Referendar
“Das Referendariat braucht man, um Anwalt, Richter oder Staatsanwalt zu werden. Es ist eine notwendige Voraussetzung, auch wenn man zwischendurch Zweifel hat.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Die Staatshaftungskammer am Landgericht Köln. Vom Schlagloch-Porsche bis zum millionenschweren Bauprozess bekam ich einen lebendigen Querschnitt aus Zivil- und öffentlichem Recht und profitierte von exzellenter richterlicher Betreuung. Diese Mischung verschaffte mir erstmals echten Überblick über gerichtliche Praxis.
Im Sitzungssaal trug ich Robe, verlas Anklagen und plädierte in bis zu zwölf Verfahren pro Tag. Das unmittelbare Verantwortungsgefühl unterscheidet die Staatsanwaltsstation von allen anderen Abschnitten – man handelt selbst statt zu hospitieren. Diese Aktivität war enorm lehrreich.
LL.M. und Promotion sind fachlich reizvoll, der LL.M. aber teuer und beide kosten Zeit. Wer Abstand vom Lernstress braucht, kann wissenschaftlich arbeiten; wer zügig in die Praxis will, sollte zuerst das Referendariat absolvieren und vertiefende Qualifikationen später nachholen.
In NRW lade ich die Formulare von der OLG-Website, füge Zeugnisse bei und reiche alles fristgerecht ein. Eingestellt wird fast monatlich, doch zwischen Antrag und Start vergehen bis zu neun Monate – gutes Timing ist daher essenziell.
Man findet Nischenstellen, etwa in Unternehmen, doch Auswahl und Aufstieg sind begrenzt. Mit beiden Examina präsentiere ich mich als Volljurist, kann jede klassische Laufbahn einschlagen und trete selbstbewusster auf dem Markt auf. Kurz: Zwei Examina steigern die Karrierechancen spürbar.
Die Unterhaltsbeihilfe liegt bei etwa 1.000 € netto. Ich stockte mit einer Uni-Hilfskraftstelle und später Kanzleivergütung auf – maximal zehn Stunden pro Woche sind erlaubt. Große Kanzleien zahlen zusätzlich, oft verhandelbar. Frühzeitige Planung ist Pflicht, damit Miete und Lebenshaltung gesichert bleiben.