Teilnahme am IMR Jurapodcast
Ich habe schon als Grundschülerin in Freundebüchern „Rechtsanwältin“ geschrieben. Diskussionen, Schülersprecheramt und ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn haben mich bestärkt. Obwohl niemand in meiner Familie Jurist ist, war mir früh klar: Mit Argumenten für Fairness einzustehen passt zu mir – deshalb Jura.
Nach dem Referendariat landete ich zufällig in einer Insolvenzverwalterkanzlei. Dort sah ich, wie Litigation Ansprüche der Masse sicherte. Schnell wollte ich nicht nur klagen, sondern Unternehmen selbst durch Krisen führen – die Kombination aus Jura, Betriebswirtschaft und spürbarem Einfluss faszinierte mich.
Basketball war mein zweites Zuhause. Ich spielte zweite Bundesliga und trainierte Jugendteams. Teamgeist, schnelle Entscheidungen und Ausdauer habe ich eins-zu-eins in die Mandate übertragen. Deshalb blieb ich zum Studium in Frankfurt: Jurastudium und Mannschaft sollten parallel wachsen – wertvolle Leadership-Schule.
In der Eigenverwaltung bleibt die alte Geschäftsleitung handlungsfähig. Ich komme als Beraterin ins Organ, ein Sachwalter kontrolliert uns. Im Regelverfahren übernimmt ein Insolvenzverwalter allein die Verfügung. Eigenverwaltung kombiniert also Unternehmenskenntnis mit insolvenzrechtlichem Instrumentarium.
Restrukturierung erlaubt Kreativität. Statt Vermögen lediglich zu verteilen, analysiere ich Prozesse, verhandle Investoren, rette Arbeitsplätze. Der Blick nach vorn, nicht zurück, motiviert mich. Operative und finanzielle Hebel einzusetzen, macht die Arbeit abwechslungsreicher als reine Masseverwaltung.
Wer einsteigen will, braucht Neugier auf Wirtschaft, die Fähigkeit Bilanzen zu lesen und Lust, mit Menschen zu sprechen. Zahlenverständnis, Kommunikationsstärke und Reisebereitschaft sind wichtiger als perfekte Paragraphenzitate – das juristische Insolvenzhandwerk lernt man on the job.