"Das Gefühl der Unsicherheit in der Bevölkerung wächst, obwohl es aus kriminalstatistischer Sicht dazu kaum Anhaltspunkte gibt."

Strafverteidigung | Strafrecht | Strafprozessrecht | Medienarbeit | Kommunikation

Folge 139 deines Jura-Podcasts zu Job, Karriere und Examensthemen.

In dieser Folge hört Ihr von Prof. Tsambikakis und Prof. Jahn. Die beiden Strafrechtler haben bei Wolters Kluwer das Werk “Zeugen der Verteidigung” verfasst, in welchem sie über 20 spannende Anwaltspersönlichkeiten interviewen. Ihre Gäste haben die Strafverteidigung der Nachkriegsgeschichte wesentliche geprägt. Mit dabei sind etwa Gregor Gysi und der kürzlich verstorbene Hans-Christian Ströbele. Hört, welche beiden Strafrechtlerinnen sie besonders beeindruckt haben. Im Anschluss widmen wir uns der Frage, was gute Strafverteidigung aus ihrer Sicht ausmacht. Welche Lehren hat Prof. Tsambikakis im Rahmen seiner jahrelangen Erfahrung gezogen? Inwieweit müssen heute auch die Medien im Rahmen effektiver Strafverteidigung berücksichtigt werden? Wie fühlt es sich an, einen Mörder zu vertreten? Warum muss man auch als Strafverteidigerin gut mit Sprache umgehen können? Welche Tipps haben die beiden Professoren für den juristischen Nachwuchs? Viel Spaß beim Reinhören & danke fürs Teilen!

Inhalt:

  • 00:00 Sponsor: GSK Stockmann
  • 01:01 Intro
  • 01:11 Einleitung & Vorstellung
  • 02:04 Warum Jurist?
  • 05:53 Element Sprache in Jura
  • 10:48 Buch: Zeugen der Verteidigung
  • 18:26 Sprache & Anwaltspersönlichkeiten
  • 28:02 Mediale Berichterstattung
  • 41:00 Strafverteidigung & PR-Arbeit

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Transkript


Prof. Tsambikakis 0:02:50
Denke schon.
Prof. Tsambikakis 0:05:03
Es scheint, dass er ein bisschen mehr zu geben. Ich bekomme das jetzt bei meinen Kindern mit, die allerdings auch erzählen, dass das Recht langweilig gemacht wird, damit es dann auch wieder keinem gedient. Ich hätte noch eine Ergänzung zu Matthias, also das eine, was mir noch eingefallen ist, auch als Motivation damals wie so viele damals war man doch sehr, auch politisch engagiert in ganz vielen Fragen kommen. Er hatte auch ein Tick weniger vor weiß ich nicht, ob das so oder vielleicht der Blick auf Politik anders ist von von jungen Schülern heute auch, und, da musste ich mir ganz oft sagen lassen Er durfte keine Ahnung, du weißt doch nicht, wie das läuft, und das war für mich auch wichtig, Jura zu studieren, solche ok, danach manchmal das von keinem mehr sagen lassen, wie das hier funktioniert oder so, dann weiß ich das ganz genau, wie das funktioniert. Also das war sicherlich eine wichtige Motivation. Und das, was Matthias sagt, mit der Sprache das finde ich so unendlich wichtig, also, Sprache ist der Dreh und Angelpunkt bei allen juristischen Berufen, und ich beschäftige mich schon länger gedanklich damit, hab das noch nie umgesetzt, wäre aber danach daran nach wie vor sehr interessiert. Ob man auch dieses Verhältnis, wenn man dann doch sehr tief irgendwann den Jura eingedrungen ist und dann die sprachlichen Aspekte wieder einer anderen Form so herausarbeiten kann als Strafverteidiger männlicher häufig gezwungen, dem Gericht eine Geschichte zu präsentieren, und zwar eine andere Geschichte, als sie diese Staatsanwaltschaft geschrieben hat, Und es würde mich unheimlich reizen. Einmal diese Geschichte, die natürlich einen konkreten Beschuldigten oder Angeklagten betreffen würde, der wahrscheinlich auch zu unbeholfen wäre, einfach mangels Erfahrungen die Geschichte so zu präsentieren, wie man sie exakt präsentieren müsste, nicht mit einem Juristen wie mit mir zu vorzubereiten, was ich mache und was ich auch für zulässig halte, sondern zu setzen mit einem Schriftsteller, der uns helfen würde, eine richtige Geschichte draus zu machen, ohne dass er da mal, glaube ich, an der Wahrheit irgendwas, ändern würde oder möglicherweise auch dürfte, aber einfach diese Art der Präsentation, und das zeigt einfach wie wie wichtig so sprach in allen möglichen Bezügen bei Jura ist.
Prof. Tsambikakis 0:15:05
Warum pack ich ihn raus? Das sind alles tolle verteidigung Verteidiger dem Buch stehen, dass es klar das was mir. An ihm gut gefällt und warum ich auch spannend finde was er macht es ein auch ein Prototyp dieser Generation, der alles quer Beet verteidigt hat an Vorwürfen, was es gibt also diese, super Spezialisierung, die wir mittlerweile haben. Wir sagen Leute sagen Ja, ich bin Wirtschafts Strafverteidiger, aber ich würde nie einen Sexualstraftäter liegt verteidigen oder ähnliches das das gabs in dieser Ausprägung auch nicht. Ich glaube, dass da auch durchaus Dinge verloren gehen, wenn man das nicht mal gemacht hat, einfach auch auch an Können. Er ist jemand, der immer engagiert war, auch darin, anderen Verteidigern und Verteidigerin sein Wissen weiterzugeben. Also hat in dieser Reihe Praxis der Strafverteidigung, sondern gelbe Buchreihe immer sein Wissen auf veröffentlicht, hat sich bei der Zeitschrift der Strafverteidiger engagiert, war aktiv bei Strafverteidiger, Tagen um, sitzt nicht in einer der Metropolen in dieser Republik auf die Frei Burger sehen es mir nach. Die Freiburger sind so beliebt, dass sie, glaube ich, denn den Metropolen den nicht mit Metropolen vor? Nicht zu sein Vorwurf, glaube ich verkraften können, weil viel Strafverteidigung spielt sich auch in den Metropolen hat, war es auch immer schon so auch auch historisch in der Weimarer Republik Die interessantesten Figuren waren in. Teilen in Berlin damals, und, und deshalb gefällt mir diese Geschichte als einer ja irgendwie auch auch typische dieser Generation.
Prof. Jahn 0:16:45
Also ich suche mir aus Frau Heinicke, Gabriele Heinicke eine Strafverteidigerin und die suche ich mir eigentlich unter drei Aspekten aus. Also erstens ist eine Frau Frauen sind bei uns unterrepräsentiert übrigens auch wie verteidigen Verteidiger mit erkennbar Migrationshintergrund Wir haben vier Frauen von 25 Verteidigern im Buch, das entspricht ungefähr den prozentualen Anteil. 80 % der Verteidiger sind Männer und deshalb suche ich ganz bewusst eine Frau aus. Zweitens vor Heinicke steht für mich prototypisch, für die den Typus des neuen Strafverteidigers Wir entstanden ist. Sie beschreibt in dem Buch eine Situation an der Uni in München, wenn es gab Proteste gegen ein neues Hochschulgesetz und dann sind erst mal 600 Teilnehmer an einer Studenten Vollversammlung sind von der Polizei umstellt worden, erst müssen alle festgenommen worden. Und dieses Erlebnis, das sie das schildert, dass man übrigens in ähnlicher Form in vielen anderen der Geschichten der Zeugen der Verteidigung wieder findet, ist für mich prototypisch für das, was ich mit dem Typus des neuen Strafverteidigers assoziiere, also eine Politisierung der Verteidigung, ein daraus entstehendes Bedürfnis nach Professionalisierung, weil man selbst, in einem Arkona Len Kampf mit der Staatsmacht erlebt hat. Man muss besser sein als die Generation davor. um sich zur Wehr setzen zu können. Und zuletzt Ich hab Frau Heinicke das erste Mal persönlich kennen gelernt auf der Buchpräsentation in Berlin, und ich fand sie nicht nur sehr sympathisch, sondern als Personen, sehr beeindruckendes, also, glaube ich, alle Zeit wehrt, sich mit ihr näher zu beschäftigen, und sei es erst mal nur als Einstieg über unser kleines Büchlein.
Prof. Tsambikakis 0:19:15
Vielleicht zum Einstieg zu dieser Frage. Wer mir eben über die juristische sprachkunst oder auch nicht kunst gesprochen man könnte schon bei dem, wort auch der anwalt persönlichkeiten darüber nachkommen, ob außer juristen irgendjemand so ein wort überhaupt nutzen, würde und man könnte es auch kritisieren ich glaube es passt trotzdem den weil dieses buch ist ja so liegt ja so zwischen allen gebieten. Also wer sich für Strafverteidigung interessiert wird da was finden. Ich glaube wer sich für anwälte überhaupt interessiert er sich für geschichte interessiert arbeit wie gesagt wer sich für anwälte interessieren, dabei sind wir bei anwalts persönlichkeiten. Ich glaub du siehst das ganz ähnlicher doris es sicher gleich ergänzen matthias. Was wir damit gemeint haben sind personen, die den anwaltsberuf ausüben und ihn in irgendeinem besonders persönliches gepräge gegeben haben. Das kann sozusagen ein weit historisches sein, nimmer otto schily als beispiel dellen und wirklich in vielerlei hinsicht nicht deutsche geschichte geschrieben hat. Ober, das kann aber auch im kleinen sein, auch diese geschichte auch, die du gerade genannt hast, dass jemand sagt ich ich ich erfahre eine Form von Staatsmacht, gegen die ich mich wehren würden möchte oder können möchte und ich, nehme das zum Anlass, mich so zu rüsten das ich das in Zukunft kann und möchte das professionalisieren, das wären alles so Sachen, die die geben dem ein persönliches Gepräge und das wäre für mich Anwalt Persönlichkeit.
Prof. Jahn 0:20:44
Also Michael, du hast im Wesentlichen all das aber in viel schöneren Worten gesagt, was ich auch hätte sagen wollen, also erzähle ich eine Geschichte eine der Personen in diesem Buch Ich verrat nicht welche, habe ich auf folgende Art und Weise kennen gelernt, man muss den Hören und Hören dazu sagen Wir sitzen hier in einer Bibliothek, und diese Geschichte spielt auch in einer Bibliothek eines Frankfurter Strafverteidigers. Ich saß da mit einem anderen Kommilitonen, weil wir ausgeguckt waren, um Prozessbeobachter zu werden, Anfang der 90 er Jahren einen großen Wirtschaftsstrafverfahren, das in Frankfurt spielt, und wir haben an der Frankfurter Universität studiert, und da hat man Studenten gebraucht, die so in den ersten Wochen, wenn also das Prozess Geplänkel losgeht und also Anträge auf Aussetzung und Befangenheitsanträge unsere gestellt werden. Das alles getreulich aufschreiben, weil die professionellen mit Treiber für diese Tätigkeit viel zu teuer in viel zu wertvoll waren. Die kam dann erst später dazu, wenn es um die Inhalte ging, und wir saßen in dieser Bibliothek, und es kam eine Anwalts Persönlichkeit hinein, die auch in diesem Buch dann später auftritt, und zwar folgendermaßen Es geht die Tür auf, dieser Mann kommt hinein, tritt auf uns beide Studenten wie wir an diesem Tisch sitzen zu, legt wortlos seine Visitenkarte auf den Tisch, geht wieder hinaus und sagt so halb schon im Hinausgehen, damit sie wissen, mit wem sie es zu tun haben, und schließt die Tür. Das finde ich ein Auftritt einer Persönlichkeit, Jemand, der sich das traut und der sich so verhält, den finde ich faszinierend. Das schöne Ende der Geschichte ist Wir waren der Jurastudent im dritten Semester. Ich guck also meinen Kumpel an und nehmen die Visitenkarte in die Hand, die sehr. Äußerlich Besonderheiten aufwies, die damals dem Stil der Zeit entsprach man konnte sie sogar auf glatten und wir sagen jetzt diesen sehr langen Namen mit einer Menge Titel gucken uns beide Fragen angesagt Wer ist das? Wir kannten den damals nicht, weil wir nicht in dieser Szene drin waren und gar nicht verstanden haben wir uns da gerade gegenüber getreten war später haben was dann verstanden, jetzt wird sie im Buch drin stehen.
Prof. Tsambikakis 0:22:43
Nicht den.
Prof. Jahn 0:24:02
Ja, also das ist ein Problem, das man als Wahl zwischen zwei Übeln charakterisieren kann, und man sucht sich das kleinere aus. Man könnte sagen als Verteidiger, wenn man mit einem solchen Mandat konfrontiert wird, als Nebenklägervertreter. Das mache ich nicht. Wir haben auch in unserem Buch einige Kolleginnen und Kollegen, die sehr klar sagen Ich verteidige in einem gewissen Typus von Verfahren nicht, das lehne ich ab, aus welchen Gründen auch immer, dass es ein übel, das kann man wählen. Ich finde interessanter Verteidiger Persönlichkeiten, die sich dem ganz bewusst aussetzen, auch wenn sie wissen, dass man am Ende etwas erreichen kann, wenn alles optimal läuft, was, immer noch unbefriedigend ist, was aber vielleicht etwas weniger unbefriedigend ist, als es nicht zumindest versucht zu haben. Und ganz persönlich, das muss jeder Anwalt für sich entscheiden, würde ich schon sagen, dass diejenigen, die stilprägend geworden sind, vielleicht auch die Kolleginnen und Kollegen sind, die sich solchen Verfahren ganz bewusst aussetzen, und an die äußersten Grenzen dessen gehen, was man mit der Recht überhaupt zu leisten im Stande ist. Wir sollten uns, finde ich davor hüten zu sagen, wir sind sozial Ingenieure, wir können alles. Wir haben sozusagen den Instrumentenkasten der für jedes Problem passt. Aber wir können mit den Mitteln des Rechts zumindest versuchen, ein gesellschaftliches Problem, das in in Form einer Anklageschrift in einer Hauptverhandlung gekommen ist, bestmöglich aufzuklären, und der Gesellschaft zu vermitteln und das finde ich eigentlich eine der Aufgaben, die Strafverteidigung im Rechtsstaat zu erfüllen hat.
Prof. Tsambikakis 0:25:56
Im Bild zu bleiben mit dem Werkzeugkasten. Also ich würde sagen, wir haben einen Werkzeugkasten auch einen hoch funktionalen, aber der ist halt ganz ganz klein, das darf man nicht vergessen. Was wir können, ist ein Beschuldigten einen Angeklagten durch das Strafverfahren lotsen und das müssen noch könnten mehr geht aber auch nicht. Also jeder weitere an Spruch darüber hinaus wäre überhaupt nicht erfüllbar, aber den muss man erfüllen und ich glaube auch, dass das etwas ist, was vielleicht ein Anwalt Persönlichkeiten auszeichnet. Ich glaube, große Anwalt Persönlichkeiten haben zum Strahlen eine solche Professionalität aus, dass man gar nicht auf die Idee kommen würde, sie mit den Taten gemein zu machen. Das ist ja auch ein völlig absurder Gedanken Jemand, der einen Menschen verteidigt, der im Verdacht steht, einen Mord begangen zu haben oder gar ein Mörder, weil er geständig ist und es überhaupt keine Frage darüber gibt, ob er es war oder nicht. Der würde auch keiner auf die Idee kommen. Acht. Dass der Verteidiger der für bestimmt der findet, bestimmt auch Mord gut oder so, während das so bei anderen Delikten an immer direkt mitschwingt, das wundert mich. Das liegt vielleicht ein bisschen daran, dass es bestimmte Milieus gibt, die sozusagen gerne Milieu nahe Verteidiger haben. Ob das zwingend sozial die Anwalt Persönlichkeit ist, die ich mir vorstelle, weiß ich nicht. Müsste ich drüber nachdenken, aber wir haben einen Werkzeugkasten, ich halte Info funktional. Ich halte es auch für wichtig, in einzusetzen, weil der beschuldigte Bürger kann es nicht, er weiß es nicht, aber mehr können wir auch nicht und jeder der meint, dass er mehr kann, wird glaube ich daran scheitern.
Prof. Jahn 0:28:19
Also da kommt jetzt darauf an, in welcher Funktion sie mich fragen, wenn Sie mich als Rechtswissenschaftler Universitätslehrer fragen, dann blicke ich natürlich gewohnt kritisch auf auf den Zustand, der nach meinem Eindruck durch diese Brille betrachtet in den letzten Jahren durch Personalisierung, und durch Emotionalisierung auch in der Berichterstattung der früher sogenannten Qualitätsmedien problematischer geworden ist. Ich finde in den Zeitungen, die ich täglich lese, finde ich mehr und mehr, Raum für eine Berichterstattung, die eben nicht mehr nur Bericht erstattet, sondern die Gefühle zu wecken versucht bei Leserinnen und Leser, und das gefällt mir nicht, das habe ich auch schon verschiedentlich übrigens auch in diesen Zeitungen, die mir dafür Raum eingeräumt haben, geschrieben. Wenn sie mich fragen würden als Mensch und Staatsbürger, wie ich diese Entwicklung erlebe, dann würde ich sozusagen versuchen, noch etwas weiter zurück zu treten und mich in in die Perspektive, von Bürgerinnen und Bürgern hineinzuversetzen, die er letztlich das, was da produziert wird, zu sagen, auf der anderen Seite der Theke abnehmen müssen nämlich Gesetze, Rechtsprechung. Und überhaupt ein rechts politisches Klima, das befeuert wird durch Interessen Träger, deren Interessen nicht immer so offensichtlich sind. Und dann würde ich sagen, ist meine Perspektive auf diese Dinge sogar noch deutlich kritischer, weil ich als Rechtswissenschaftler Möglichkeiten habe, mit meinem Instrumentenkasten Dinge zu sezieren und, wird dann Schicht für Schicht freizulegen und ganz im Kern der Dinge zu erkennen, wer hier eigentlich Interessen versucht durchzusetzen auf teilweise eben auch auf dem Rücken. Von Bürgerinnen und Bürgern, die sich dagegen nicht wehren können. Wenn ich als Staatsbürger in eine Rolle hineingedrängt werde, bei der ich, weil ich die Ausbildung nicht habe, im überhaupt nicht die Möglichkeit habe, mich gegen diese Tendenzen zu wehren, sie oftmals noch nicht mal erkennen kann, dann finde ich es eine Aufgabe, dann bin ich wieder in der anderen Rolle von Wissenschaft Menschen aufzuklären. Menschen versuchen zu motivieren, sich für diese Dinge zu interessieren und auch zu verstehen, wie das rechtspolitische Geschäft heute läuft. Und viele Kolleginnen, Kollegen von mir in der Wissenschaft nehmen ja auch an diesem Prozess teil, Manchmal für meinen persönlichen Geschmack, zu sehr als Akteure, in dem sie sich selbst in die Arena von Twitter und ähnlichem begeben. Das mache ich ganz bewusst nicht, weil ich das den falschen Weg finde. Aber viele versuchen eben auch doch aufzuklären zu analysieren, also als sogenannte Experten zur Verfügung zu stehen und das finde ich, ist ganz dezidiert eine Aufgabe von uns Wissenschaftlern also nicht nur Forschung und Lehre in diesem klassischen. Sozusagen humboldtschen Ideal des 19. Jahrhunderts, sondern eben auch satt mischen, also die dritte Mission von Wissenschaft und das ist in die Zivilgesellschaft hinein wirken und mit der Gesellschaft ins Gespräch kommen und vielleicht sitzen wir auch deshalb heute hier.
Prof. Jahn 0:32:55
Ja, ich habe mich darum bemüht, die zuhören, weil mich meine Sekretärin darauf aufmerksam gemacht hat, dass sich da einiges tut, und ich hab dann in einige hineingehört, ich habe aber mein Herz noch an keinem so richtig verloren, um ganz ehrlich zu sein. Das liegt ein bisschen daran, dass ich viele der Geschichten kenne. Aus der amtlichen Entscheidung Sammlung des Bundesgerichtshofs in Strafsachen, die in dieser Bibliothek, die die höheren Höheres leider nicht sehen können, links von uns steht, weil das natürlich sozusagen nur der zweite Aufguss ist. Es soll ja Schriftsteller geben, die daraus ein gut gehendes Geschäftsmodell entwickelt haben. BGH St sozusagen in Roman Form zu übersetzen. Das langweilt mich, um ganz ehrlich zu sein, aber ich habe einige Folgen gehört von trug rein Podcast, an den ich ein persönliches Interesse hatte. Ich kommen aus einem Ort, in dem einmal ein schreckliches Verbrechen geschehen ist, nämlich einen einen, einen Mord, in dem man gar nicht so genau weiß, wie es dazu kam. Jedenfalls fanden sich Leichenteile in einer Garage eines in der örtlichen Gemeinschaft sehr akzeptierten Musikers, der also da auch in der IM und im örtlichen in der örtlichen, Musik Gemeinschaft eine große Rolle gespielt hat. Und das hat mich interessiert und diesen Podcast habe ich dann mit Gewinn gehört, weil da zwei der drei Informationen drin waren, die ich vorher nicht kannte, aber das war eben einer von Ich weiß nicht hunderttausend Podcast ist. Mittlerweile gibt.
Prof. Tsambikakis 0:34:21
Die in das schrecklichste Verbrechen, dass es in dem Ort gab, in dem ich groß geworden, wenn das er sich selbst verteidigt, deshalb braucht sich hin Pott Gas dann nachher nicht. Das war auch ein Mord Vorwurf, 11 Gut also es war unstreitig, dass 11 Mann seine Frau erschossen hat und ansonsten höre ich das aber nicht nehmen, das auch nicht wirklich wahr. Ich man dafür bin ich, glaube ich auch zu professionell, an vielen Sachen einfach dran, die ich dann auch auch kenne, das ist auch manchmal vielleicht von für Außenstehende nicht so leicht nachvollziehen nachzuvollziehen. Mein Vater zum Beispiel, der schneidet mir immer noch aus der Zeit und so bestimmte Sachen aus, wenn das hat oder es aber 11 wichtiges Gerichtsurteil in Strafsachen erschienen. Ich weiß, das sagt auch am Anfang mit Papa, ich kenn das doch alles, aber dann sei es nicht jetzt seid mal also paar Dankes entspannt. Worum ging es denn da? Und da ist mir das erklären und, und, und dann ist gut, aber man kriegt natürlich die wesentlichen Sachen mit, und ich glaube, dass weder Matthias noch mir ins versucht werden, Etwas In BGH st erscheint das so völlig an uns vorbei gehen sollte, aber ich kann mir vorstellen, dass wenn man Super Formate draus machen kann, dass das Sachen sind die Menschen seit Ewigkeiten faszinieren ist ja auch auf völlig klar und wer liest nicht auch gerne guten Krimi oder so? Also das, und wenn das dann noch den Beigeschmack, das wissen wir auch, wenn wir im Film gucken da steht, das basiert auf einer wahren Geschichte, ist das, er trägt noch mal viel aufregender.
Prof. Tsambikakis 0:38:55
Das trägt auch dazu bei, dass um das Gefühl der Verunsicherung in der Gesellschaft einfach weiter wächst, obwohl es dazu jedenfalls aus rein strafrechtlicher Sicht relativ wenig bis keinen Anlass zu gibt. Es gab ganz lange ein sinkende Zahlen der Kriminalstatistik und trotzdem wurde der Eindruck ermittelt das oder vermittelt, das ist aber alles viel, viel schlimmer wird und, weiß nicht, wann ich meine. Auch Journalisten tun der Gesellschaft damit jedenfalls keinen Gefallen. Es ist natürlich so eine Zeit lang habe ich das für mich so erklärt. Liegt es halt daran, dass einfach Informationen sehr viel zugänglicher geworden sind? Also wenn ich als Jugendlicher hier, in Köln groß geworden bin, dann habe ich nicht unbedingt mitbekommen wenn irgendwo im Emsland, 11 Mädchen verschwunden ist oder so wurde ich aber heute auf 100 Kanälen mitbekommen und dann, dann kommt es einem vielleicht auf einmal viel, viel drastischer Form an. Sag mal, oh, das habe ich letztes Jahr, oder war es vor zwei oder vor drei Jahren schon mal gehört? Aber die absoluten Zahlen sind eigentlich gar nicht so erschreckend, und das, glaube ich, hat sich jetzt alles so ein bisschen eingependelt, dass man sagt Okay, egal wo was passiert. Das kriegt meine Zeit einfach mit 100 facher so serviert und jetzt ist halt in die nächste Stufe, dass man natürlich um Aufmerksamkeit zu erringen, immer noch einen drauf setzen muss. Wie gesagt, das ist vielleicht auch bei vielen Dingen auch völlig egal, meine ich in der gesellschaftlichen Auswirkungen ich verstehe auch wenn man das nächste Spiel des Ersten FC Köln am Preisen Fildern bietet sich natürlich an zu sagen, wie sensationell das ist und alles, Dagewesene in den Schatten stellen wird. Aber das schadet Teil gesellschaftlich nicht, während es bei den Dingen rund um Strafrecht schwierig sein kann, weil es auch Bevölkerungsgruppen stigmatisieren kann, weil es alles Mögliche, sehr schädliche beiträgt. Zu zu einer Unsicherheit meine ich.
Prof. Tsambikakis 0:41:23
Das wirkt sich ganz gravierend aus und muss unbedingt beachtet werden. Deshalb ist es auch Thema. Deshalb ist auch die die leistung, die die strafverteidigerin oder der strafverteidiger zu erbringen hat, noch komplexer geworden, als es vorher war, weil wir mittlerweile nicht nur eine, welches aufgreifen darf, die idee vom anfang des podcast es eine geschichte beispielsweise dem gericht präsentieren möchte, nämlich dass es anders war und das ansprechend gestalten wollen, sondern wir müssen das auch die, medien gegenüber tun, dort steht man häufig unter einem ganz anderen Druck. Rechtlich bin ich häufig ganz komfortabel in der Lage zu sagen also hier sagen wir mal erst mal gar nichts zusammen gucken uns das alles anders, auch unser gutes recht und selbst wenn ein Richter dazu darüber die Stirn rund zu und sagen na ja, also wenn man nichts zu verbergen hätte könnte man ja versagen, gut, sehr mehr grad darüber belehrt, dass er nix sagen muss. Also da ist der kommt man berg, da kann man irgendwie gut mit umgehen, aber der Druck in den Medien nicht darauf zu antworten, ist ein ganz anderer. Und ich glaube, dass das ein Teil der verteidigungs Kunst einfach ausmacht, auch damit umzugehen und Ich glaube, auch Verteidiger haben gelernt. Also aus meiner Sicht sollten sie lernen, das ist sehr, sehr schwierig ist, dass man sehr vorsichtig sein muss, den Umgang mit den Medien, das sind aus meiner Sicht jedenfalls nicht die meisten. Also ich glaube da Gab's Lern Potenzial, was aber alle gelernt haben oder doch die allermeisten ist das einfach sozusagen ignorieren, an sich vorbei, gehen lassen ist halt nicht gut und man, macht sich ja vielleicht nach und nach auch ein bisschen presserechtlich schlauen am weiß, dass die Presse auch nicht völlig ignorieren kann, was man dazu sagt, wenn man was sagt und ein Mann ändert vielleicht 11 Geschichte nicht vollkommen, die ein Journalist schreiben möchte, aber, den Twist am Ende, das kann schon mal ein Unterschied sein, ob dann gesagt wird ja auch an. Auf Anfrage hat sich die Verteidigung dazu aber nicht geäußert. Oder seit der Die Verteidigung hat noch mal betont, dass der alle Vorwürfe bestreitet der Beschuldigte und das auch im Gericht so erweisen wird, dass sich Geschichte ändert. Anders.
Prof. Jahn 0:43:29
Also, um auf den Anfang zurückzukommen dabei unser zentraler Begriff des Narrativ Verteidigung muss eine Geschichte erzählen, die mindestens ebenso überzeugend ist wie die Geschichte der Staatsanwaltschaft, und es leuchtet jedem sofort ein Narrativ und das Schweigerecht des Beschuldigten als Basis Recht des Rechtsstaats, durch alle Zeiten und politischen Systeme hindurch. Das beißt sich. Das funktioniert nicht gut miteinander, sodass wir beobachten aus der Wissenschaft, dass diese, eigentlich als sicher Geglaubten probieren das, was wir als eiserne Ration des Rechtsstaats, mitbringen, in jedes Verfahren das Schweigerecht, die Unschuldsvermutung, die tatsache, dass es keine Beweislastumkehr im Strafverfahren geben darf. Zunehmend in Zweifel gezogen wird, und zwar nicht nur aus der ecke derjenigen, wo man das auch politisch vielleicht schon immer vermutet hat, sondern eben auch in den großen tageszeitung auf seite eins. In den Leitartikeln da wird gefragt warum haben wir denn bei geldwäsche keine beweislastumkehr, wo wir doch alle wissen? Die kriminellen clans beherrschen halb berlin? Warum sagt denn der angeklagte in diesem verfahren, wo es um einen politischen vorwurf geht? Warum sagt er denn nichts äußert sich doch auch sonst und hat sich vorher immer zu den Dingen geäußert. Warum sagt er denn nichts, diese Zumutungen, die im medialen Verstärker Kreislauf immer mehr an Bedeutung gewinnen. Die machen das Geschäft der Verteidigung heute zu einem anderen als in einem großen Abschnitt der letzten 40 Jahre, wo die, die Hoheit über die Frage Was ist eigentlich das Thema? Zu einem großen Teil noch bei den Verteidigerin und Verteidigern lag, die durch ihre. Rhetorische Kraft auch durch die Dominanz ihrer Persönlichkeiten es geschafft haben, gerade etwa in Wirtschaftsstrafverfahren die Szene zu beherrschen, und das wird zunehmend schwieriger in meiner Beobachtung, weil der Chor derjenigen, die von der Seite dazwischen schreien, ich würde fast sagen, krakeelen, nicht mehr so kanalisiert bar ist, wie das vielleicht in einem in einer Medien Struktur, Ende der 80 er, Anfang der 90 er Jahre noch möglich war und dass eine neue Entwicklung das ist für Strafverteidigung unkomfortabel. Und deshalb war es vielleicht auch der richtige Zeitpunkt, den wir gewählt haben, um diese Generation, sondern die Gründergeneration der neuen Deutsch Strafverteidigung noch mal zu Wort kommen zu lassen, um den Jüngeren mit auf den Weg zu geben, was dort an Erfahrungswissen gesammelt worden ist, in der Hoffnung, dass diese neue neue Generation der Strafverteidiger das Beste für sich daraus zu machen versteht.
Prof. Tsambikakis 0:46:37
Eine Ergänzung noch dazu also weil wir beide jetzt grad betont haben, wo die Schwierigkeiten für die Strafverteidigung liegt und das sieht tatsächlich, vor von großer Bedeutung sind und eine große Belastung, der der Presse Druck dann auch ist, aber wir dürfen soll nicht vergessen, wir enorm dieser Druck dann auf den jeweils Betroffenen aber lastet also, ich bin ja dann letztlich nicht persönlich angegriffen, nicht geht da nach Hause und kann deshalb mehr oder weniger schlecht irgendwie abstreifen. Aber wie geht es in den Betroffenen? Für die findet auch eine ganz neue Gewichtung statt, dass das Strafverfahren rückt fast in den Hintergrund. Ich nehm mal ein Beispiel Ich hatte ein Mandanten, den verteidigt hat einen Arzt wegen Abrechnungsbetrugs wären, das ist jetzt kein so außergewöhnlich fulminanter Vorwurf, dass das jetzt jeden vom Hocker hauen wurden. Der Republik hätte trotzdem auf Seite eins der Bild Zeitung geschafft mit einem Foto von sich, seine Ex Frau und seinen Kindern einfache warum muss das denn jetzt sein? Das lag daran, dass er hat eine sehr prominente Ex Frau hatte und mal in einer Bund oder gar leicht Weise setzt, sich mehr so eine Homestory gemacht hat, in der man sich schon offenbart. Hat mit Kindern und wie man lebt. Also das war also nicht einfach darum die presserechtlich ranzukommen hat sich halt in die öffentlichkeit begeben jetzt hat der natürlich furchtbar darunter gelitten. Die Kinder ja es reicht und auf einmal war dieser vorwurf und wie das strafverfahren ist Lauf wird von einem anderen von einem moment auf den anderen völlig egal, weil der tag begann mit dieser Bildberichterstattung zum zum selben Tag, und das war dann ein Verfahren, was über viele Jahre auch über den Gericht Bundesgerichtshof mit zurück Verweisung allem drum und dran gezogen hat. Der Mann sei am Ende freigesprochen worden. Auch völlig zu Recht aus meiner Sicht. Darüber wurde nie mehr berichtet, darüber wurde nie mehr Bericht, und er hat vielmehr unter der Presseberichterstattung damals gelitten als unter dem Verfahren selbst. Hatte sagt OK werden Strategie. Mein Anwalt hat mir erklärt, wie wir das machen. Der füllte sich gut und sicher, aber vor dieser Berichterstattung konnte ich den überhaupt nicht schützen.

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