“Manchmal fühlt sich das Jurastudium nicht geradlinig an, aber es lohnt sich durchzuhalten, auch wenn Zivilrecht zunächst schwerfällt. Der Funke kam für mich durch praktische Erfahrungen und den Mutcourt.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Erhalten Mandanten eine Beschwerde, prüfe ich zuerst Rechtslage und Faktenbasis. Dann entwickeln wir gemeinsam einen Maßnahmenplan: lokale Kanzleien einschalten, Audits in kurzen Abständen anordnen, Berichtslinien anpassen, Verantwortliche benennen. Wichtig ist, mehr zu tun als bloße Abmahnbriefe – sonst drohen Bußgelder und Reputationsschäden. So wird aus Paragrafen echte Verbesserung in der Lieferkette.
Ich wollte alle Optionen offenhalten. Ohne zweites Examen wäre Richteramt, Staatsdienst oder Großkanzlei verbaut. Außerdem war ich noch im Lernmodus; später hätte mir die Disziplin gefehlt. Lieber einmal durchbeißen als mit 40 nochmal Paragraphen pauken. So konnte ich danach souverän entscheiden, wohin der Weg wirklich führt.
Auf einer eFellows-Kanzleimesse traf ich meinen heutigen Partner, der gerade ein Team für Business & Human Rights aufbaute. Mein Kapstadt-LLM weckte sofort sein Interesse – endlich passte Profil und Bedarf zusammen. Nach 20 Minuten stand fest: Anwaltsstation hier. Die inhaltliche und persönliche Passung machte mir klar, dass genau dieses Feld meine berufliche Heimat wird.
Im Repetitorium klickte es nach etwa sechs Monaten plötzlich: Abstraktionsprinzip, Anspruchsgrundlagen – alles fügte sich zusammen. Ich übte systematisch Fälle, akzeptierte Fehler und ließ mich von schlechten Übungsscheinen nicht entmutigen. Der Ehrgeiz, das Examen zu bestehen, um später Öffentliches Recht machen zu dürfen, trieb mich an. Am Ende wurden aus Vierern meine besten Zivilrechtsnoten.
Ich wusste früh, dass mich gesellschaftliche Fragen reizen. Nach einer Schüler-Vorlesung im Öffentlichen Recht dachte ich: Das klingt nach meinem Ding. Auch wenn ich zunächst in Amerika als Au-pair landete und später mit Fächern wie Verwaltungsakt nichts anfangen konnte, blieb die Neugier stärker als der Zweifel. Ich wollte herausfinden, ob Jura wirklich zu mir passt – und das Experiment hat sich gelohnt.
Kapstadt bot mir drei Vorteile: spannende Studieninhalte zu Private Law & Human Rights, internationale Kommiliton:innen und erträgliche Studiengebühren von rund 7.000 €. Außerdem brauchte ich nach dem ersten Examen Abstand und Sonne. Der Campus war weltoffen, ich konnte Englisch vertiefen und gleichzeitig ein neues Rechts- und Gesellschaftssystem erleben – perfekte Vorbereitung für transnationale Mandate.