“Ich konnte immer schon gut und gerne mit Druck umgehen und es gab wahnsinnig spannende Projekte, die meine Arbeit abwechslungsreich und herausfordernd gemacht haben.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Ich wuchs in der DDR als Anwaltssohn auf. Der Beruf war mir täglich präsent, zugleich verlangte das Schulsystem früh klare Berufsziele. Um den nötigen Einser-Schnitt fürs Abitur zu rechtfertigen, wählte ich Jura – mit der Hoffnung, später ebenso eigenständig arbeiten zu können wie mein Vater.
Die Kasernierung bedeutete geistigen Stillstand: Karten, Wachdienst, kaum Literatur. Danach sog ich Vorlesungen förmlich auf, weil ich fürchtete, sonst intellektuell einzurosten. Die Erfahrung hat mir Disziplin, Zeitmanagement und ein besonderes Bewusstsein für Freiheitsrechte vermittelt – alles nützlich im Examen.
Mit Mitte 40 wollte ich nochmals gestalten statt nur verwalten. Im Verband kann ich Tarifpolitik für 590 000 Beschäftigte beeinflussen, mein Verwaltungs- und Prozesswissen einsetzen und zugleich strategisch verhandeln – also juristische Analyse mit politischem Fingerspitzengefühl verbinden.
Juristisch kombiniert man dabei öffentliches Recht, Vertrags-, Vergabe- und Prozessrecht. Inhaltlich lernt man Krisenmanagement: nachts Vergleichsentwürfe schreiben, morgens im Ratssaal verteidigen. Diese Mischung aus Recht und Politik hat mich auf Tarifverhandlungen perfekt vorbereitet.
Tarifrecht ist Arbeitsrecht im Kollektivformat: Auslegung von § 74 TV-L, Gleichbehandlungsgrundsätze, Einordnung in Entgeltordnungen. Ebenso wichtig sind mediationserprobtes Verhandeln, Kostenkalkulation und die Fähigkeit, 1300 Arbeitgeberinteressen in eine einheitliche Position zu gießen.
Ihr begleitet echte Arbeits- und Tarifprozesse bis vor das BAG, verfasst mit uns Fachaufsätze und sitzt in Strategie-Calls mit Oberbürgermeisterinnen. Kleine Teams bedeuten viel Eigenverantwortung – großartig, um das zweite Examen mit Praxisbeispielen zu unterfüttern.