“Wirtschaftsstrafrecht fasziniert mich, weil es viel Psychologie beinhaltet und es gerade bei den großen Fällen darum geht, zu verstehen, wie etwas schiefgelaufen ist und wie man es wieder beheben kann.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Interne Untersuchungen sind ein juristisches Puzzle: Wir kennen den Sachverhalt nicht, ermitteln ihn selbst, verknüpfen Straf-, Arbeits- und Gesellschaftsrecht und koordinieren Staatsanwaltschaft, Management und Mitarbeitende. Diese Mischung aus klassischem Strafrecht, Prozessstrategie und Unternehmensrealität fordert fachlich wie menschlich und macht jeden Fall einzigartig.
Während meiner Station in der Wirtschaftsstrafrechtspraxis habe ich das Tagesgeschäft live erlebt, Mandanten begleitet und bei Ermittlungen geholfen. Dabei habe ich sprichwörtlich Blut geleckt – der Teamgeist, die internationale Arbeit und die unmittelbare Verantwortung überzeugten mich, nach dem Zweiten Examen genau hier zu bleiben.
Ich liebe die Schnittstelle von Recht, Psychologie und Strategie. Im Wirtschaftsstrafrecht treffe ich auf komplexe Unternehmensstrukturen, große gesellschaftliche Relevanz und Fälle, die es täglich in die Zeitung schaffen. Diese Mischung aus "White-Collar"-Kriminalität und verhaltenspsychologischen Fragen hält mich intellektuell wach und bietet ständig neue Herausforderungen.
Oft beginnt alles mit einer kleinen Fehlentscheidung, Unwissenheit oder Schlamperei. Der eigentliche Schaden entsteht durch das Cover-up: Vertuschung, Kettenreaktionen, manchmal Gier und Geltungsdrang. Genau diese Dynamik, in der sich Menschen immer tiefer verstricken, erlebe ich regelmäßig in unseren Mandaten.
Häufig entdecken Kollegen aus anderen Fachbereichen Unregelmäßigkeiten und holen dann unsere Strafrechtseinheit dazu. Zudem sind unsere Partner in der Szene bekannt; Unternehmen rufen direkt an, wenn es kritisch wird. So landet der Fall schnell auf meinem Schreibtisch – oft noch bevor klar ist, was genau passiert ist.
Unternehmen wissen anfangs selten, ob wirklich eine Straftat vorliegt. Zuerst klären wir, ob es vielleicht zivil-, steuer- oder arbeitsrechtlich ist. Danach entscheidet das Management, ob eine Strafanzeige sinnvoll ist. Eine Anzeige kann Imageschäden hervorrufen; manchmal ist es besser, intern aufzuklären, Schäden abzustellen und Mitarbeitende zu schützen.