“Als Anwältin muss man fachliche Brillanz haben und zugleich ein guter Verkäufer sein, der seine Leistung verkauft. Ohne Dienstleistungsmentalität und Eigeninitiative funktioniert der Aufbau des Geschäfts nicht.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Im Familienrechtspraktikum in Hagen merkte ich schnell, dass Fälle selten schwarz-weiß sind. Die Arbeit für das Frauenhaus zeigte extreme menschliche Schicksale, die mich emotional überforderten. Mir wurde klar: Dauerhaft könnte ich das nicht verkraften. Deshalb strich ich die Richterinnenlaufbahn im Familienrecht von meiner Liste.
Das Mandat zeigte, wie politisch Arbeitsrecht sein kann. In der Ministererlaubnis entschied Arbeitsplatzsicherung über kartellrechtliche Bedenken. Ich saß neben Karl-Erivan Haub, steuerte die Strategie und führte ihn durch die Anhörung. Ergebnis: Jobs geschützt, Filialen verkauft. Recht, Politik und Taktgefühl greifen oft enger ineinander als man glaubt.
Standardverträge oder Einzelkündigungen erhält man heute überall zu Niedrigpreisen. Nach 25 Jahren reizt mich vor allem das strategische Projekt – Restrukturierungen, Tarifverhandlungen, Transaktionssupport. Diese Mandate verlangen Kreativität, rechtfertigen höhere Honorare und bringen die Kanzlei voran. Für Juniors behalten wir Basisfälle, aber unser Fokus liegt klar darüber.
Als Michael Klimt 2002 seine Arbeitsrechtsboutique gründete, reizten mich die größere Eigenverantwortung und der unmittelbare Mandantenkontakt. Ich vertraute auf sein Renommee, erkannte die Chance, schnelle Expertise aufzubauen und empfand das persönliche Risiko als überschaubar – also wechselte ich aus der Großkanzlei in das kleine Spezialteam.
Gemeinsam mit Shigeo Yamaguchi habe ich Arbeitsrecht als kulturelle Brücke etabliert. Japanische Unternehmen schätzen Verlässlichkeit und langfristige Beziehungen; unser deutsch-japanisches Duo bietet genau das. Die Aufgabe, komplexe arbeitsrechtliche Fragen in interkulturell verständliche Empfehlungen zu übersetzen, ist fachlich herausfordernd und öffnet Türen zu internationalen Projekten.
Ich schrieb Fachartikel, hielt Seminare und Vorträge überall, wo man mich ließ. Dabei bot ich konkrete Lösungen statt Theorie, wurde wahrgenommen und anschließend um Beratung gebeten. Zusätzlich stellten Partner mich aktiv bei ihren Mandanten vor. So überzeugte ich Schritt für Schritt und baute ein eigenes Portfolio auf.