Inhaltsüberblick
Referendariat in Bremen: Das Wichtigste im Überblick
Bremen ist das kleinste Bundesland für das Rechtsreferendariat: Nur ca. 50 Referendare pro Durchgang bedeuten kleine AG-Gruppen, persönliche Betreuung und kurze Wege. Das 2. Staatsexamen wird zusammen mit Hamburg und Schleswig-Holstein über das Gemeinsame Prüfungsamt (GPA) abgelegt: 8 Klausuren (70 %), mündliche Prüfung (30 %). Die Unterhaltsbeihilfe ist mit 1.383,61 EUR brutto allerdings die niedrigste aller Bundesländer.
Bewerbung und Einstellung
Zuständig ist die Präsidentin des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Bremen (Am Wall 198, 28195 Bremen). Kontakt: referendare@oberlandesgericht.bremen.de, Tel: 0421 361-58602.
Es gibt zwei Einstellungstermine pro Jahr: 1. April und 1. Oktober. Die Bewerbungsfristen:
- Für den 1. April 2026: Bewerbungsschluss 17. Februar 2026
- Für den 1. Oktober 2026: Bewerbungsschluss 19. August 2026
Die Bewerbung erfolgt per E-Mail an referendare@oberlandesgericht.bremen.de oder postalisch.
Erforderliche Unterlagen:
- Bewerbungsschreiben mit Motivation
- Aussagekräftiger Lebenslauf
- Zeugnis der Ersten Juristischen Prüfung (beglaubigte Kopie)
- Weitere Zeugnisse und Nachweise
Bremen hat ca. 50 Plätze pro Durchgang (ca. 100 pro Jahr). Bei Kapazitätsüberschreitung gibt es ein Auswahlverfahren nach Leistung. Verspätete Bewerbungen werden nicht berücksichtigt.
Unterhaltsbeihilfe und Vergütung
Die Unterhaltsbeihilfe beträgt 1.383,61 EUR brutto (Stand: Februar 2025) und ist damit die niedrigste aller Bundesländer. Das Netto liegt bei ca. 1.150 bis 1.200 EUR (Steuerklasse I). Bremen verbeamtet nicht.
Familienzuschläge: Ehebezogener Teil 149,52 EUR, kindbezogener Teil 227,81 EUR für 1. und 2. Kind, 523,23 EUR für das 3. Kind. Kein Weihnachtsgeld.
Die Nebentätigkeit ist bis maximal 8 Stunden pro Woche erlaubt. Angesichts der niedrigen Vergütung ist das fast unverzichtbar. Immerhin sind die Lebenshaltungskosten in Bremen günstiger als in Hamburg.
Stationen und Ablauf
Das Referendariat dauert 24 Monate mit 5 Stationen:
- Zivilstation: 5 Monate (1. Station)
- Strafstation: 3,5 Monate bei StA oder Strafgericht
- Verwaltungsstation: 3,5 Monate bei Verwaltungsbehörde oder Verwaltungs-/Finanz-/Sozialgericht
- Anwaltsstation: 9 Monate bei Rechtsanwalt
- Wahlstation: 3 Monate im gewählten Schwerpunktbereich
Jede Pflichtstation beginnt mit einem 3-wöchigen Einführungslehrgang (ca. 4 Unterrichtsstunden täglich). Die kleine Referendarzahl (ca. 50 pro Durchgang) ermöglicht eine besonders persönliche Betreuung in den Arbeitsgemeinschaften.
Als Stadtstaat bietet Bremen kurze Wege: Alle Gerichte und Behörden sind schnell erreichbar.
2. Staatsexamen in Bremen
Das 2. Staatsexamen wird vom Gemeinsamen Prüfungsamt (GPA) der Länder Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein organisiert. Die Prüfungsstruktur:
- Klausuren: 8
- Gewichtung schriftlich: 70 %
- Gewichtung mündlich: 30 %
- Aktenvortrag: Ja, ca. 8 % der Gesamtnote
- Prüfungsgespräche: ca. 22 % der Gesamtnote
Die Prüfung ist identisch mit Hamburg und Schleswig-Holstein. Die Gewichtung innerhalb der mündlichen Prüfung ist durch die GPA-Übereinkunft standardisiert.
Rechtsgrundlage: GPA-Übereinkunft (2005)
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Besonderheiten in Bremen
- Kleinstes Referendariats-Programm: Nur ca. 50 Referendare pro Durchgang bedeuten sehr kleine AG-Gruppen und individuelle Betreuung.
- GPA mit Hamburg und SH: Identische Prüfung wie in Hamburg und Schleswig-Holstein.
- Persönliche Atmosphäre: Kurze Wege, überschaubare Strukturen, direkter Kontakt zu Ausbildern.
- Niedrigste Unterhaltsbeihilfe: 1.383,61 EUR brutto; Nebentätigkeit (bis 8 Std./Woche) ist fast notwendig.
- 3-wöchige Einführungslehrgänge: Zu Beginn jeder Pflichtstation.
Erfahrungen und Tipps
Kleine Gruppen nutzen: Die geringe Referendarzahl ist ein echter Vorteil. Du bekommst mehr persönliche Aufmerksamkeit von den AG-Leitern als in Großstädten mit hunderten Referendaren.
Hamburg-Nähe: Bremen liegt nur eine Stunde von Hamburg entfernt. Für die Anwalts- und Wahlstation kannst du auch Hamburger Kanzleien in Betracht ziehen.
Finanzplanung: Mit der niedrigsten Unterhaltsbeihilfe musst du gut kalkulieren. Die günstigeren Mieten im Vergleich zu Hamburg helfen, und die erlaubte Nebentätigkeit (8 Std./Woche) solltest du nutzen.
Mehr im Referendariat Guide und zur 2. Staatsexamen Vorbereitung.
Fragen & Antworten
3 Antworten aus Podcast-Episoden
Die Unterhaltsbeihilfe in Bremen beträgt 1.383,61 EUR brutto (Stand: Februar 2025) und ist damit die niedrigste aller Bundesländer. Das Netto liegt bei ca. 1.150 bis 1.200 EUR. Eine Nebentätigkeit (bis 8 Stunden/Woche) ist dringend empfehlenswert.
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
