“Die Rolle der Rechtsanwaltskammern in den Niederlanden ist eine andere. Damit muss man sich vertraut machen.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Ich habe jahrelang Mandanten an Damste vermittelt und gemerkt, wie reibungslos die grenzüberschreitende Zusammenarbeit läuft. Irgendwann fragte ich mich: Warum nicht komplett auf die andere Seite gehen und den German Desk mit deutscher Praxiserfahrung stärken? Seit 1. 9. bin ich hier – neue Themen, internationale Mandate, jede Menge Gestaltungsspielraum.
Wir beraten Unternehmen, die mit Deutschland oder den Niederlanden Geschäfte machen, in ihrer Muttersprache. Vertragserstellung, Litigation-Strategie, kulturelle Übersetzung – täglich springe ich zwischen beiden Rechtsordnungen und sorge dafür, dass kein Detail im Übersetzungs- oder Kostennebel verschwindet. Mandanten bekommen so eine ganzheitliche Lösung aus einem Büro.
In den Niederlanden genügt oft eine einfache E-Mail, um die Verjährung um weitere fünf Jahre zu hemmen. Das wirkt für deutsche Kollegen fast locker, weil sie an § 204 BGB und Klageeinreichung denken. Für Mandanten bedeutet es mehr Verhandlungsspielraum und weniger Prozessdruck – man setzt sich lieber zusammen als sofort zu klagen.
Die niederländische Kultur ist handels- und lösungsorientiert. Wir denken schneller pragmatisch, verhandeln früh, statt dogmatisch bis zum letzten Kommentar zu argumentieren. Ergebnis und Mandantenzufriedenheit zählen mehr als akademische Eleganz. Das färbt nach zwanzig Jahren natürlich ab – ich führe heute deutlich weniger Prozesse als früher.
Erasmus war eine riesige Weichenstellung. Ich dachte nur an Horizonterweiterung, merkte aber erst später, dass ich damit ein Alleinstellungsmerkmal erwarb. Heute arbeite ich täglich zweisprachig, nutze das Netzwerk von damals und habe durch das Programm echte Karrierechancen eröffnet bekommen.
Das Gesetz zwingt jede Anwältin und jeden Anwalt zu 20 Fortbildungsstunden jährlich – nicht nur Fachanwälte. Zusätzlich dokumentieren wir acht interne Stunden im Kollegenkreis. Dadurch bleibt die Qualität hoch und Spezialisierung wird gefördert. Für mich war das ein positiver Ansporn, ständig neues niederländisches und europäisches Know-how aufzubauen.