"Mein Karrieretipp: Wenn man glaubt, dass es passt, einfach mal hier und da sagen, dass es einen interessieren würde."

Bayerische Politik | Landtagsbeauftragte

Folge 241 deines Jura-Podcasts zu Job, Karriere und Examensthemen.

Dieser Podcast ist Teil der IMR x Breaking.Through Kooperation. Ein schriftliches Interview mit unserem Gast findet Ihr auf der Webseite von Breaking.Through

In Episode 241 von Irgendwas mit Recht, welche erneut in Kooperation mit breaking.through entstand, sprechen Marc Ohrendorf und Dr. Christine Straub mit Dr. Lucia Rüth, Landtagsbeauftragte in Bayern. Lucia gibt spannende Einblicke in ihre Rolle als Bindeglied zwischen Staatsregierung und Landtag und erläutert ihre vielfältigen Aufgaben – von der Bearbeitung schriftlicher Anfragen bis zur Koordination zwischen verschiedenen Ressorts. Darüber hinaus teilt sie ihre ungewöhnliche Reise zum Jurastudium, die ursprünglich vom Interesse an Brauereiwesen inspiriert war, und erklärt, warum sie schließlich in der Ministerialverwaltung gelandet ist. Wie schafft sie es, Karriere und Familie zu vereinbaren? Was sind ihre Tipps für junge Juristen? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!

Inhalt:

  • 02:19 Warum Jura?
  • 06:58 Promotion in Frankfurt (Oder)
  • 08:14 Berufseinstieg beim Finanzministerium
  • 12:00 Referentin
  • 15:05 Persönliche Referentin von Markus Söder
  • 16:39 Vereinbarkeit von Familie und Beruf

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Transkript


Dr. Christine Straub 0:00:19
Hallo Marc.
Dr. Lucia Rüth 0:00:41
Lucy.
Dr. Lucia Rüth 0:00:42
Hallo.
Dr. Lucia Rüth 0:02:40
Nein. Okay.
Marc Ohrendorf 0:02:41
Nein.
Dr. Christine Straub 0:03:02
In Weinstephan.
Dr. Christine Straub 0:03:31
Ja, das ist toll.
Marc Ohrendorf 0:03:42
Okay.
Marc Ohrendorf 0:08:14
Okay.
Dr. Lucia Rüth 0:08:26
Genau.
Dr. Christine Straub 0:08:26
Was war da so?
Dr. Christine Straub 0:09:09
Ja, finde ich auch.
Dr. Lucia Rüth 0:17:20
Ja, ich glaube, das wäre was, was ich mir als Tipp geben würde, wenn ich nochmal zurückgehen würde. Man darf sich nicht so sehr darauf verlassen, was alle anderen einem sagen, sondern man muss das so machen, wie sich das richtig anfühlt. Und für mich war immer klar, dass ich Kinder haben will. Es war aber auch immer klar, dass ich mit dem, was ich mache, mit spannenden neuen Aufgaben weiterkommen will. Und für mich gefühlt nah am Puls dessen sein kann, was mich interessiert. Und ich habe nie darüber nachgedacht, ob das geht oder nicht. Dann hatte ich natürlich auch noch meine Mama in Kreiling, die mich voll unterstützt hat, die meine Kinder sehr natürlich auch liebevoll mit aufgefangen hat, schon sich immer, als sie klein waren, viel eingesprungen ist, aber das wusste ich alles gar nicht in dem Moment. Ich habe einfach gedacht, ich denke überhaupt nicht drüber nach. Und das hat sich jetzt wirklich bewahrheitet. Es ist dann vereinbar, wenn man es selber einfach macht. Und wenn man sich auch traut, Hilfe zu nehmen, da habe ich jetzt auch ein bisschen gebraucht. Wir haben jetzt Unterstützung. Ich habe die Kinder in guten Kitas gehabt. Ich habe einen sehr tollen Kindergarten und jetzt auch Hort für die beiden. Und das fühlt sich richtig an. Und wenn man es dann einfach macht, dann geht es auch. Und selbst, also wir waren jetzt noch nicht genau da, wo ich aufgehängt bin, praktisch mit meiner Tätigkeit. Aber die Landtagsbeauftragte der Staatskanzlei ist im Leitungsstab des Ministerpräsidenten mit aufgehängt, organisatorisch. Und selbst da ist das machbar. Und ich kann auch sagen, ich habe beide Kinder in der Zeit im Ministerbüro von Finanzminister Söder bekommen. Nach dem ersten Kind, nach meinem Sohn, bin ich auch wieder dorthin zurückgekommen und das waren die einzigen, die mir eine Teilzeitstelle geboten haben, die vereinbar war. Ich habe, hätte gerne auch im Finanzministerium vielleicht an anderer Stelle mich eingebracht, aber dort war es einfach möglich. Und das rechne ich auch dem ganzen Stab des jetzigen Ministerpräsidenten hoch an, dass das einfach möglich gemacht wurde. Und das hat einfach geklappt.
Dr. Lucia Rüth 0:20:33
Sehr gerne. Also wenn man eine typische Woche nimmt, dann gibt es einen Plenartag im Bayerischen Landtag, da ist die Vollversammlung des Plenums und das ist Open End. Das kann, je nachdem wie viel auf der Tagesordnung steht, kann das bis spät nachts gehen oder aber auch teilweise gibt es auch 18, 19 Uhr fixes Ende. An den Tagen kann man natürlich nicht ein Kind abholen um 16 Uhr in einem Hort oder zum Sport fahren oder zum Ballett fahren. An den Tagen braucht man einfach Hilfe, um Ruhe reinzubringen. Außer ein Partner federt es ab. Wenn ich jetzt diesen Tag mir mal exemplarisch nehme, davon gibt es zwei, zwei bis drei Tage die Woche sind so zeitintensiv und auch nicht überschaubar. Es gibt Termine, die man beispielsweise mit dem Ministerpräsidenten wahrnimmt oder auch Termine des Landtags, die man wahrnimmt. Die Zeit muss man sich nehmen. Das gehört einfach dazu. Das ist Teil des Jobs und da gibt es auch überhaupt nichts drüber, spricht man nicht drüber. Das ist halt so. So hat man den Job ja angenommen. Das ist ja auch das Spannende. Und dann gibt es ja dann, wenn man das einzig Positive an der Corona-Zeit mitnimmt, dann ist es ja die Flexibilisierung der Arbeitsmöglichkeiten. So würde ich das für mich beschreiben. Dann kann man eben ins Homeoffice wechseln. Ich bin immer erreichbar, mein Diensthandy ist immer dabei, der Laptop ist immer dabei und ich bin rund um die Uhr erreichbar. Und dann würde ich sagen, wenn man das gewährleistet, gibt es kein Thema damit, die Woche mit all den Flexibilisierungsmöglichkeiten nicht auch gut zu stemmen.
Dr. Lucia Rüth 0:23:09
Also ich würde sagen, dass das was, wenn man denn Lust hat auf Mitarbeit im Auge des Sturms, sag ich mal, für manche passt es ja nicht, aber wenn man merkt, dass es einen interessiert und triggert, man muss sich zeigen, man muss die eigene Arbeit verkaufen. Also es heißt nicht, dass ich jede E-Mail zelebriere und durchs Haus renne und sage, ich habe jetzt eine E-Mail geschrieben, aber wenn ich was Tolles gemacht habe, was Tolles geschrieben habe, dann brauche ich mich nicht verstecken. Es gibt klare Hierarchien, ich kann mich nicht vordrängen vor meinen Referatsleiter oder vor meinen Abteilungsleiter, aber man kann sich ins Spiel bringen als guter Ansprechpartner für das Thema. Und dabei sein, Netzwerken, also das, was ich glaube, was Männer naturgemäß besser machen, dass sie am Abend mit einem Bier trinken gehen oder es gab im Finanzministerium damals eine Kegelrunde, klingt jetzt irgendwie ganz spießig, war aber ein ganz toller Ort, um auch Leute kennenzulernen, die einem empfehlen oder einfach die einem Tipps geben und sagen, was gibt es denn noch so Interessantes in diesem Haus, das habe ich sehr lieb gewonnen damals. Also sich sichtbar machen, würde ich sagen, die eigene Arbeit sichtbar machen, Netzwerken in egal welcher Form. Dann auch mal sagen, eigentlich wäre ich jetzt müde, aber dann gehe ich halt trotzdem noch mit auf ein Bier ums Eck oder mit zum Essen und vor allem auch Wünsche äußern. Also nicht erwarten, dass die Welt hell sehen kann, was man da so gerne hätte und dann enttäuscht sein, dass man nicht gefragt wird, sondern wenn es passt und nicht aufdringlich ist, dann auch sagen, dass es einen interessieren würde. Und das nicht zu bescheiden vielleicht, denn wenn man sagt, ja, also ich glaube, ich kann das jetzt nicht, aber es würde mich ja so interessieren, ja, wer würde gerne so eine Person nehmen, die von sich selbst schon sagt, ich glaube, irgendwie kann ich das gar nicht. Da muss man auch mal mutig sein, würde ich sagen, und sich das zutrauen und sagen, das wird dann schon und sonst findet man eine andere Lösung. Das hätte ich mir von Anfang an sagen sollen. Ich glaube aber, dass es sehr schnell geklappt hat. Dadurch, dass ich tolle Leute, einen tollen Referatsleiter dort hatte und auch tolle Referentenkollegen, die einem gezeigt haben, wie man es macht.
Dr. Lucia Rüth 0:25:36
Gar nicht. Ich konnte das weder zu Abi-Zeiten sagen, noch im Studium, noch zu Beginn. Das konnte ich gar nicht sagen und ich weiß es auch jetzt nicht, weil ich immer dorthin will, wo was los ist und wo es mich triggert und wo ich was lerne. Also ich habe das Größte federn lassen, hatte ich, als ich erkennen musste, dass ich mit Teilzeit nicht vorankomme. Das ist jetzt wirklich keine so schöne Erfahrung gewesen, aber ich habe immer gedacht, nein, 85 Prozent, das ist jetzt ja nicht so wenig, weil ich nicht nur zwei Tage dort, aber sagen wir mal jeden Tag so bis 16 Uhr, dachte ich mir, das muss doch gehen. Und dann habe ich erkannt, dass in der Ministerialverwaltung einfach viel abends läuft. Das ist nun mal so, das Politikgeschäft, das ruht nicht. Im Gegenteil, in der Staatskanzlei sind die Arbeitszeiten wahrscheinlich eher sogar ein bisschen später als in anderen Häusern. Und irgendwann mal hat eine gute Freundin gesagt. Mach doch jetzt zu Corona-Zeiten, wenn es so viel ist, mach doch jetzt Vollzeit, kannst du immer noch mal runter. Und dann wurde es leichter. Klingt jetzt paradox, aber dann war halt klar, so ist das. Ich brauche jetzt Unterstützung. Ich habe dann auch versucht, mein schlechtes Gewissen da abzulegen und ab dem Moment wurde es leichter, weil man dann für Positionen in Frage kam, bei denen man vorher ablehnen musste. Das war klasse und dann hat mir noch eine andere Freundin damals gesagt, schau doch mal, wie sich die Männer verhalten. Das ist jetzt auch sehr abgedroschen, aber ein Mann, der adressiert in einem Gespräch von mir aus, er muss gehen, er hat irgendeinen Termin, dann hat er natürlich einen wichtigen Termin, jetzt sehr schwarz-weiß gesagt. Man sollte nicht zu viel darüber reden und nicht zu viel erwähnen, jetzt gehe ich zu den Kindern, jetzt mache ich mit den Kindern. Das ist zwar menschlich und das ist schön und das entspricht ja auch der eigenen Wahrnehmung, dass man stolz auch ist, wie man das alles hinkriegt, aber es geht einfach niemand was an.
Dr. Christine Straub 0:28:34
Ja, sehr schön.

Gäste

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Dr. Lucia Rüth

Dr. Lucia Rüth Landtagsbeauftragte, Bayerische Staatskanzlei

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