Inhaltsüberblick
Partnergehalt in Kanzleien: Was Equity Partner wirklich verdienen
Das Partnergehalt ist das bestgehütete Geheimnis der Anwaltsbranche — und zugleich das am meisten diskutierte Thema unter Associates, die den Partner Track anstreben. Was verdient ein Partner in einer deutschen Kanzlei tatsächlich, und welche Faktoren bestimmen die Höhe der Gewinnausschüttung?
Die Bandbreite ist enorm: Während ein Equity Partner in einer internationalen Großkanzlei einen Profit per Equity Partner (PEP) von über einer Million Euro erzielen kann, liegen die Einkünfte in mittelständischen Kanzleien eher bei 200.000 bis 500.000 Euro. Diese Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, denn Partnergehalt ist kein Gehalt im klassischen Sinne — es ist eine Gewinnbeteiligung, die von Jahr zu Jahr schwanken kann.
Equity Partner vs. Non-Equity Partner
Der wichtigste Unterschied bei der Partnervergütung ist der zwischen Equity Partnern und Non-Equity Partnern (auch Salaried Partner oder Local Partner genannt). Equity Partner sind am Gewinn der Kanzlei beteiligt und tragen unternehmerisches Risiko. Non-Equity Partner erhalten ein festes Gehalt — zwar höher als das eines Senior Associate, aber ohne die Gewinnbeteiligung, die das Einkommen vervielfachen kann.
In Episode 347 wird dieser Unterschied detailliert beleuchtet: Der assoziierte Partner als Vorstufe zum Equity Partner und der Counsel als alternative Karrierestufe für diejenigen, die nicht den klassischen Partnerweg gehen möchten.
Vergütungsmodelle: Lockstep vs. Eat-What-You-Kill
Wie der Gewinn unter den Partnern verteilt wird, hängt vom Vergütungsmodell der Kanzlei ab:
- Lockstep: Partner rücken automatisch in höhere Gewinnstufen auf, basierend auf Seniorität. Dieses Modell fördert Kollegialität und langfristiges Denken, da alle vom Gesamterfolg profitieren
- Modified Lockstep: Kombination aus Seniorität und individueller Leistung — das verbreitetste Modell in deutschen Großkanzleien
- Eat-What-You-Kill: Jeder Partner erhält, was er selbst erwirtschaftet. Dieses Modell maximiert individuelle Einkünfte, kann aber zu internem Wettbewerb führen
- Hybridmodelle: Mischformen, die einen Basisanteil mit leistungsbezogenen Komponenten verbinden
Das gewählte Modell hat erhebliche Auswirkungen auf die Kanzleikultur und die Zusammenarbeit zwischen den Partnern. In Episode 353 beschreiben Managing und Senior Partner, wie das Ownership-Mindset in einer Boutique-Kanzlei zu einem Wachstum über 20 Jahre geführt hat.
PEP: Die Schlüsselkennzahl
Der Profit per Equity Partner (PEP) ist die wichtigste Kennzahl, um die Ertragskraft einer Kanzlei zu beurteilen. In den führenden internationalen Kanzleien in Deutschland liegt der PEP zwischen 800.000 und über 2 Millionen Euro. Im gehobenen Mittelstand bewegt sich der PEP typischerweise zwischen 300.000 und 700.000 Euro.
Doch der PEP sagt nicht alles: Ein hoher PEP bei einer kleinen Zahl von Equity Partnern bedeutet, dass nur wenige den vollen Gewinn teilen — während viele Associates und Non-Equity Partner die Arbeit leisten. Das Leverage-Verhältnis (Partner zu Associates) ist daher ein wichtiger Indikator für die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells.
Der Capital Call: Einstiegskosten in die Partnerschaft
Was viele übersehen: Die Aufnahme als Equity Partner ist mit einem Capital Call verbunden — einer Kapitaleinlage, die je nach Kanzlei zwischen 50.000 und 500.000 Euro betragen kann. Diese Einlage finanziert den laufenden Betrieb der Kanzlei und wird bei Ausscheiden zurückgezahlt. Viele Kanzleien bieten Finanzierungsmodelle an, bei denen die Einlage aus künftigen Gewinnausschüttungen beglichen wird.
In Episode 335 wird diskutiert, wie technologische Innovation die Geschäftsmodelle von Kanzleien verändert — und damit auch die Frage, ob traditionelle Partnerschaftsmodelle zukunftsfähig sind.
Partnergehalt im internationalen Vergleich
Im internationalen Vergleich liegen die Partnergehälter in Deutschland unter denen in den USA und Großbritannien, aber deutlich über dem kontinentaleuropäischen Durchschnitt. Ein Equity Partner einer US-Kanzlei in New York kann einen PEP von über 5 Millionen Dollar erzielen — Größenordnungen, die in Deutschland selbst bei den führenden Kanzleien nicht erreicht werden.
Allerdings sind die Arbeitsbedingungen und Risiken in den USA auch deutlich härter: Hire-and-Fire, extreme Arbeitszeiten und ein aggressiveres Geschäftsumfeld gehören zum Alltag. Deutsche Kanzleipartner profitieren hingegen von einem stabileren Umfeld und einem Sozialsystem, das auch Unternehmern ein Sicherheitsnetz bietet.
Fragen & Antworten
15 Antworten aus Podcast-Episoden
Ich wollte eine Marke, die unabhängig von einzelnen Partnernamen bleibt. Darum beauftragten wir eine Agentur mit A-Namen, damit wir alphabetisch stets oben erscheinen. „ARQIS“ klang international, löste in keiner Sprache peinliche Assoziationen aus und passt zu unserem Logo – eine Brücke, weil wir Geschäftspartner sowie Deutschland und Japan verbinden. So bleibt die Kanzlei zukunftsfähig, selbst wenn Gründer ausscheiden.
Aus Episode #353
IMR353: Managing Partner & Senior Partner, Ownership und Unternehmermindset, Big Law Boutique, Kanzleiwachstum seit 20 Jahren, Karrierechancen bis Tokio
mit Dr. Shigeo Yamaguchi
Das sagen unsere Experten
Das Partnergehalt ist das Ziel vieler Kanzleikarrieren — doch der Weg dorthin und die Realität als Partner sind komplexer, als Gehaltstabellen vermuten lassen. Erfahrene Partner teilen ihre Perspektiven.
Senior Partner und Managing Partner zu sein bedeutet vor allem Verantwortung. Das Ownership-Mindset ist der Schlüssel — wer die Kanzlei als sein Unternehmen begreift und nicht nur als Arbeitsplatz, wird langfristig erfolgreicher und zufriedener sein.
Der Weg zum Equity Partner führt über den assoziierten Partner — das ist die Beweis-Phase, in der man zeigt, dass man nicht nur gute juristische Arbeit leistet, sondern auch ein Geschäft aufbauen und führen kann.
Teamaufbau in der Wirtschaftskanzlei ist die vielleicht wichtigste Fähigkeit für einen Partner. Wer Vergleichsverhandlungen führen und Prozessrisiken analysieren kann, generiert Mandate — und Mandate sind die Grundlage jeder Gewinnbeteiligung.
Legal Innovation verändert die Partnerschaft. Erfolgreiche Tech-Adoption bedeutet, dass Partner künftig nicht nur juristische, sondern auch technologische Kompetenz brauchen — das wirkt sich direkt auf die Karrierewege junger Juristen aus.
Führung und KI gehören untrennbar zusammen. Ein Partner, der AI Adoption in seiner Praxisgruppe vorantreibt, steigert die Effizienz und damit den Gewinn — das ist kein Nice-to-have mehr, sondern Pflicht.
Die Erfahrungen zeigen: Das Partnergehalt ist das Ergebnis jahrelanger Investition in Expertise, Mandatsbeziehungen und Führungsfähigkeiten. Wer diese drei Säulen konsequent aufbaut, wird die finanzielle und berufliche Erfüllung finden, die die Partnerschaft verspricht.
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
8 relevante Podcast-Folgen
IMR353: Managing Partner & Senior Partner, Ownership und Unternehmermindset, Big Law Boutique, Kanzleiwachstum seit 20 Jahren, Karrierechancen bis Tokio
mit Dr. Shigeo Yamaguchi
In der 353. Episode von IMR sind Dr. Shigeo Yamaguchi und Dr. Friedrich Gebert von ARQIS zu Gast. Shigeo ist Gründungspartner und heute Senior Partner der Kanzlei, Friedrich ist Managing Partner und Leiter der Fokusgruppe Regulatory. Im Gespräch berichten sie von der Entwicklung der Kanzlei seit der Gründung 2006, dem Wachstum von rund 20 auf über 200 Mitarbeitende und dem Anspruch, als Big Law Boutique Exzellenz mit klarem Fokus zu verbinden. Die beiden geben Einblicke in den Aufbau neuer Praxisbereiche, in strategische Entscheidungen innerhalb der Partnerschaft und in die Neuaufstellung der Kanzleiführung mit einem Senior Partner für Strategie und einem Managing Partner für das operative Geschäft. Was bedeutet es konkret, eine Big Law Boutique zu sein? Wie entstehen Fokusgruppen und warum ist unternehmerisches Denken für Anwältinnen und Anwälte zentral? Welche Rolle spielen Ownership und Mindset für den Berufseinstieg? Wie gelingt nachhaltiges Wachstum ohne starre Umsatzvorgaben? Und wie positioniert sich eine Kanzlei zwischen Spezialisierung und Transaktionsstärke? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
IMR352 (x Bucerius CLP): Gute Führung und AI, AI Adoption, Scientist Mindset, kritisches Denken in Zeiten von KI
mit Prof. Dr. Madeleine Bernhardt
Die 352. IMR-Episode erscheint erneut gemeinsame mit der Bucerius Law School (Center on the Legal Profession / Bucerius Legal Innovation Hub). Zu Gast ist Prof. Dr. Madeleine Bernhardt und wir diskutieren gemeinsam, warum AI nicht nur ein Technologiethema ist, sondern vor allem ein Führungsthema. Es geht um die Frage, wie Kanzleien und Rechtsabteilungen AI sinnvoll implementieren und welche Rolle Emotionen, professionelle Identität und psychologische Sicherheit dabei spielen. Welche Auswirkungen hat es, dass Menschen KI-Systemen Absichten und Emotionen zuschreiben? Wie verändert sich kritisches Denken, wenn Chatbots Entwürfe bestätigen oder scheinbar objektiv Feedback geben? Und wie gelingt AI-Adoption in Partnerschaften mit unterschiedlichen Zukunftsbildern und Machtstrukturen? Anhand konkreter Beispiele aus dem Kanzleialltag erfahrt Ihr, wie Führungskräfte mit offenen Fragen, klaren Guardrails und einem Scientist Mindset Orientierung geben können. Viel Spaß!
IMR347: Assoziierte Partner als Vorstufe zum Equity Partner, Unterschied zum Counsel, Internal Investigations, Presserecht und Glaubensgemeinschaften
mit Julian Leucht
In der 347. Episode von IMR spricht Marc mit Hanna Wiedenhaus und Julian Leucht, jeweils Associated Partner bei Esche Schümann Commichau in Hamburg. Beide berichten von ihren persönlichen Wegen ins Jurastudium, ihren Stationen im Referendariat und ihren bewussten Entscheidungen für die Anwaltschaft. Im Mittelpunkt stehen ihre heutigen Tätigkeiten: Hanna gibt Einblicke in das Vertriebs-, Kartell- und Compliance-Recht sowie in die Praxis von Internal Investigations, während Julian das Presserecht, Meinungsfreiheit und die rechtliche Begleitung sensibler Veröffentlichungen erläutert. Gemeinsam diskutieren sie die besondere Rolle multidisziplinärer Kanzleien, den Umgang mit unternehmerischer Verantwortung und die Bedeutung von Grundrechtsabwägungen im anwaltlichen Alltag. Außerdem erklären sie das Karrieremodell des Associated Partners als Zwischenschritt zur Partnerschaft und reflektieren, welche Erwartungen sie an den juristischen Nachwuchs haben. Wie laufen Compliance-Untersuchungen konkret ab? Welche Herausforderungen bringt das Presserecht in sensiblen Fällen mit sich? Wie unterscheidet sich der Associated Partner vom Counsel und Equity Partner in einer Kanzlei? Und was macht eine gute Vorbereitung auf die (Equity) Partnerschaft aus? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
IMR340: Legal Tech in der Rechtsschutzversicherung, 2500 Partnerkanzleien managen, Mediation, auf Wunsch 100% remote work
mit Menekse Ciytak
Diese Episode führt Marc nach Düsseldorf zur Juristin und zertifizierten Mediatorin Menekse Ciytak, die heute als Teamlead Rechtsdienstleister-Netzwerk bei der ARAG SE das Zusammenspiel von rund 2500 Partnerkanzleien und spezialisierten Legal-Tech-Dienstleistern verantwortet. Gemeinsam blicken sie auf ihren Weg vom Schülerpraktikum über das Studium in Hannover, das Referendariat in Essen und die Wahlstation bis zur Sachbearbeitung, In-house-Mediation mit mehr als 2600 Fällen und schließlich zur heutigen Führungsaufgabe. Welche Konflikte landen überhaupt bei einer Rechtsschutzversicherung? Warum kann eine Shuttle-Mediation am Telefon trotz fehlender Mimik funktionieren? Wie hilft Legal Tech dabei, Verkehrsverstöße oder Nachbarschaftsstreitigkeiten schneller zu lösen, Kosten zu senken und Kundinnen sowie Kunden zufriedener zu machen? Wer passt fachlich und menschlich in ein Rechtsschutz-Team, das bald wieder groß einstellt? Wie genau schaut die sechsmonatige Ausbildung im Team aus? Warum ist danach grundsätzlich auch vollständige Remote-Work möglich? Warum zählen Soft Skills dabei mehr als Examensnoten? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
