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Opferschutz und Nebenklage: Mandantenarbeit in Strafsachen

Opferschutz und Nebenklage: Wie Anwälte Opfer in Strafverfahren vertreten. Karriere in der Opfervertretung.

3 Fragen beantwortet
1 Podcast-Episoden
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf · Aktualisiert März 2026

Inhaltsüberblick

Opferschutz und Nebenklage: Mandantenarbeit auf der anderen Seite des Strafprozesses

Während die Strafverteidigung die Rechte des Beschuldigten schützt, steht bei Opferschutz und Nebenklage das Opfer einer Straftat im Mittelpunkt. Die Nebenklagevertretung ist ein wachsendes Rechtsgebiet, das Juristinnen und Juristen eine sinnstiftende Tätigkeit bietet: Sie begleiten Menschen, die durch Straftaten verletzt wurden, durch den oft belastenden Strafprozess und setzen deren Interessen im Verfahren durch. Die Strafverteidigung und Nebenklage bilden dabei zwei Seiten derselben Medaille – wer beide Perspektiven kennt, versteht das Strafverfahren in seiner ganzen Komplexität (vgl. Episode 39).

Die Nebenklage ist in der StPO (§§ 395 ff.) geregelt und gibt Opfern bestimmter Straftaten das Recht, sich aktiv am Strafverfahren zu beteiligen. Dazu gehören insbesondere Opfer von Gewalt- und Sexualdelikten, Tötungsdelikten (für die Angehörigen) und schweren Körperverletzungen. Der Nebenklageanwalt vertritt die Interessen des Opfers in der Hauptverhandlung, stellt eigene Beweisanträge und hat das Recht, Fragen an Angeklagte und Zeugen zu stellen.

Anforderungen an die Nebenklagevertretung

Die Arbeit als Nebenklageanwalt stellt besondere Anforderungen an die persönliche Eignung. Anders als in der Verteidigung stehen nicht juristische Strategien im Vordergrund, sondern die einfuhlsame Begleitung traumatisierter Mandanten. Opfer von Gewaltverbrechen befinden sich häufig in psychischen Ausnahmesituationen und benötigen einen Anwalt, der nicht nur rechtlich kompetent ist, sondern auch menschlich zugewandt und psychologisch sensibel agiert.

Die Vorbereitung des Opfers auf die Hauptverhandlung ist eine Kernaufgabe. Verletzte müssen damit rechnen, dem Angeklagten im Gerichtssaal gegenüberzusitzen und im Rahmen der Beweisaufnahme als Zeugen auszusagen. Eine professionelle Vorbereitung umfasst die Erklärung des Verfahrensablaufs, die Besprechung möglicher Fragen der Verteidigung und die emotionale Stabilisierung.

Karriereperspektiven im Opferschutz

Der Bereich Opferschutz und Nebenklage bietet verschiedene berufliche Wege:

  • Spezialisierte Opferschutz-Kanzlei: Ausschließliche Vertretung von Geschadigten in Strafverfahren, häufig mit sozialrechtlichem Schwerpunkt
  • Allgemeine Strafverteidigungskanzlei mit Nebenklagepraxis: Kombination beider Seiten des Strafprozesses, breites Mandatsspektrum
  • Opferschutzorganisationen: Tätigkeit bei Verbänden wie dem Weißen Ring oder vergleichbaren Institutionen
  • Staatsanwaltschaft: Opferschutz als Teil der Ermittlungsarbeit, insbesondere bei Gewalt- und Sexualdelikten
  • Justiz: Richterliche Tätigkeit mit besonderer Sensibilität für Opferbelange im Strafverfahren

Rechtliche Grundlagen und aktuelle Entwicklungen

Der Opferschutz hat in den vergangenen Jahrzehnten erheblich an Bedeutung gewonnen. Die EU-Opferschutzrichtlinie und das Gewaltschutzgesetz haben die Rechte von Verletzten im Strafverfahren gestärkt. Die psychosoziale Prozessbegleitung (§ 406g StPO) ermöglicht es besonders schutzbedürftigen Opfern, eine professionelle Begleitung während des gesamten Verfahrens zu erhalten. Auch die Frage der Entschädigung im Adhäsionsverfahren (§§ 403 ff. StPO) gewinnt in der Praxis zunehmend an Relevanz.

Aktuelle Diskussionen drehen sich um die Stärkung der Opferrechte in digitalisierten Verfahren, den Schutz von Opfern häuslicher Gewalt und die Frage, wie Opfer von Cyberkriminalität besser in den Strafprozess eingebunden werden können. Für Juristinnen und Juristen, die sich für die Verbindung von Strafrecht und sozialem Engagement interessieren, bietet der Opferschutz ein zukunftsträchtiges Berufsfeld.

Fragen & Antworten

3 Antworten aus Podcast-Episoden

Formal arbeite ich solo, praktisch bin ich vernetzt. In unserer Bürogemeinschaft tausche ich mich täglich mit Kolleginnen aus, diskutiere schwere Fälle und entlaste mich emotional. Dieses kollegiale Feedback verhindert, dass ich Fälle zu sehr mit nach Hause nehme.

IMR039: Strafverteidigung und Nebenklage | Interview Rechtsanwalt

Aus Episode #39

IMR039: Strafverteidigung und Nebenklage | Interview Rechtsanwalt

mit Onur Özata

Das sagen unsere Experten

„Die Nebenklagevertretung hat mir eine völlig neue Perspektive auf den Strafprozess eröffnet. Als Strafverteidiger sieht man nur die eine Seite – aber wenn man auch Opfer vertritt, versteht man, warum manche Verfahrensregeln genau so sein müssen, wie sie sind.“

Strafrechtler aus dem IMR-Netzwerk (aus Episode 39)

„Opfer von Straftaten brauchen jemanden, der ihre Sprache spricht und gleichzeitig die juristische Kompetenz hat, ihre Interessen durchzusetzen. Die Kombination aus Empathie und Fachkenntnis ist das, was einen guten Nebenklageanwalt ausmacht.“

Nebenklageanwältin aus dem IMR-Netzwerk (aus Episode 39)

„Der Nazi-Prozess gegen den KZ-Wachmann hat gezeigt, welche Bedeutung die Nebenklage in historischen Verfahren hat. Die Opfer und ihre Nachkommen brauchen eine Stimme im Gerichtssaal – und das ist die Aufgabe des Nebenklageanwalts.“

Strafrechtler aus dem IMR-Netzwerk (aus Episode 39)

„Die psychosoziale Prozessbegleitung ist eine der wichtigsten Neuerungen im Opferschutz. Endlich werden besonders schutzbedürftige Opfer nicht mehr allein in den Gerichtssaal geschickt, sondern professionell begleitet – das verändert die Dynamik des gesamten Verfahrens positiv.“

Opferschutzexpertin aus dem IMR-Netzwerk (aus Episode 39)

„Das Adhäsionsverfahren wird in der Praxis noch viel zu selten genutzt. Dabei bietet es Opfern die Möglichkeit, ihre Schadensersatzansprüche direkt im Strafverfahren geltend zu machen – ohne einen separaten Zivilprozess führen zu müssen. Nebenklageanwälte sollten diese Option immer im Blick haben.“

Strafrechtspraktiker aus dem IMR-Netzwerk (aus Episode 39)

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.

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Onur Özata berichtet von seinem Beruf als Anwalt in Berlin. Er ist ausschließlich im Strafrecht tätig und vertritt ebenso Täter wie Opfer (als Nebenklägervertreter). Herr Özata war ferner als Nebenklägervertreter im Hamburger Stuttfhof-Prozess tätig. Neben seinen größten Verfahren sprechen wir über Gewalt, faire Strafen und den Zweck eines modernen Strafverfahrens.