“Die Arbeit hier macht so viel Spaß, weil wir mit hochkarätigen JuristInnen am höchsten Gericht Deutschlands zusammenarbeiten – das ist eine spannende, kollegiale und motivierende Aufgabe.”
Teilnahme am IMR Jurapodcast
Ich habe erst in Köln und Paris studiert, später bei Professor Dauner-Lieb promoviert und parallel am Lehrstuhl gearbeitet. Nach dem Referendariat in Köln lernte ich Professor Radtke auf einer Alumni-Veranstaltung kennen. Er schlug mir spontan vor, als wissenschaftliche Mitarbeiterin in sein Dezernat zu kommen – so fand ich direkt nach dem Assessorexamen meinen Platz am Bundesverfassungsgericht.
Nur rund fünf bis sechs von etwa 65 Mitarbeitenden kommen unmittelbar nach dem Zweiten Examen hierher. Die Regel ist die Abordnung erfahrener Richterinnen, Richter oder Ministerialbeamtinnen für zwei bis drei Jahre. Wir Assessoren bilden also die Ausnahme, weil wir ohne vorherige Justizlaufbahn direkt in das Gericht wechseln.
Wir nennen uns augenzwinkernd „dritter Senat“. Trotz hoher Arbeitsdichte gibt es ein lebhaftes, kollegiales Miteinander – Fachgespräche am Tag, gemeinsame Sport- oder Kulturaktivitäten am Abend. Karlsruhe wird so für zwei bis vier Jahre Heimat; wer neugierig und engagiert ist, findet hier eine einzigartige Mischung aus intellektueller Herausforderung und Teamgeist.
Ich habe mich konsequent auf die Bereiche fokussiert, die mich wirklich begeistern, und mir gleichzeitig bewusst Pausen gegönnt. Leidenschaft für das Fach trägt durch Lernmarathons, ein stabiles Freundesnetz fängt Durchhänger ab. Wer Neugier bewahrt, realistische Ruhezeiten einplant und sich nicht verbiegt, hat die besten Chancen, das Examen erfolgreich zu bestehen.
Wir sind keine Richter, sondern fertigen Voten, prüfen Akten, recherchieren intensiv und diskutieren auf Augenhöhe in kleinen Vierer-Teams mit der Berichterstatterin oder dem Berichterstatter. Praktische Erfahrung bringen abgeordnete Kolleginnen ein, wissenschaftliche Tiefe wir Jüngeren. So ergänzen wir uns, ohne Hierarchiegefälle – zwei Ebenen: Richterbank und Mitarbeitende.
Ich erlebe, dass das Bundesverfassungsgericht selbst in polarisierten Zeiten einen Vertrauensvorschuss besitzt. Bürgerinnen schicken täglich Verfassungsbeschwerden, weil sie überzeugt sind, hier Gehör zu finden. Diese Autorität reicht weit über den juristischen Kosmos hinaus – ein zerbrechliches, aber bislang erstaunlich stabiles Gut.