"Mein Doktorvater hat mir mal gesagt: Nicht denken, schreiben. […] Dahinter steht natürlich die Überlegung, dass man das, was man als Input hat, hinten auch wieder rausbringen muss."

Arbeitsrecht | Grundrechte | VerfGH NRW

Folge 153 deines Jura-Podcasts zu Job, Karriere und Examensthemen.

In dieser Episode von Irgendwas mit Recht hört Ihr von Dr. Dirk Gilberg. Er ist Direktor des Arbeitsgerichts in Köln sowie Mitglied des Verfassungsgerichtshofs für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster. Wie kann man zwei solch verantwortungsvolle Aufgaben vereinen? Inwieweit hilft hierbei remote work? Welche Vorteile haben persönliche Meetings? Wie hat Corona (sneak peak: 1. FC Köln!) die Verfahrenslandschaft des Verfassungsgerichts verändert? Wie hilft Dr. Gilberg seine Erfahrung aus verschiedensten Studi-Jobs noch heute? Wie kam er auf die Idee, die Ausstellung “Grundrechte in Bildern” ins Leben zu rufen? Wie ist er bei seinen Fotografien vorgegangen – und welches ist sein Lieblingsmotiv? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet ihr im Podcast. Jetzt reinhören und abonnieren!

Inhalt:

  • 00:00 Intro
  • 00:09 Einleitung
  • 00:51 Die Ausstellung – Grundrechte in Bildern
  • 05:46 Werdegang Dr. Dirk Gilberg
  • 16:17 Richterliche Unabhängigkeit im Arbeitsalltag
  • 17:47 Direktor des Gerichts – Aufgaben
  • 20:21 Remote arbeiten / Digitale Gerichtsverhandlung
  • 26:51 Coronaverfahren 1. FC Köln

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Transkript


Dr. Dirk Gilberg 0:10:30
Also das war eine, ja, das schon, aber ich habe gleichzeitig auch Familie gegründet und wir haben dann auch was gebaut. Das war schon eine Zeit, wo alles auf einmal kam und wo man schon oft daran zweifelt, ob man das Richtige tut. Ich komme aus einem sogenannten Arbeiterhaushalt. Das heißt, ich glaube, soziologisch ist mal gesagt worden, dass das Problem, warum so wenige Leute das machen, man zusammenfassen kann in ganz wenigen Worten, nämlich kein Vorbild und kein Rückhalt. Das bedeutet, wenn man aus einem Haushalt kommt, wo die Vorbilder schon Eltern sind, selber studiert haben, dann gewinnt man automatisch vielleicht auch das Vertrauen, ich werde das auch schaffen. Und dann ist es noch so kein Rückhalt, Stichwort, dass Eltern aus Akademiker, also Akademiker-Eltern vielleicht das Ganze auch durchfinanzieren oder jedenfalls den notwendigen wirtschaftlichen Rückhalt bieten. Während bei anderen ist vielleicht so, dass die dann sagen, also Mensch, du hast doch einen Beruf und jetzt nochmal fünf Jahre, acht Jahre da draufsatteln und selbst finanzieren, das ist schon eine Schwierigkeit. Und das muss man in dem Sinne also etwas ausgleichen natürlich, aber wenn einem dann auch das eine oder andere gelingt, dann gewinnt man so nach und nach das Vertrauen in sich, dass man Wege auch fortsetzt und diesen etwas steinigen Weg, dem muss man sozusagen gehen, bis man die Erfolge eingefahren hat, dass man selber sagt, ich kann doch was und mir gelingt irgendwas und dass man dann sozusagen sagen, selber das Vertrauen sich erarbeitet, um nach vorne zu gehen.
Dr. Dirk Gilberg 0:12:39
Also eine wichtige Sache ist natürlich, dass man an der Uni auch ermuntert werden muss. Ich habe angefangen in der Zeit, als so viele Juristen gingen, gab es. Und das erste, was ich im Hörsaal gehört habe, wo wir mit hunderten von Leuten saßen, war, die Hälfte oder zwei Drittel von euch müssen weg. Das führt nun unter den Bedingungen, die ich eben geschildert habe, eigentlich nicht dazu, dass man sagt, hier will ich gerne bleiben. Also ist es gut, wenn in der Lehre nach und nach der Eindruck vermittelt wird, und zwar außerhalb der eigenen Leistung, der Eindruck vermittelt wird, das ist toll, dass ihr das macht. Wir brauchen Juristen, wir brauchen gute Juristen und wir brauchen Leute, die in sich das Vertrauen setzen, dass diese komplexe Aufgabe einmal bewältigt werden wird, erstmal der Ausbildung des Studiums und später auch des Berufs. Denn im Beruf werden die Aufgaben ja nicht weniger schwer als vorher im Studium. Also die Idee, dass man praktisch studiert und dann ist alles schwierig und danach wartet das Paradies, die stimmt ja nicht. Sondern danach wird das Ganze noch weiter fokussiert und noch weiter schwierig. Und deswegen ist es glaube ich wichtig von Beginn an, dass wir den jungen Leuten einen Selbstvertrauen in der Weise vermitteln, dass wir sagen, also ihr dürft Fehler machen, ihr lasst euch nicht einreden, ihr könnt das nicht, sondern setzt das Vertrauen in euch mehr zu tun, wenn was nicht gelingt und dann wird es aber auch irgendwann gelingen. Mehr Training ist, ohne das geht es nicht, das ist klar. Es gibt vielleicht irgendwelche Sondertalente, die ohne zu trainieren alles toll schaffen, aber im Normalfall geht es nur mit hartem Training. Aber wenn ihr das macht, dann schafft ihr es auch und das müssen wir vermilden.
Dr. Dirk Gilberg 0:18:09
Also die Verwaltungsaufgaben sind vielfältig und ich sage mal im Kern steht ein Akt der der richterlichen Selbstverwaltung. Das ist das sogenannte Präsidium. Jedes Gericht hat nach Gerichtsverfassungsgesetz ein Präsidium und in dem Präsidium ist das Präsidium auch frei, nämlich frei in der Verteilung der richterlichen Geschäfte. Und das macht schon einen Teil auch der Arbeit als Direktor aus, dass ich als geborener Vorsitzender dieses Organs daran mitarbeite, die richterlichen, also Prozessgeschäfte, die wir haben, sorgfältig zu verteilen. Und das bedeutet, dass wir also einen Geschäftsverteilungsplan haben, wo dann die Dinge geregelt werden, dann erhöht oder verringert eine Richterin, eine Richterin ihre Arbeitskraft, dann muss das angepasst werden oder jemand wird abgeordnet, dann müssen wir gucken, was passiert mit der Kammer. Also ein nicht unerheblicher Teil ist tatsächlich die Arbeit im Präsidium. Und darüber hinaus gibt es aber auch eine Vielzahl von Tätigkeiten, also beispielsweise Personalführung. Wir haben ja auch nichtrichterliches Personal, das wir in jeder Hinsicht personalrechtlich, aber auch einfach durch Gespräche oder durch alltägliche Führungsaufgaben begleiten. Und wir haben Bauangelegenheiten, wir haben Haushaltsangelegenheiten, wir haben Aus- und Fortbildung, wir haben Referendare, Besuchergruppen, Praktika. All diese Dinge sind dann letztlich in der Verwaltungsaufgabe entscheidend. Machen. Wir schützen natürlich unsere Daten. Wir haben Personalvertretungsgremien und das ist dann so der Alltag der Verwaltungsarbeit.

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Dr. Dirk Gilberg

Dr. Dirk Gilberg Richter, VerfGH NRW

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