“Das Jurastudium hat mir Leichtigkeit gegeben, weil ich nie malen musste, um etwas zu verkaufen, sondern es aus innerem Drang gemacht habe.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Durch die geregelten Kanzlei-Abende hatte ich plötzlich Freizeit, kaufte Leinwand – ohne Plan. Ein Freund kaufte das erste Bild, eine Galeristin das Gesamtpaket: Erste Ausstellung, nach vier Tagen ausverkauft. Bald folgten weitere Shows, ich reduzierte auf 80 %, schließlich kündigte ich.
In der Strafkammer sah ich menschliche Abgründe aus nächster Nähe. Mir ging das zu nah; abends bekam ich die Fälle nicht aus dem Kopf. Ich merkte, dass ich Distanz brauche, um professionell zu bleiben – also suchte ich mir ein anderes Feld.
Gerichtsverfahren kombinieren Strategie und Psychologie. Viele Bau-Streitigkeiten starten mit einem simplen Missverständnis und eskalieren per E-Mail-Pingpong. Ich mochte es, Parteien an einen Tisch zu holen, sachlich zu verhandeln und Lösungen zu entwickeln, statt nur Paragraphen zu schleudern.
Professor Bornkamm begeisterte mich in Freiburg; wir durften sogar echte BGH-Fälle vorab lösen. Entscheidender war aber Caro im Schwimmbad: „Kartellrecht ist überschaubar und lernbar.“ Das klang pragmatisch, also wählte ich es als Schwerpunkt – und blieb bis zur Dissertation dabei.
Ich verglich Artikel 102 AEUV mit US-Case-Law. Kernfrage: Wie kann geistiges Eigentum marktbeherrschende Stellungen schaffen und wann rechtfertigen Zwangslizenzen deren Aufbrechen? Anderthalb intensive Jahre am Max-Planck-Institut; danach verstand ich Macht, Märkte und Monopole sehr viel besser.
Ohne Flurfunk geht gar nichts. In Freiburg dockte ich mich direkt an lernwillige Mitstreiter an, tauschte Skripte und Tipps. Diese Netzwerke gaben Struktur, Motivation – und manchmal sogar Sitznachbarn, die zufällig Töchter meiner Hamburger Schulleiterin waren. So klein ist die Jurawelt.