"Der Regel-Dschungel ist riesig in Sachen ESG - und daher auch der Beratungsbedarf."

ESG | Öffentliches Recht | Auslandsstudium

Folge 234 deines Jura-Podcasts zu Job, Karriere und Examensthemen.

In Folge 234 von IMR ist Laura-Isabell Dietz zu Gast, Senior Associate im Düsseldorfer Büro von Clifford Chance. Laura berät im Energie- und Infrastruktur-Team, wobei einer ihre Schwerpunkte im öffentlichen Recht sowie auf ESG-Themen liegen. Warum ist sie Juristin geworden? Wie ergab sich ihr Weg zum Studium in Südafrika? Wie ist sie in einer der führenden Wirtschaftskanzleien gelandet? Worum geht es im Bereich der ESG-Compliance? Welche rechtlichen Herausforderungen treten in diesem Zusammenhang für Mandantinnen auf? Welchen Impact hat die Beratung tatsächlich? Antworten auf diese Fragen und viele weitere spannende Aspekte erfahrt Ihr in dieser kurzweiligen Folge von IMR. Viel Spaß!

Inhalt:

  • 00:00 Sponsor: Clifford Chance
  • 00:09 Einführung
  • 05:15 Studienverlauf und Wendepunkt
  • 07:00 Überwindung und Motivation im Studium
  • 08:16 Entwicklung im Examensverlauf
  • 09:24 Nach dem Examen: Der Weg zum LLM
  • 10:32 Erfahrungen im Ausland: Leben in Kapstadt
  • 11:42 Kulturschock und neue Perspektiven
  • 14:32 Rückkehr und Entscheidung für das Referendariat
  • 19:10 Die Entdeckung des Traumjobs
  • 25:20 Die Verknüpfung von Umwelt und Menschenrechten
  • 27:23 Die Umsetzung von ESG-Regelungen in Unternehmen
  • 31:47 Unterstützung bei der Implementierung von Maßnahmen
  • 33:38 Die Fax-Odyssee: Eine unerwartete Herausforderung

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Transkript


Laura-Isabell Dietz 0:00:19
Hi.
Marc Ohrendorf 0:01:11
Woher? Ja?
Laura-Isabell Dietz 0:01:12
Das weiß ich gar nicht. Also wir waren tatsächlich mit der Schule irgendwann mal bei so einer Uni-Besichtigung und da bin ich in einer Jura-Vorlesung gelandet, im öffentlichen Recht tatsächlich. Und irgendwie habe ich gedacht, das klingt interessant, das mache ich. Aber ich hatte nie eine Vorstellung davon, was ich damit machen will. Ich dachte einfach nur, es klingt interessant und ich schaue mal, ob es auch wirklich Spaß macht, ob ich überhaupt schaffe, ob das was ist. Ja, was ich mir vorstellen kann und genau, hatte mich dann aus Amerika schon für mehrere Unis beworben und bin dann eben, genau, habe dann 2011 an der Uni Trier angefangen, konnte da direkt so eine Fremdsprachenausbildung im angloamerikanischen Recht machen, was gerade ganz gut gepasst hat, weil ich ja gerade aus Amerika kam und hatte von da an aber schon immer das Interesse am öffentlichen Recht. Also das kommt vielleicht daher, dass ich auch politisch und gesellschaftlich sehr interessiert bin. Das hat mir am meisten Spaß gemacht. Sieht man dann auch auf dem Zwischenprüfungszeugnis, dass zwar in der Summe dann ganz gut war, aber um vielleicht auch mal ein paar zu ermutigen, Zivilrecht 4, Strafrecht 9, Öffrecht war dann irgendwann bei 12, 13. Also man sieht, da waren schon ganz klar die Präferenzen. Hab mich dann wieder so ein bisschen hochgerissen. Und dann bin ich 2013 nach Bonn gewechselt, weil ich eben im Schwerpunkt Völker-, Europa- und Verfassungsrecht machen wollte. Das hat auch Spaß gemacht, aber ich hatte in dem Moment. Irgendwie habe ich das Jurastudium nicht mehr gefühlt. Also es hat mir so an sich keinen Spaß mehr gemacht. Ich wusste nicht, wo es hingehen soll. Ich habe es da nicht abgebrochen, weil ich einfach dachte, jetzt hast du schon vier Semester hinter dir, hat Zeit und Geld gekostet, jetzt machst du es irgendwie zu Ende. Aber ich habe da einfach keine Perspektive gesehen, weil das für mich alles so nicht greifbar war. Solche Fragen wie, was ist ein Verwaltungsakt, was ist eine Willenserklärung? Das war für mich einfach nicht das, was ich dachte, was es mal wird.
Laura-Isabell Dietz 0:08:26
Tatsächlich.
Marc Ohrendorf 0:09:40
Genau.
Laura-Isabell Dietz 0:12:40
Ja, tatsächlich. Ich weiß gar nicht mehr, in welchem Kurs das war, ging es plötzlich um Bestechung. Und da sind wir deutlich, natürlich, Bestechung, das geht überhaupt nicht. Das ist nicht, das darf nicht sein. Und im Grunde waren wir uns da, waren auch alle d'accord mit. Aber dann kamen Leute und meinten, naja, aber Laura ... Es gehört halt dazu und wenn du dein Infrastrukturprojekt hier, dein Miningprojekt jetzt irgendwie durchziehst, da musst du halt mal ein bisschen was locker machen. So ist halt das Leben. Und das ist mir immer im Gedächtnis geliebt, den Kellner oder die Kellnerin im Restaurant tippst du doch auch, wenn die gute Arbeit macht. Und ich glaube, es war einfach nicht so, dass es alle gut fanden, aber es war einfach so, dass man gesagt hat, die Lebensrealität ist hier eine ganz andere. Und da saß ich da und dachte, um Gottes Willen, um Gottes Willen. Und unsere Dozentin wollte so ein bisschen vermitteln und hat dann den anderen mal das Thema oder die Causa zu Gutenberg erklärt. Dass hier jemand sein Ministeramt verliert, wenn er in der Doktorarbeit eventuell da jetzt nicht ganz so sauber arbeitet. Und es war ein völliger Kulturschock für alle Seiten, weil die meinten, aber doch nicht wegen der Doktorarbeit. Und das hat mir aber auch mal gezeigt, also ich bin immer noch gegen Bestechung, das sage ich ganz klar, aber es hat mir auch einfach mal gezeigt, dass das Leben woanders sehr, sehr viel anders sein kann und die Lebensrealitäten halt anders sein können als hier bei uns im schönen Düsseldorf.
Laura-Isabell Dietz 0:14:30
Aber so, ja. Ja.
Laura-Isabell Dietz 0:17:35
Ich kann das ziemlich genau sagen. Das war im April 2019, beziehungsweise in meiner Anwaltstation. Und weil ich, also mit diesem, ich hatte dann immer meinen Fokus auf öffentliches Recht, Völkerrecht, Menschenrechtsschutz, habe ich ganz viel gemacht in der Uni. Dann eben diesen Master in Business and Human Rights und irgendwie haben mich immer alle belächelt. Also ich habe auch von ganz vielen Arbeitgebern in der Zeit gehört, mach doch lieber einen Master in Arbitration, damit kannst du was machen, was soll denn dieses Human Rights immer. Aber es hat mir Spaß gemacht, ich wollte das und habe mich dann auch nicht beirren lassen, obwohl ich sage, es war manchmal nicht einfach, wenn du das von allen Seiten hörst. Und habe mich dann auch natürlich ein bisschen umgeguckt, was da gibt, aber da gab es irgendwie nicht besonders viel in dem Bereich. Vielleicht habe ich auch falsch geguckt, ich weiß es nicht. Und ich bin dann im April 2019 auf die Veranstaltung Perspektive Wirtschaftskanzlei von eFellows gegangen und habe da dann, weil ich einfach mal gucken wollte, was gibt es so und hatte keine Erwartung und habe samstags morgens um neun meinen jetzigen Chef kennengelernt, den Thomas Fruland. Und ich weiß noch genau, wie er da rumblätterte in den Bewerbungsunterlagen und plötzlich stürzte und sagte, wie ein LLM in Private Law Human Rights. Und ich so, der nächste bitte, der mir jetzt sagt, was das soll. Und er sagte dann plötzlich zu mir, das ist ja klasse, ich wusste nicht, dass es sowas gibt. Ich baue gerade diese Praxisgruppe oder diesen Bereich bei Clifford in Deutschland auf. War selbst zu der Zeit junger Partner. Ja, und das war im Grunde genommen mein, zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.
Laura-Isabell Dietz 0:23:36
Also ich glaube, was man sagen kann, was bei uns ist, uns wird nicht langweilig, weil die EU, also gerade die EU, wirklich jeden, alle paar Monate sich wieder was Neues einfallen lässt, was super ist. Ich glaube, angefangen hat es ja alles so ein bisschen da mit 2011, mit so Soft Law, die UN Guiding Principles und ein bisschen Human Rights und da ging es halt darum, dass man gesagt hat, Unternehmen, ihr seid irgendwo auch in der Verantwortung, ja, es kann nicht nur in den Staaten liegen, so, wenn ihr in eurer Lieferkette, ich nenne mal das Beispiel Zwangsarbeit oder Kinderarbeit, das kann euch nicht kalt lassen. Da gab es dieses Soft-Law, hat sich nicht wirklich was geändert und dann fing das auf EU-Ebene an mit Konfliktmineralienverordnung, dass man gesagt hat, für bestimmte Konfliktmineralien müsst ihr eure Lieferkette jetzt maskieren, ihr müsst wissen, woher euer Gold zum Beispiel kommt. Und da ging das immer weiter. Irgendwann ging es dann auch im Bereich Batterien, kommt das jetzt wieder stärker. Vielleicht erstmal hat die EU lange debattiert, machen wir so eine Art Lieferkettengesetz. Das hat Deutschland zu lange gedauert und hat Deutschland gesagt, nö, wir machen jetzt Vorreiter. Global das erste generelle Lieferkettengesetz. Also nicht irgendwie fokussiert auf Konfliktmineralien oder bestimmte Batteriestoffe oder bestimmte Rohstoffe, Sondern Unternehmen, wenn ihr eine bestimmte Größe habt, dann seid ihr einfach, wenn ihr in Deutschland ansässig seid, dazu verpflichtet, bis zu einem gewissen Grad eure Lieferketten danach irgendwie abzuscannen, ob da menschenrechtliche Verletzungen sind und eben auch, dass neue umweltrechtliche Verletzungen sind. Die sich dann, weil man jetzt eben festgestellt hat, auch Umwelt ist verknüpft mit Menschenrechten. Wenn die Flüsse alle mit irgendwelchen Stoffen verunreinigt werden, wirkt sich das ja automatisch auf die Menschen aus. Und so gab es jetzt eben diese Verknüpfung. Und das war 2021, gerade als ich hier frisch angefangen hatte. Und die Unternehmen, für die war das natürlich, will ich sagen, Schock, aber sowas ähnliches zumindest, die dachten nicht plötzlich, um Gottes Willen, was müssen wir jetzt machen? Und da fing dann halt unsere Beratung an, das zählte viel direkt in meinen Berufseinstieg und es fing damals mit so einfachen Sachen an, wie können wir mal so eine Anwendungsbereichanalyse bekommen, was bedeutet das alles? Es liest sich erstmal leicht, das merkt man aber, so gesetzt wie sie halt immer sind, sind dann doch ausdehnungsbedürftig. So fing das an, dass wir wirklich mit unseren Mandanten, glaube ich, gewachsen sind.
Laura-Isabell Dietz 0:29:26
Das ist auch so. Also ich werde dir jetzt oder euch nicht sagen können, ich verändere hier die Welt. Ich sitze hier in meinem Büro, genauso wie das die Unternehmen halt auch machen, und kann nicht persönlich da hinreisen und sagen, so alle Kinder jetzt raus und ab in die Schule. Und ich glaube, es muss man sich auch bewusst sein, dass den Effekt, den man haben kann, dass der halt irgendwo auch seine Grenzen hat. Aber was wir eben machen können ist, ist, dass wir natürlich erst mal auch mit den Unternehmen zusammen, wir arbeiten ja wirklich sehr eng, das ist ja eine Beratung dann in dem Moment, mit den Unternehmen überlegen. Hat das Ganze, was hier vorgeworfen wird, überhaupt Hand und Fuß? Oft kommt ja dann irgendwas, wo man denkt, weiß ich selber nicht, was ich damit anfangen soll mit den drei Sätzen. Dass man sich das anguckt, dass man dann auch erstmal guckt, rechtlich, was müssen die Unternehmen jetzt machen? Weil zum Beispiel das Lieferkettengesetz gibt den Unternehmen da ja ganz klare Handlungsanweisungen, dass man erstmal guckt, was muss man damit machen. Und dann muss natürlich erstmal geguckt werden, wer ist überhaupt hier der Übeltäter, wo liegt die Verletzung. Und da ist es dann auch oft so, dass wir natürlich nicht vor Ort sind, aber wir zum Beispiel den Unternehmen auch, wir sind eine internationale Kanzlei, wir haben ein globales Netzwerk, wir haben erstmal überall selber Büros und ansonsten Partnerbüros, dass wir denen auch Leute vor Ort, sage ich mal, vermitteln können und sagen, hey, mit denen arbeiten wir öfters zusammen da habt ihr eine lokale Anwaltskanzlei, die da für euch vielleicht auch mal vorbeigucken kann und was wir natürlich dann auch machen ist, Oder was wir in einem Fall zum Beispiel auch gemacht haben, dass das Unternehmen hat dann mit der NGO, mit der Anwaltskanzlei vor Ort eben so einen Maßnahmenplan entwickelt, was können wir machen, was machen wir, wie regelmäßig machen wir die Überwachung und da sind wir dann eben auch ganz klar involviert und sagen, alle zwei Jahre reicht vielleicht nicht, macht eure Überwachung mal lieber, weiß ich nicht, alle drei Monate. Hatte oder eben auch den Unternehmen zu sagen, nein, es reicht jetzt nicht, wenn ihr ein Schreiben, nach, was weiß ich, wo auch immer die Verletzung ist, schickt und sagt, bitte aufhören mit der Verletzung, sondern ihr solltet jetzt schon das und das und das machen, nicht nur, weil es richtig ist, sondern weil es eben auch so im Gesetz steht. So, das ist unsere Aufgabe in solchen Bereichen.
Laura-Isabell Dietz 0:32:18
Ja, das ist bis heute meine absolute Horrorgeschichte. Und ich glaube wirklich ein Examensfall in der Praxis. Also das war natürlich cool, ich war ein halbes Jahr hier und ich dachte, wir machen eine Verfassungsbeschwerde. Ich dachte, das ist super, wow. Wow. Und ich langweile euch jetzt nicht mit den Details dieser Verfassungsbeschwerde, aber die musste halt raus. Fristwarend. Und das Bundesverfassungsgericht hatte zumindest damals kein Bär. Ich weiß nicht, wie es heute ist, aber zumindest damals, vor zweieinhalb Jahren ungefähr, gab es beim Bundesverfassungsgericht kein Bär. Das Ding, das musste gefaxt werden. Bin ganz ehrlich, ich habe nie wirklich Faxe bedienen müssen. Ich dachte auch immer, das müsste ich nehmen. So, das heißt, ich saß hier Freitagabend in der Kanzlei. Es war niemand mehr da. Die Sekretariate war nicht mehr selbst. Alle anderen AnwältInnen waren auch schon weg. Oder die meisten zumindest. Und dieses Fax ging nicht durch. Ich habe mir das vorher zeigen lassen. Man muss es genauso machen. Und ich habe eine Fehlermeldung nach der anderen bekommen. Und ich glaube wirklich über vier Stunden hinweg. Ich glaube, ich habe noch nie so geschwitzt oder auch geflucht wie an diesem Abend. Und ich glaube, nach viereinhalb Stunden kam dann endlich dieser Bericht. Ist jetzt angekommen, ist durchgegangen. Und ja, ich glaube, ich habe mich noch nie so auf mein Feierabendbier gefreut wie an diesem Tag. Ja, das war wirklich so ein Examenfall, wo man immer denkt, niemandem passiert das.
Laura-Isabell Dietz 0:34:12
Tschüss.

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