Inhaltsüberblick
Referendariat in Niedersachsen: Das Wichtigste im Überblick
Niedersachsen hat ein eigenes Prüfungsamt (kein GPA-Land) mit einer starken Gewichtung der mündlichen Prüfung: 40 % statt der üblichen 30 %. Der Aktenvortrag zählt 12 % der Gesamtnote, was überdurchschnittlich hoch ist. Die Unterhaltsbeihilfe liegt bei 1.531,72 EUR brutto (kein Beamtenstatus seit 2001). Mit drei OLG-Bezirken (Braunschweig, Celle, Oldenburg) und vier Einstellungsterminen pro Jahr bietet Niedersachsen regionale Vielfalt von der Küste bis zum Harz.
Bewerbung und Einstellung
Zuständig sind die drei Oberlandesgerichte Braunschweig, Celle und Oldenburg. Du bewirbst dich beim OLG, in dessen Bezirk du das Referendariat absolvieren möchtest.
Es gibt vier Einstellungstermine pro Jahr: Anfang März, Juni, September und Dezember. Die Bewerbungsfrist liegt 5 bis 2 Monate vor dem Einstellungstermin (z. B. für den 1. Juni: Bewerbung vom 1. Januar bis 31. März).
Die Bewerbung ist ein Hybrid-Verfahren: Du füllst ein Online-Formular beim jeweiligen OLG aus. Zusätzlich musst du den Vordruck "Anlage zur Online-Bewerbung" handschriftlich unterschrieben mit weiteren Unterlagen postalisch einsenden.
Erforderliche Unterlagen:
- Online-Bewerbungsformular (ausgefüllt)
- Vordruck "Anlage zur Online-Bewerbung" (handschriftlich unterschrieben)
- Beglaubigte Kopie des Zeugnisses der Ersten Juristischen Prüfung
- Tabellarischer Lebenslauf
- Geburtsurkunde
- Gesundheitserklärung
- Polizeiliches Führungszeugnis
Auswahlverfahren: Bis zu 10 % Härtefälle, bis zu 40 % nach Wartezeit, mindestens 60 % nach Leistung (Note 1. Examen). Wichtig: Die Ablehnung eines Platzes bei einem OLG führt zum Verlust aller Wartepunkte bei allen OLGs in Niedersachsen.
Ca. 460 bis 560 Referendare pro Jahr, verteilt auf die drei Bezirke.
Unterhaltsbeihilfe und Vergütung
Die Unterhaltsbeihilfe beträgt 1.531,72 EUR brutto (Stand: Februar 2025). Niedersachsen verbeamtet nicht (seit 2001). Das Netto liegt bei ca. 1.300 EUR. Die Vergütung ist unterdurchschnittlich im Bundesvergleich.
Stationen und Ablauf
Das Referendariat dauert 24 Monate:
- Zivilstation: 5 Monate bei ordentlichem Gericht
- Strafstation: 3 Monate bei Staatsanwaltschaft
- Verwaltungsstation: 3 Monate bei Verwaltungsbehörde
- Anwaltsstation: 9 Monate bei Rechtsanwalt
- Wahlstation: 4 Monate (länger als in den meisten Bundesländern)
Die 4-monatige Wahlstation ist eine Besonderheit und bietet mehr Flexibilität als die üblichen 3 Monate. Verpflichtende AGs mit Eingangslehrgängen begleiten alle Stationen. Das OLG Celle pilotiert seit September 2025 Online-AGs parallel zu Präsenz-AGs in der Zivilstation.
2. Staatsexamen in Niedersachsen
Niedersachsen hat ein eigenes Landesjustizprüfungsamt (kein GPA-Land):
- Klausuren: 8
- Gewichtung schriftlich: 60 %
- Gewichtung mündlich: 40 %
- Aktenvortrag: Ja, 12 % der Gesamtnote (überdurchschnittlich hoch)
- Prüfungsgespräche: 28 % der Gesamtnote
Die Durchfallquote lag 2023 bei 10,6 %, leicht unter dem Bundesdurchschnitt.
Rechtsgrundlage: § 14 NJAG
Berechne deine voraussichtliche Note mit unserem Notenrechner 2. Staatsexamen
Besonderheiten in Niedersachsen
- Eigenes Prüfungsamt: Kein GPA-Land; eigenständige Prüfung.
- Starke mündliche Gewichtung: 40 % (davon Aktenvortrag 12 % und Gespräche 28 %).
- 4-monatige Wahlstation: Mehr Flexibilität als in den meisten Bundesländern.
- Drei OLG-Bezirke: Braunschweig, Celle und Oldenburg mit unterschiedlichen Wartezeiten.
- Wartezeit-Falle: Ablehnst du einen Platz, verlierst du alle Wartepunkte landesweit.
- Online-AG-Pilotprojekt: OLG Celle bietet seit 2025 digitale AGs parallel zu Präsenz.
Erfahrungen und Tipps
OLG-Bezirk strategisch wählen: Braunschweig hat die kürzeste Wartezeit, Celle eine gute AG-Qualität und Oldenburg liegt nahe der Küste. Hannover fällt in den Bezirk Celle.
Aktenvortrag nicht unterschätzen: Mit 12 % der Gesamtnote hat der Aktenvortrag in Niedersachsen eine besonders hohe Gewichtung; die gezielte Vorbereitung lohnt sich.
Wahlstation nutzen: Die 4 Monate bieten dir mehr Zeit als in den meisten anderen Bundesländern. Nutze sie für einen Auslandsaufenthalt oder eine Station beim Wunscharbeitgeber.
Mehr im Referendariat Guide und zur 2. Staatsexamen Vorbereitung.
Fragen & Antworten
3 Antworten aus Podcast-Episoden
Die Unterhaltsbeihilfe in Niedersachsen beträgt 1.531,72 EUR brutto (Stand: Februar 2025). Niedersachsen verbeamtet seit 2001 nicht mehr. Das Netto liegt bei ca. 1.300 EUR.
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
