“Die Generation heute ist engagierter, stellt mehr Fragen und diskutiert selbstbewusst – sie zeigt, dass sich vieles in die richtige Richtung entwickelt und hat das Recht, sich beruflich selbst zu verwirklichen.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Ich stand während des Zivildienstes vor der Wahl, klassische Gitarre zu studieren. Mir wurde klar, dass sich Talent und körperliche Belastbarkeit im Musikberuf kaum vorhersagen lassen, wohingegen mein Kopf langfristig zuverlässiger arbeiten würde. Jura versprach mir ein geistiges Instrument, mit dem ich gesellschaftliche Prozesse gestalten kann – also entschied ich mich für das Studium.
Ich habe Datenschutzrecht gelernt, doch es erfüllt mich nicht. Beratung gelingt nur, wenn Leidenschaft da ist. Andere Kolleg:innen lieben diese Materie – ich dagegen liefere mehr Wert, wenn ich mich auf Marktregulierung konzentriere. Deshalb sage ich klar Nein zu DSGVO-Fällen und Ja zu dem, was ich wirklich beherrsche.
In Oldenburg erleben ich Studierende, die früh Fragen stellen, Diskussionen suchen und Selbstverwirklichung einfordern. Sie wissen, dass der Juramarkt ein Bewerbermarkt ist, und treten entsprechend selbstbewusst auf. Das halte ich für gesund: Wer Sinn und Work-Life-Balance verlangt, wird später bessere, weil reflektierte, Jurist:innen abgeben.
Meine Frau arbeitet hier, und digitale Mandate kennen keine Postleitzahlen. Nachdem Vortragspreise und Promotion mir Sichtbarkeit brachten, riefen befreundete Kanzleien an: „Sebastian, machst du unser Kartell- oder TK-Problem?“ Da wurde klar, dass ich ortsunabhängig arbeiten kann. Statt Berliner Mietpreise wähle ich Detmolder Lebensqualität und fokussiere mich ganz auf Fachlichkeit.
Schon im Geschichtsunterricht begeisterte mich ein Lehrer für das Verfassungsrecht. Er zeigte, wie Grundrechte historische Konflikte lösen. Diese Faszination trug ich ins Studium und wollte zunächst nichts anderes als Staatsorganisations- und Grundrechtsfälle bearbeiten. Sein Enthusiasmus legte deshalb das Fundament für meinen öffentlich-rechtlichen Blick auf die Welt.
Meine Verwaltungsstation in der Beschlussabteilung des Bundeskartellamts war ein Sprung ins kalte Wasser. Ich schrieb Vermerke zu Rundfunk- und Telekombeschlüssen, sah ökonomische Analysen live. Dort lernte ich, dass Wettbewerbsrecht nicht abstrakt, sondern praktisches Markt-Engineering ist. Dieses Erlebnis verankerte Kartellrecht dauerhaft in meinem beruflichen Werkzeugkasten.