Inhaltsüberblick
Equity vs. Non-Equity Partner: Zwei Modelle, unterschiedliche Realitäten
Die Partnerschaft in einer Kanzlei ist nicht gleich Partnerschaft. Hinter dem Titel verbergen sich fundamental unterschiedliche Beteiligungsmodelle, die sich in Einkommen, Mitspracherecht und unternehmerischem Risiko erheblich unterscheiden. Wer den Partner Track anstrebt, sollte die Unterschiede zwischen Equity und Non-Equity Partnerschaft früh verstehen.
Was unterscheidet Equity von Non-Equity?
Der zentrale Unterschied liegt im Eigentumsanteil an der Kanzlei. Equity Partner sind Miteigentümer und tragen unternehmerisches Risiko – profitieren dafür aber auch direkt vom Gewinn der Kanzlei. Non-Equity Partner hingegen erhalten in der Regel ein festes Gehalt, möglicherweise ergänzt um einen variablen Bonus.
- Equity Partner: Kapitaleinlage erforderlich, Gewinnbeteiligung, Stimmrecht bei strategischen Entscheidungen, volles unternehmerisches Risiko
- Non-Equity Partner (Salary Partner): Kein Eigenkapital, fixes Gehalt mit Bonuskomponente, begrenztes Mitspracherecht, geringeres Risiko
- Assoziierter Partner: Häufig eine Vorstufe zur Equity-Partnerschaft mit erster unternehmerischer Verantwortung
Die Rolle des Assoziierten Partners als Vorstufe zum Equity Partner wird in Episode 347 detailliert beleuchtet. Der Unterschied zum Counsel-Modell ist dabei entscheidend für die langfristige Karriereperspektive.
Finanzielle Implikationen
Die finanziellen Unterschiede können erheblich sein. Equity Partner in Großkanzleien verdienen oft ein Vielfaches dessen, was Non-Equity Partner erhalten – tragen dafür aber auch das Risiko wirtschaftlich schwacher Jahre. Die Kapitaleinlage, die bei Eintritt in die Equity-Partnerschaft fällig wird, kann je nach Kanzlei zwischen 100.000 und mehreren Millionen Euro betragen.
In Episode 353 wird deutlich, wie sich das Ownership-Denken eines Equity Partners von der Angestelltenmentalität unterscheidet und welche Konsequenzen das für den Kanzleialltag hat.
Entscheidungsmacht und Einfluss
Equity Partner haben üblicherweise volles Stimmrecht in der Partnerversammlung und bestimmen über strategische Fragen wie Neueinstellungen, Standorterweiterungen und Gewinnverteilung mit. Non-Equity Partner sind hier oft nur beratend eingebunden oder haben gar kein Stimmrecht.
Dieser Unterschied wirkt sich auch auf die Führungskultur aus: Wie Episode 352 zeigt, braucht gute Führung in Kanzleien eine klare Legitimation – und die unterscheidet sich je nach Partnerschaftsmodell.
Welches Modell passt zu wem?
Die Wahl zwischen Equity und Non-Equity hängt von den persönlichen Prioritäten ab:
- Für Equity: Wer unternehmerisch denkt, höheres Einkommen anstrebt und strategischen Einfluss ausüben möchte
- Für Non-Equity: Wer finanzielle Planbarkeit bevorzugt, weniger Risiko eingehen und sich stärker auf die fachliche Arbeit konzentrieren möchte
- Als Zwischenschritt: Viele nutzen die Non-Equity-Position als Einstieg, um später in die Equity-Partnerschaft aufzusteigen
Internationale Kanzleien differenzieren zunehmend zwischen Local und Global Equity Partnern, was die Modelle weiter auffächert. Ein Wechsel von der Kanzlei in die Rechtsabteilung, wie in Episode 342 beschrieben, stellt eine weitere Alternative dar, wenn keines der Partnerschaftsmodelle den eigenen Vorstellungen entspricht.
Fragen & Antworten
15 Antworten aus Podcast-Episoden
Ich wollte eine Marke, die unabhängig von einzelnen Partnernamen bleibt. Darum beauftragten wir eine Agentur mit A-Namen, damit wir alphabetisch stets oben erscheinen. „ARQIS“ klang international, löste in keiner Sprache peinliche Assoziationen aus und passt zu unserem Logo – eine Brücke, weil wir Geschäftspartner sowie Deutschland und Japan verbinden. So bleibt die Kanzlei zukunftsfähig, selbst wenn Gründer ausscheiden.
Aus Episode #353
IMR353: Managing Partner & Senior Partner, Ownership und Unternehmermindset, Big Law Boutique, Kanzleiwachstum seit 20 Jahren, Karrierechancen bis Tokio
mit Dr. Shigeo Yamaguchi
Das sagen unsere Experten
„Der Schritt zum Equity Partner ist vor allem ein Mindset-Wechsel. Man hört auf, wie ein Angestellter zu denken, und beginnt, wie ein Unternehmer zu handeln – mit allen Konsequenzen, die das mit sich bringt.“
„Die Vorstufe des Assoziierten Partners gibt beiden Seiten Sicherheit: Die Kanzlei kann beobachten, ob der Kandidat unternehmerisch denkt, und der Kandidat kann prüfen, ob die Equity-Partnerschaft wirklich das Richtige ist.“
„Gute Führung in der Kanzlei braucht Legitimation. Als Equity Partner trägt man nicht nur Verantwortung für Mandate, sondern auch für die strategische Ausrichtung der gesamten Organisation.“
„Der Wechsel von der Kanzlei in die Rechtsabteilung kann eine bewusste Entscheidung gegen das Partnerschaftsmodell sein – und trotzdem eine Karriere auf höchstem Niveau ermöglichen.“
„Rechtsschutzversicherer managen Partnerkanzleien-Netzwerke mit tausenden Kanzleien. Das zeigt: Partnerschaft ist nicht nur ein internes Thema, sondern hat direkte Auswirkungen auf die Marktposition.“
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
8 relevante Podcast-Folgen
IMR Spotlight: Dr. Heike Weber, Allen & Overy, Steuerrecht, Frankfurt (Steuerrecht, Private Equity, Immobilienwirtschaft)
mit Dr. Heike Weber
IMR Spotlight: Dr. Heike Weber, Allen & Overy, Steuerrecht, Frankfurt (Steuerrecht, Private Equity, Immobilienwirtschaft)
IMR353: Managing Partner & Senior Partner, Ownership und Unternehmermindset, Big Law Boutique, Kanzleiwachstum seit 20 Jahren, Karrierechancen bis Tokio
mit Dr. Shigeo Yamaguchi
In der 353. Episode von IMR sind Dr. Shigeo Yamaguchi und Dr. Friedrich Gebert von ARQIS zu Gast. Shigeo ist Gründungspartner und heute Senior Partner der Kanzlei, Friedrich ist Managing Partner und Leiter der Fokusgruppe Regulatory. Im Gespräch berichten sie von der Entwicklung der Kanzlei seit der Gründung 2006, dem Wachstum von rund 20 auf über 200 Mitarbeitende und dem Anspruch, als Big Law Boutique Exzellenz mit klarem Fokus zu verbinden. Die beiden geben Einblicke in den Aufbau neuer Praxisbereiche, in strategische Entscheidungen innerhalb der Partnerschaft und in die Neuaufstellung der Kanzleiführung mit einem Senior Partner für Strategie und einem Managing Partner für das operative Geschäft. Was bedeutet es konkret, eine Big Law Boutique zu sein? Wie entstehen Fokusgruppen und warum ist unternehmerisches Denken für Anwältinnen und Anwälte zentral? Welche Rolle spielen Ownership und Mindset für den Berufseinstieg? Wie gelingt nachhaltiges Wachstum ohne starre Umsatzvorgaben? Und wie positioniert sich eine Kanzlei zwischen Spezialisierung und Transaktionsstärke? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
IMR352 (x Bucerius CLP): Gute Führung und AI, AI Adoption, Scientist Mindset, kritisches Denken in Zeiten von KI
mit Prof. Dr. Madeleine Bernhardt
Die 352. IMR-Episode erscheint erneut gemeinsame mit der Bucerius Law School (Center on the Legal Profession / Bucerius Legal Innovation Hub). Zu Gast ist Prof. Dr. Madeleine Bernhardt und wir diskutieren gemeinsam, warum AI nicht nur ein Technologiethema ist, sondern vor allem ein Führungsthema. Es geht um die Frage, wie Kanzleien und Rechtsabteilungen AI sinnvoll implementieren und welche Rolle Emotionen, professionelle Identität und psychologische Sicherheit dabei spielen. Welche Auswirkungen hat es, dass Menschen KI-Systemen Absichten und Emotionen zuschreiben? Wie verändert sich kritisches Denken, wenn Chatbots Entwürfe bestätigen oder scheinbar objektiv Feedback geben? Und wie gelingt AI-Adoption in Partnerschaften mit unterschiedlichen Zukunftsbildern und Machtstrukturen? Anhand konkreter Beispiele aus dem Kanzleialltag erfahrt Ihr, wie Führungskräfte mit offenen Fragen, klaren Guardrails und einem Scientist Mindset Orientierung geben können. Viel Spaß!
IMR347: Assoziierte Partner als Vorstufe zum Equity Partner, Unterschied zum Counsel, Internal Investigations, Presserecht und Glaubensgemeinschaften
mit Julian Leucht
In der 347. Episode von IMR spricht Marc mit Hanna Wiedenhaus und Julian Leucht, jeweils Associated Partner bei Esche Schümann Commichau in Hamburg. Beide berichten von ihren persönlichen Wegen ins Jurastudium, ihren Stationen im Referendariat und ihren bewussten Entscheidungen für die Anwaltschaft. Im Mittelpunkt stehen ihre heutigen Tätigkeiten: Hanna gibt Einblicke in das Vertriebs-, Kartell- und Compliance-Recht sowie in die Praxis von Internal Investigations, während Julian das Presserecht, Meinungsfreiheit und die rechtliche Begleitung sensibler Veröffentlichungen erläutert. Gemeinsam diskutieren sie die besondere Rolle multidisziplinärer Kanzleien, den Umgang mit unternehmerischer Verantwortung und die Bedeutung von Grundrechtsabwägungen im anwaltlichen Alltag. Außerdem erklären sie das Karrieremodell des Associated Partners als Zwischenschritt zur Partnerschaft und reflektieren, welche Erwartungen sie an den juristischen Nachwuchs haben. Wie laufen Compliance-Untersuchungen konkret ab? Welche Herausforderungen bringt das Presserecht in sensiblen Fällen mit sich? Wie unterscheidet sich der Associated Partner vom Counsel und Equity Partner in einer Kanzlei? Und was macht eine gute Vorbereitung auf die (Equity) Partnerschaft aus? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
