sofort in R1 Stufe 3. Das bedeutet rund 4.900 Euro Grundgehalt plus Familien- bzw. Kinderzuschläge. Netto bleibt wegen fehlender Sozialversicherungsabgaben deutlich mehr. Damit liegt Hessen bundesweit auf Platz 2 hinter Bayern – ein spürbarer Wettbewerbsvorteil.
Nach meinem grünen Licht können Kandidat:innen sofort befristet als Tarifbeschäftigte in „ihrer“ Geschäftsstelle starten. Sie verdienen wie Landesjurist:innen, lernen Team, elektronische Akte und Verfahren kennen und überbrücken die Zeit bis zur Wahl durch den Richterwahlausschuss. Sobald dieser zustimmt, endet der Vertrag nahtlos im Richterverhältnis.
Wir kennen Kündigungstermine oft zwei Jahre vorher, kalkulieren daher früh Forderungen und Verhandlungsspielräume. Gewerkschaften müssen mobilisieren, also starten sie höher, wir bieten niedriger – so entsteht bewusst Bewegung. Auftaktrunde, Fachgespräche, Abschluss-nacht: Alles folgt einem bewährten Drehbuch, damit am Ende alle ihre Schmerzgrenze spüren, aber mit dem Kompromiss leben können.