Inhaltsüberblick
Referendariat im Saarland: Das Wichtigste im Überblick
Das Saarland ist eines der kleinsten Referendariats-Programme in Deutschland: Nur ca. 35 Referendare pro Durchgang. Dafür bietet es einzigartige Vorteile: Nur 7 Klausuren im 2. Examen (weniger als fast alle anderen Bundesländer), zwei Anwaltsstationen (insgesamt 10 Monate), 13 integrierte Probeklausuren in den ersten drei Stationen und die Möglichkeit eines LL.M. am Europa-Institut der Universität des Saarlandes neben dem Referendariat. Die Unterhaltsbeihilfe ist mit 1.431,60 EUR brutto allerdings die zweitniedrigste bundesweit.
Bewerbung und Einstellung
Zuständig ist das Ministerium der Justiz (nicht das OLG!) in Saarbrücken (Franz-Josef-Röder-Straße 17, 66119 Saarbrücken). Das ist eine Besonderheit: In allen anderen Bundesländern bewirbt man sich bei einem OLG oder Landgericht.
Es gibt zwei Einstellungstermine pro Jahr: 1. März und 1. September. Bewerbungsfristen:
- Für den 1. März: Bewerbungsschluss 15. Januar
- Für den 1. September: Bewerbungsschluss 15. Juli
Die Bewerbung erfolgt schriftlich an das Justizministerium. Es gibt kein Online-Portal.
Auswahl: Bis zu 10 % Härtefälle, 60 % nach Leistung, 40 % nach Wartezeit. Bei nur ca. 35 Plätzen pro Durchgang können Wartezeiten entstehen.
Unterhaltsbeihilfe und Vergütung
Die Unterhaltsbeihilfe beträgt 1.431,60 EUR brutto (Stand: Februar 2025) und ist damit die zweitniedrigste bundesweit (nur Bremen ist niedriger). Das Saarland verbeamtet nicht. Das Netto liegt bei ca. 1.180 bis 1.230 EUR.
Familienzuschläge: Ehebezogener Teil 144,77 EUR, kindbezogener Teil 145,50 EUR für 1. und 2. Kind, 707,26 EUR ab dem 3. Kind. 30 Urlaubstage pro Ausbildungsjahr.
Die günstigen Lebenshaltungskosten in Saarbrücken kompensieren die niedrige Vergütung teilweise.
Stationen und Ablauf
Das Referendariat dauert 25 Monate und hat eine besondere Struktur mit 6 Stationen (inklusive zwei Anwaltsstationen):
- Strafstation: 3 Monate (1. Station, mit 1-wöchigem Einführungslehrgang, 3 Probeklausuren)
- Zivilstation: 5 Monate (mit 4-wöchigem Einführungslehrgang, 5 Probeklausuren)
- Verwaltungsstation: 3 Monate (mit Einführungslehrgang, 5 Probeklausuren)
- Rechtsanwaltsstation I: 6 Monate (ab ca. 12. Monat)
- Schriftliche Klausuren: im 18. Monat
- Rechtsanwaltsstation II: 4 Monate (kann bei Notar, Unternehmen, Verband)
- Wahlstation: 3 Monate (auch an Uni Speyer oder Europa-Institut)
Besonderheiten: Das Saarland beginnt mit der Strafstation (anders als die meisten Bundesländer). Die 13 integrierten Probeklausuren in den ersten drei Stationen sind eine hervorragende Examensvorbereitung. Das Institut für Anwaltsrecht der Universität des Saarlandes organisiert Teile der Anwaltsausbildung mit speziell qualifizierten Ausbildern und vergibt ein Berufsrecht-Zertifikat (anerkannt von der Rechtsanwaltskammer).
2. Staatsexamen im Saarland
Das Saarland hat ein eigenes Prüfungsamt:
- Klausuren: 7 (weniger als fast alle anderen Bundesländer; nur Berlin und Brandenburg haben ebenfalls 7)
- Klausurenverteilung: 3 Zivilrecht, 1 Strafrecht, 2 Öffentliches Recht, 1 Wahlfach
- Gewichtung schriftlich: 70 %
- Gewichtung mündlich: 30 %
- Aktenvortrag: Ja, ca. 10 % der Gesamtnote
- Prüfungsgespräche: ca. 20 % der Gesamtnote
Nur 2 Klausurtermine pro Jahr: Februar und August. Die Durchfallquote lag 2023 bei 11,1 %, ungefähr Bundesdurchschnitt.
Rechtsgrundlage: § 26 JAG; § 33 JAO
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Besonderheiten im Saarland
- Nur 7 Klausuren: Weniger Klausurbelastung als fast alle anderen Bundesländer.
- Zwei Anwaltsstationen: Insgesamt 10 Monate, wie in BW einzigartig.
- Europa-Institut: LL.M. in European and International Law neben dem Referendariat möglich.
- Praktikumsplätze beim EuG: Für Saarland-Referendare bei europäischen Gerichten.
- Berufsrecht-Zertifikat: Kostenlos während des Referendariats (RAK-anerkannt).
- 13 Probeklausuren: Intensive integrierte Examenvorbereitung.
- Bewerbung beim Justizministerium: Einzigartig bundesweit.
- Nur ca. 35 Referendare pro Durchgang: Sehr persönliche Betreuung.
Erfahrungen und Tipps
Europa-Fokus: Die Nähe zu Frankreich und Luxemburg, das Europa-Institut und die Praktikumsmöglichkeiten beim EuG machen das Saarland ideal für Referendare mit europarechtlichem Interesse.
Kleine Gruppen: Die geringe Referendarzahl ermöglicht intensive Betreuung. Die 13 integrierten Probeklausuren sind ein erheblicher Vorteil gegenüber größeren Bundesländern.
Finanzplanung: Die zweitniedrigste Unterhaltsbeihilfe erfordert gute Planung. Die günstigen Lebenshaltungskosten in Saarbrücken helfen.
Mehr im Referendariat Guide und zur 2. Staatsexamen Vorbereitung.
Fragen & Antworten
3 Antworten aus Podcast-Episoden
Die Unterhaltsbeihilfe im Saarland beträgt 1.431,60 EUR brutto (Stand: Februar 2025), die zweitniedrigste bundesweit. Das Netto liegt bei ca. 1.180 bis 1.230 EUR. Die günstigen Lebenshaltungskosten in Saarbrücken kompensieren das teilweise.
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
