Inhaltsüberblick
Referendariat in Sachsen: Das Wichtigste im Überblick
Sachsen bietet die höchste Unterhaltsbeihilfe in ganz Deutschland: 1.795,10 EUR brutto. In Kombination mit den sehr günstigen Lebenshaltungskosten in Dresden, Leipzig und Chemnitz ergibt sich die beste Kaufkraft für Referendare bundesweit. Dazu kommt ein besonderes Ausbildungskonzept mit stationsbegleitenden Arbeitsgemeinschaften und einem kostenlosen Klausurenkurs. Im 2. Staatsexamen werden 8 Klausuren geschrieben, die Notenberechnung folgt einer besonderen Summenformel (Summe aller Noten geteilt durch 14). Es gibt keine Wartezeit.
Bewerbung und Einstellung
Zuständig ist das Oberlandesgericht Dresden (Ständehaus, Schlossplatz 1, 01067 Dresden). Kontakt: referendariat@olg.justiz.sachsen.de, Tel: 0351/446-1529.
Es gibt zwei Einstellungstermine pro Jahr: den 1. Mai und den 1. November. Die Bewerbungsfristen lauten:
- Für den 1. Mai: Bewerbungsschluss 20. Februar (Posteingang beim OLG Dresden)
- Für den 1. November: Bewerbungsschluss 31. Juli
Die Bewerbung erfolgt schriftlich per Post. Ein Bewerbungsformular steht auf der Website des OLG Dresden zum Download bereit. Du musst eine Präferenz für einen der drei Landgerichtsbezirke angeben: Chemnitz, Dresden oder Leipzig.
Erforderliche Unterlagen:
- Bewerbungsbogen (Download auf Website OLG Dresden)
- Lebenslauf
- Zeugnis der Ersten Juristischen Prüfung (beglaubigte Kopie)
- Personalausweis oder Reisepass (Kopie)
- Führungszeugnis
Keine Wartezeit, kein Auswahlverfahren: Sachsen bietet mehr Plätze als Bewerber vorhanden sind. Alle Bewerber werden aufgenommen.
Unterhaltsbeihilfe und Vergütung
Die Unterhaltsbeihilfe beträgt 1.795,10 EUR brutto (Stand: Februar 2025) und ist damit die höchste in ganz Deutschland. Sachsen verbeamtet seine Referendare nicht (öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis), sodass das Netto bei ca. 1.350 bis 1.400 EUR liegt.
Trotz des fehlenden Beamtenstatus ist Sachsen finanziell sehr attraktiv: Die sehr niedrigen Lebenshaltungskosten in Leipzig (Mieten ca. 8 bis 12 EUR/m²), Dresden und vor allem Chemnitz (6 bis 9 EUR/m²) sorgen dafür, dass die Unterhaltsbeihilfe für ein komfortables Leben reicht.
Stationen und Ablauf
Das Referendariat dauert 25 Monate:
- Zivilstation: 5 Monate bei ordentlichem Gericht
- Strafstation: 3 Monate bei Staatsanwaltschaft
- Verwaltungsstation: 4 Monate bei Verwaltungsbehörde oder Verwaltungsgericht
- Anwaltsstation: 9 Monate bei Rechtsanwalt
- Wahlstation: 3 Monate
Das besondere Ausbildungskonzept in Sachsen: Stationsbegleitende Arbeitsgemeinschaften in allen drei Kernfächern (Zivilrecht, Strafrecht, Öffentliches Recht) laufen durchgehend, auch während fachfremder Stationen. Dieses Konzept ist bei Referendaren sehr beliebt, weil es effektiv das Vergessen bekämpft.
Zusätzlich gibt es einen kostenlosen Klausurenkurs, in dem originale Examensklausuren aus den letzten Jahren geschrieben, bewertet und besprochen werden. Der Kurs findet alle zwei Wochen statt und ist eine hervorragende Examensvorbereitung.
Die drei Standorte: Dresden (Landeshauptstadt, kulturell reichhaltig), Leipzig (jung, dynamisch, wachsend) und Chemnitz (günstigste Mieten).
2. Staatsexamen in Sachsen
Sachsen hat eine besondere Berechnungsformel für die Gesamtnote:
- Klausuren: 8
- Berechnungsformel: Summe aller Einzelnoten geteilt durch 14
- Aufschlüsselung: 8 Klausurnoten + 1 Aktenvortragsnote + 4 Gesprächsnoten (einfach) + 1 Gesprächsnote doppelt (Wahlfach) = 14 Einheiten
- Effektive Gewichtung schriftlich: 8/14 (ca. 57,14 %)
- Effektive Gewichtung mündlich: 6/14 (ca. 42,86 %)
- Aktenvortrag: Ja, 1/14 (ca. 7,14 %)
- Prüfungsgespräche: 5/14 (ca. 35,71 %), wobei das Wahlfach-Gespräch doppelt zählt
Die mündliche Prüfung hat mit ca. 42,86 % eine der höchsten Gewichtungen aller Bundesländer. Das Wahlfach-Prüfungsgespräch zählt doppelt und macht damit 2 der 14 Einheiten aus.
Die Durchfallquote lag 2023 bei 10,5 %.
Rechtsgrundlage: §§ 47-49 SächsJAPO
Berechne deine voraussichtliche Note mit unserem Notenrechner 2. Staatsexamen
Besonderheiten in Sachsen
- Höchste Unterhaltsbeihilfe Deutschlands: 1.795,10 EUR brutto, kombiniert mit niedrigen Lebenshaltungskosten.
- Besondere Notenberechnung: Summe aller Noten geteilt durch 14 statt gewichteter Durchschnitt.
- Stationsbegleitende AGs: Durchgehender Unterricht in allen drei Rechtsgebieten, auch während fachfremder Stationen.
- Kostenloser Klausurenkurs: Original-Examensklausuren alle zwei Wochen, bewertet und besprochen.
- Keine Wartezeit: Mehr Plätze als Bewerber.
- Drei attraktive Standorte: Dresden, Leipzig und Chemnitz mit jeweils eigenem Charakter.
Erfahrungen und Tipps
Leipzig oder Dresden? Beide Städte bieten eine hohe Lebensqualität bei niedrigen Kosten. Leipzig ist jünger und dynamischer, Dresden kulturell und architektonisch beeindruckend. Chemnitz ist die günstigste Option und ideal, wenn du möglichst viel von der Unterhaltsbeihilfe sparen möchtest.
Klausurenkurs unbedingt nutzen: Der kostenlose Klausurenkurs mit Original-Examensklausuren ist ein enormer Vorteil, den Sachsen gegenüber anderen Bundesländern bietet. Nimm regelmäßig teil.
Mündliche Prüfung nicht unterschätzen: Mit ca. 42,86 % hat die mündliche Prüfung in Sachsen eine der höchsten Gewichtungen. Bereite den Aktenvortrag und die Prüfungsgespräche gezielt vor.
Mehr dazu im Referendariat Guide und zur 2. Staatsexamen Vorbereitung.
Fragen & Antworten
4 Antworten aus Podcast-Episoden
Sachsen zahlt die höchste Unterhaltsbeihilfe in ganz Deutschland: 1.795,10 EUR brutto (Stand: Februar 2025). Das Netto liegt bei ca. 1.350 bis 1.400 EUR. In Kombination mit den günstigen Lebenshaltungskosten in Dresden, Leipzig und Chemnitz ergibt sich die beste Kaufkraft aller Bundesländer.
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
