“Das Thema Erstakademiker:innen ist in der juristischen Welt noch recht neu.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Ich bin selbst die Erste in meiner Familie, die an die Uni ging. Der Kulturschock, fehlende Vorbilder und ganz praktische Hürden – von BAföG-Anträgen bis Netzwerken – hätten mich fast zum Abbruch gebracht. Darum baute ich mit Arbeiterkind.de eine Community, die anderen Aufsteigerinnen genau diese Starthilfe gibt.
Am Anfang war es nur eine kleine Website, auf der ich Erfahrungen teilte. Bundesweite Medienberichte lösten dann eine Welle von „Das kenne ich – ich mach mit!“ aus. Innerhalb weniger Monate gründeten Engagierte rund 80 Ortsgruppen; heute begleiten wir Arbeiterkinder bis in den Berufseinstieg.
Sie belegen die Schieflage deutlich: Von 100 Akademikerkindern studieren 79, von 100 Nicht-Akademikerkindern nur 27. Bei Promotionen sinkt der Anteil sogar auf ein bis zwei Prozent. Bildungsaufstieg passiert also nicht von selbst – er braucht gezielte Unterstützung und strukturelle Veränderungen.
Jura nutzt eine eigene Sprache, Abkürzungen und Kanzleinamen, die Außenstehende nie hören. Selbst ich musste Begriffe wie „Referendariat“ oder „Partner Track“ nachschlagen. Diese geschlossene Kultur schreckt Talente ab – genau dort setzen wir mit Aufklärung und Vernetzung an.
Gemeinsam mit A&O Shearman, Linklaters, Kapellmann und der EBS bilden wir eine Jura-Community. Wir matchen Studierende mit Mentorinnen, vermitteln Praktika, organisieren Examens-Workshops sowie Kanzleibesuche. Alles kostenfrei und speziell für Erstakademikerinnen, damit sie den Sprung in Studium und Beruf leichter schaffen.
Interessierte mailen uns ihre Ziele – Examen, Praktikum, Berufseinstieg. Aus unserem Pool wählen wir eine Mentorin oder einen Mentor, oft selbst Arbeiterkind und ein paar Karriereschritte voraus. Danach begleiten sich beide persönlich oder online mindestens sechs Monate und klären genau die Fragen, die sonst niemand beantworten kann.