“In einem Massenklageverfahren ändert sich das Mandat alle sechs Monate komplett, mit neuen Themen und Fragestellungen – gerade diese Dynamik macht den ganz besonderen Reiz dieser Arbeit aus.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Ehrlich gesagt aus Trotz. Eine kleinere internationale Einheit in Köln lehnte meine Referendariats-Bewerbung ab, angeblich zu spät eingereicht. Da sagte ich mir: Dann eben zum „Mount Everest“. Ich schickte meine Unterlagen an Freshfields, wurde genommen und stellte schnell fest, dass das Bild vom eiskalten Robo-Lawyer nicht stimmt. Kollegialität und spannende Verfahren haben mich gehalten.
Wir bauen keinen Umbau, sondern einen Anbau: eine Spezialwerkstatt für Einzelfallbetreuung. Viele Termine finden an Landgerichten außerhalb der Metropolen statt. Durch die neuen Büros sitzen unsere Prozessanwälte näher am Gericht, sparen Reisezeit und gewinnen lokale Talente, die vielleicht nicht nach Hamburg oder Frankfurt ziehen wollen. So verbinden wir Reichweite mit Großkanzlei-Backbone.
Sobald unsere Grundlinie im Gerichtssaal auf reale Fälle trifft, entstehen neue Fallgruppen. Urteile, Gesetzesänderungen oder Klägertaktiken fordern Anpassung. Etwa alle sechs Monate evaluieren wir deshalb Kennzahlen und Erkenntnisse, justieren Vergleichskorridore, passen Schriftsätze an und schulen das Team neu. Kontinuierliche Iteration hält uns vor den Klägerkanzleien einen Schritt voraus.
Wir strukturieren jedes Projekt mit demselben Gerüst: Erstens Strategie – ein klares Ziel für tausende Einzelklagen. Zweitens Operations – Posteingang, Fristen, Projektmanagement. Drittens Tech – Automatisierung und Datenbanken, damit Routine verschwindet. Viertens Einzelfallarbeit – dort zeigen wir im Termin juristisches Handwerk. Fehlt einer dieser Pfeiler, kippt das gesamte Verteidigungskonzept.
Ich analysiere jeden Bearbeitungsschritt: von Eingang bis Schriftsatz. Was sich wiederholt, geben wir an unser Lab – dort sitzen Kolleginnen, die programmieren können. Ob Scan-Workflow oder Vergleichs-App, wir automatisieren stumpfe Arbeit, damit Anwälte Zeit für schwierige Fragen haben. KI liefert Datenpunkte; die rechtliche Würdigung bleibt aber bei uns Menschen.
Gelbe Umschläge sprengen jede Konzern-Poststelle. Wir beauftragen externe Logistiker, die täglich mit Lkw Gerichtspost einsammeln, scannen und in unser System spielen. Dort erzeugen Workflows automatisch Aktenzeichen, Fristen und Aufgabenlisten. Erst wenn die Daten strukturiert vorliegen, startet juristische Prüfung – sonst würde uns das Papier schlicht erdrücken.