“Das Thema Erstakademiker:innen ist in der juristischen Welt noch recht neu.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Jura nutzt eine eigene Sprache, Abkürzungen und Kanzleinamen, die Außenstehende nie hören. Selbst ich musste Begriffe wie „Referendariat“ oder „Partner Track“ nachschlagen. Diese geschlossene Kultur schreckt Talente ab – genau dort setzen wir mit Aufklärung und Vernetzung an.
Sie belegen die Schieflage deutlich: Von 100 Akademikerkindern studieren 79, von 100 Nicht-Akademikerkindern nur 27. Bei Promotionen sinkt der Anteil sogar auf ein bis zwei Prozent. Bildungsaufstieg passiert also nicht von selbst – er braucht gezielte Unterstützung und strukturelle Veränderungen.
Ich bin selbst die Erste in meiner Familie, die an die Uni ging. Der Kulturschock, fehlende Vorbilder und ganz praktische Hürden – von BAföG-Anträgen bis Netzwerken – hätten mich fast zum Abbruch gebracht. Darum baute ich mit Arbeiterkind.de eine Community, die anderen Aufsteigerinnen genau diese Starthilfe gibt.
Nach dem ersten Examen sprach ich auf der Jurakon spontan mit einer Großkanzlei, bekam sofort ein Interview und saß wenig später im Frankfurter Westend fünf Partnern gegenüber. Ich hatte schwitzige Hände und ein Dorfmädchen-Mindset, sagte aber zu – und öffnete mir so eine völlig neue Welt.
Heute trägt in meinem Team niemand mehr Krawatte, wir duzen uns, arbeiten hybrid und reden offen über Diversity-Ziele. Entscheidend ist fachliche Qualität, nicht Outfit oder Herkunft. Vor zehn Jahren wäre diese Lockerheit in Großkanzleien unvorstellbar gewesen – der Wandel ist spürbar.
Mein damaliger Chef wurde rasch zum Mentor. Er erklärte mir Aktenführung, gab ehrliches Feedback, zog mich in spannende Mandate und blieb auch während Referendariat und Wechseln ansprechbar. Diese kontinuierliche Begleitung hat mein Selbstvertrauen gestärkt und meinen Karriereweg enorm beschleunigt.