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Klausurtechnik im Staatsexamen: Tipps für bessere Noten

Meistere dein Staatsexamen mit der richtigen Klausurtechnik. Erfahre Tipps von Experten aus dem IMR-Podcast für Prädikatsnoten und Top-Karrieren.

1 Fragen beantwortet
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf · Aktualisiert Januar 2026

Inhaltsüberblick

Du stehst kurz vor dem Ersten oder Zweiten Staatsexamen und fragst dich, warum manche Kommilitonen trotz vermeintlich geringerem Lernaufwand am Ende die besseren Noten nach Hause bringen? Die Antwort ist in den meisten Fällen simpel, aber entscheidend: Es ist die Klausurtechnik im Staatsexamen. In über 300 Episoden von „Irgendwas mit Recht“ haben wir mit zahlreichen Top-Juristen, Partnern und Richtern gesprochen, und ein Thema zieht sich wie ein roter Faden durch alle Erfolgsgeschichten: Wer das Examen gewinnen will, muss nicht nur das Recht beherrschen, sondern vor allem wissen, wie man es unter Zeitdruck aufs Papier bringt.

Warum die Technik wichtiger ist als das reine Wissen

Viele Studierende und Referendare verfallen in den Fehler, sich in den Tiefen des materiellen Rechts zu verlieren. Sie kennen jede Mindermeinung zum Erlaubnistatbestandsirrtum, scheitern dann aber in der Klausur an der Zeitplanung oder einer unsauberen Schwerpunktsetzung. Wie Jan Hobus in Episode 209 eindrucksvoll schildert, ist der Übergang vom reinen Wissen zur Anwendung in der Klausur der Moment, in dem sich die Spreu vom Weizen trennt. Er betont, dass gerade in hochkomplexen Prüfungen wie dem Steuerberaterexamen – das in Sachen Zeitdruck dem juristischen Staatsexamen in nichts nachsteht – das Training der Klausurtechnik gegenüber dem klassischen Gutachtenstil an Bedeutung gewinnt.

Die 4 zentralen Erkenntnisse aus unseren Experten-Interviews:

  • Fokus auf das Zeitschema: Ohne ein striktes Zeitmanagement ist selbst das beste Wissen wertlos. Jan Hobus berichtet in Episode 209, dass er täglich Probeklausuren schrieb, um ein Gefühl für die Taktung zu bekommen. Wer nicht fertig wird, kann kein Prädikat erreichen.
  • Klausurtechnik vs. Gutachtenstil: Während im Studium der Gutachtenstil heilig ist, erfordert das Examen oft Mut zur Lücke und zur Schwerpunktsetzung. Es geht darum, Probleme zu erkennen und dort zu vertiefen, wo die Punkte liegen, anstatt Standardprobleme episch auszuwalzen.
  • Simulation unter Realbedingungen: Die Vorbereitung sollte so nah wie möglich an der echten Prüfungssituation liegen. Das bedeutet: 5 Stunden, kein Kommentar (oder nur die zugelassenen), kein Handy, kein Pausieren.
  • Die „Prädikats-Hürde“ als Motivator: Exzellente Klausurtechnik ist der Gatekeeper für die juristische Elite-Karriere. Wer in die Regionen von 140.000 € bis 180.000 € Einstiegsgehalt in einer Großkanzlei vorstoßen möchte, braucht das „Vollbefriedigend“. Dieses Ziel ist ohne technische Perfektion kaum erreichbar.

In diesem Guide führen wir Dich durch die wichtigsten Aspekte der Klausurtechnik, basierend auf den Erfahrungen unserer Podcast-Gäste und aktuellen Branchendaten. Wir zeigen Dir, wie Du Deine Vorbereitung optimierst, um am Tag X Dein volles Potenzial abzurufen.

Fragen & Antworten

1 Antworten aus Podcast-Episoden

Meine Kanzlei stellte mich drei Monate frei. In dieser Zeit absolvierte ich einen Präsenzkurs, schrieb täglich Probeklausuren und wiederholte Randgebiete wie Arbeitnehmerbesteuerung. Entscheidend war, Klausurtechnik statt Gutachtenstil zu trainieren und ein strenges Zeitschema einzuhalten. So konnte ich Berufserfahrung und Prüfungsvorbereitung erfolgreich verbinden.

IMR209: Vom Finanzbeamten zum Partner, Steuerberaterexamen, Wertschätzung für Referendare

Aus Episode #209

IMR209: Vom Finanzbeamten zum Partner, Steuerberaterexamen, Wertschätzung für Referendare

mit Jan Hobus

Das sagen unsere Experten

Experteneinblicke: Was Top-Juristen empfehlen

Die Arbeit an der eigenen Klausurtechnik ist ein Prozess, der weit über das Lesen von Lehrbüchern hinausgeht. Unsere Gäste im Podcast „Irgendwas mit Recht“ betonen immer wieder, dass die mentale und methodische Komponente oft unterschätzt wird. Besonders deutlich wird dies bei der Vorbereitung auf Spezialexamen oder das Zweite Staatsexamen.

„Entscheidend war, Klausurtechnik statt Gutachtenstil zu trainieren und ein strenges Zeitschema einzuhalten. So konnte ich Berufserfahrung und Prüfungsvorbereitung erfolgreich verbinden.“

Diese Analyse von Jan Hobus verdeutlicht einen kritischen Punkt: In der Praxis und in fortgeschrittenen Prüfungen rückt die Ergebnisorientierung in den Vordergrund. Während Du im Ersten Examen noch für einen sauberen Gutachtenstil belohnt wirst, musst Du später lernen, wo Du „Zeit sparen“ kannst, um die komplexen materiellen Probleme überhaupt bearbeiten zu können. Das bedeutet nicht, unsauber zu arbeiten, sondern die juristische Präzision dort einzusetzen, wo sie den größten Impact hat.

Ein weiterer Aspekt ist die Kontinuität. Wer erst drei Wochen vor dem Examen mit dem Klausurenschreiben beginnt, wird das nötige „Muscle Memory“ nicht aufbauen können. Die Experten sind sich einig: Das Schreiben von Probeklausuren ist die wichtigste Form des Lernens. Es schult nicht nur das Wissen, sondern vor allem die Fähigkeit, Sachverhalte schnell zu erfassen und rechtlich einzuordnen.

„In dieser Zeit absolvierte ich einen Präsenzkurs, schrieb täglich Probeklausuren und wiederholte Randgebiete wie Arbeitnehmerbesteuerung.“

Die Kombination aus theoretischem Input (Präsenzkurs) und unmittelbarer praktischer Anwendung (tägliche Klausuren) ist das Erfolgsrezept. Dabei ist auch der Umgang mit Randgebieten entscheidend. Oft entscheiden gerade die Punkte aus den „unbeliebten“ Gebieten darüber, ob man über die 9-Punkte-Schwelle rutscht oder knapp darunter hängen bleibt. Da Top-Arbeitgeber wie Milbank oder Kirkland & Ellis heute Gehälter von bis zu 180.000 € zahlen, ist die Investition in eine umfassende Technik-Vorbereitung auch ökonomisch die rationalste Entscheidung.

Zusammenfassende Handlungsempfehlung:

Beginne frühzeitig damit, mindestens eine Klausur pro Woche unter Realbedingungen zu schreiben. Analysiere Deine Fehler nicht nur inhaltlich, sondern frage Dich: Warum habe ich dieses Problem nicht gesehen? Habe ich zu viel Zeit mit der Einleitung verschwendet? Nur durch diese metakognitive Analyse Deiner Klausurtechnik wirst Du Dich stetig verbessern.

Vertiefung: Klausurtechnik Tipps im Detail

Um die Klausurtechnik im Staatsexamen wirklich zu meistern, muss man die Prüfung als das betrachten, was sie ist: Eine Leistungsprüfung unter extremem Zeitmangel. Hier sind die drei Säulen der fortgeschrittenen Klausurtechnik, die wir aus den Gesprächen mit Experten wie Jan Hobus in Episode 209 und der Branchenanalyse abgeleitet haben:

1. Die Sachverhaltsarbeit als Fundament

Die meisten Fehler passieren nicht bei der rechtlichen Subsumtion, sondern bereits beim Lesen des Sachverhalts. Eine exzellente Technik beginnt damit, den Sachverhalt nicht nur zu lesen, sondern zu sezieren. Markiere Daten, Personenbeziehungen und potenziell problematische Formulierungen. Jedes Wort im Sachverhalt hat eine Funktion. Wenn der Ersteller schreibt, dass jemand „hastig“ handelt, ist das ein Wink mit dem Zaunpfahl Richtung Fahrlässigkeit oder Verschulden.

2. Die Gliederung: Deine Roadmap zum Erfolg

Investiere ausreichend Zeit in eine detaillierte Gliederung. Viele Kandidaten beginnen nach 15 Minuten zu schreiben und merken nach zwei Stunden, dass sie sich in einer Sackgasse befinden. Experten empfehlen, bis zu ein Drittel der Zeit (ca. 90-100 Minuten bei einer 5-Stunden-Klausur) für die Durchdringung und Gliederung zu verwenden. Eine gute Gliederung enthält bereits alle wesentlichen Normen und die Entscheidung der Streitstände. Das eigentliche Schreiben ist dann nur noch das „Ausformulieren“ Deines Schlachtplans.

3. Strategische Schwerpunktsetzung

In einer Examensklausur gibt es „Standardprobleme“ und „Zusatzprobleme“. Die Standardprobleme musst Du schnell und sicher abhandeln. Hier darfst Du keine Zeit verlieren. Die gewonnenen Minuten investierst Du in die Probleme, die den Korrektor aufhorchen lassen – die Stellen, an denen Du zeigst, dass Du das System verstanden hast und nicht nur auswendig gelernte Definitionen wiedergibst. Wie Jan Hobus in Episode 209 betont, ist dies besonders im Steuerrecht oder in komplexen zivilrechtlichen Konstellationen der Schlüssel zum Erfolg. Wer jedes Problem gleich gewichtet, wird mit der Zeit nicht hinkommen und wertvolle Punkte liegen lassen.

Denk daran: Das Ziel ist nicht die perfekte wissenschaftliche Abhandlung, sondern eine vertretbare, gut begründete Lösung innerhalb der vorgegebenen Zeit. Mit dieser Einstellung und einer geschärften Klausurtechnik steht Deiner Karriere in der Justiz, einer Boutique oder einer Großkanzlei nichts mehr im Weg.

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.