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Jura-Staatsexamen: Vorbereitung, Strategien und Karrierewege

Erfahre alles zum Staatsexamen: Von Lernstrategien bis zu Karrieretipps. Experten-Insights aus über 300 Episoden des Podcasts 'Irgendwas mit Recht'.

30 Fragen beantwortet
30 Podcast-Episoden
23 Experten
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf · Aktualisiert Januar 2026

Inhaltsüberblick

Dein Weg durch das Staatsexamen: Mehr als nur Paragrafenreiten

Das Jurastudium gleicht für viele einem Marathon, dessen Zielgerade – das Staatsexamen – oft wie eine unbezwingbare Mauer erscheint. Du steckst mitten in der Vorbereitung oder stehst kurz vor der Entscheidung, wie du deine Examensphase gestalten willst? Dann bist du hier genau richtig. Bei "Irgendwas mit Recht" haben wir in über 300 Episoden mit den klügsten Köpfen der Rechtswelt gesprochen, um Licht ins Dunkel der Examensvorbereitung zu bringen. Das Staatsexamen ist nicht nur eine fachliche Prüfung, sondern eine psychische und physische Grenzerfahrung, die über Jahre hinweg deine berufliche Identität prägt.

Die psychische Hürde: Warum das Examen eine Ausnahmesituation ist

Viele Studierende fragen sich, warum der Druck im Examen so immens ist, selbst wenn die Probeklausuren gut liefen. Charlotte Schmitt-Leonardy erklärt in Episode 265, dass das Staatsexamen eine absolute Ausnahmesituation darstellt. Innerhalb von nur zwei Wochen entscheidet sich die berufliche Zukunft von Jahren. Diese Konzentration erzeugt existenzielle Ängste. Schmitt-Leonardy betont, dass es wichtig ist, diese Panik als normale Reaktion anzuerkennen. Wer versteht, dass die Angst dazugehört, kann sich schneller wieder auf die eigentliche Sacharbeit fokussieren. Ein praktischer Rat von ihr: Experimentiere kurz vor dem Examen nicht mit deinem Lebensstil – wer drei Tage vor den Klausuren versucht, mit dem Rauchen aufzuhören, tut sich keinen Gefallen Episode 265 ▶ 32:49.

Individuelle Lernstrategien statt Schema F

Ein häufiger Fehler in der Examensvorbereitung ist der Versuch, die Methoden anderer blind zu kopieren. Jens Milker unterstreicht in Episode 69, wie entscheidend es ist, den eigenen Lerntyp zu kennen. Während er selbst mit digitalen Karteikarten und häufigen Wiederholungen Erfolg hatte, speichern andere Informationen bereits nach dem ersten Lesen eines Schemas ab. Sein Rat: Zwinge dich nicht in fremde Methoden. Konzentriere dich auf die Basics und Standardprobleme, denn exotisches Spezialwissen kostet oft mehr Zeit, als es Punkte bringt. Für die mündliche Prüfung empfiehlt er zudem, aktuelle Rechtsprechungspodcasts zu hören, um Themen tagesaktuell einordnen zu können Episode 69.

Der Wert der Qual: Was das Examen für den Charakter bedeutet

Auch wenn die Kritik am Format laut ist, hat die harte Vorbereitungszeit auch positive Effekte auf die spätere Karriere. Petra Arends-Paltzer reflektiert in Episode 23, dass das Staatsexamen zu radikaler Selbstdisziplin zwingt. Zwei Jahre einsames Lernen und die Belastung von acht Klausuren am Stück prägen die Ausdauer. Diese Fähigkeit, komplexe Wissensberge unter hohem Druck strukturiert zu analysieren und verlässlich abzuliefern, ist eine Kernkompetenz, auf die Top-Juristen auch Jahrzehnte später bei komplexen Projekten oder technologischen Umbrüchen zurückgreifen Episode 23 ▶ 14:05.

Karriereentscheidungen: Erstes oder zweites Staatsexamen?

Die Frage, ob man nach dem ersten Staatsexamen direkt ins Referendariat startet oder alternative Wege geht, ist heute individueller denn je. Emily Büning berichtet in Episode 85, dass ihr Vorgesetzter sie davon überzeugte, das zweite Examen zu absolvieren, da man ohne diesen Abschluss oft als "halber Jurist" wahrgenommen wird. Das zweite Examen eröffnet langfristig einfach mehr Optionen, insbesondere im öffentlichen Dienst oder in reglementierten Berufen Episode 85 ▶ 12:18. Demgegenüber zeigt Willy Kleinoth in Episode 335, dass ein bewusster Verzicht auf das zweite Examen zugunsten einer frühen Spezialisierung in Bereichen wie Legal Innovation ein extrem spannender und erfolgreicher Karriereweg sein kann.

Fragen & Antworten

30 Antworten aus Podcast-Episoden

Entweder arbeite ich drei Jahre „effektiv und regelmäßig“ als europäische Rechtsanwältin in Deutschland und beantrage dann die Zulassung – oder ich absolvierte, wie ich, die Eignungsprüfung. Diese Prüfung entspricht dem anwaltlichen Teil des Zweiten Staatsexamens; ein Jahr intensive Vorbereitung reichte, um sie erfolgreich abzulegen. Wichtig: Der Weg steht nur Kolleginnen aus EU-Staaten offen.

IMR061: IT-Recht und Binationale Juristenausbildung | Interview Rechtsanwältin und Dozentin

Aus Episode #61

IMR061: IT-Recht und Binationale Juristenausbildung | Interview Rechtsanwältin und Dozentin

mit Zoi Michalopoulou

Das sagen unsere Experten

In unseren Interviews kommen immer wieder die strukturellen und persönlichen Herausforderungen des Examens zur Sprache. Hier sind die prägnantesten Erkenntnisse unserer Gäste, die dir helfen sollen, das System besser zu verstehen und deine eigene Strategie zu finden.

Das Staatsexamen fordert etwas von Ihnen ab, in diesen zwei Wochen fünfstündige Klausuren zu schreiben. Das ist eine psychische Belastung, die man anerkennen muss, um sie zu bewältigen.

Diese Analyse verdeutlicht, dass Fachwissen nur die halbe Miete ist. Die mentale Resilienz entscheidet oft darüber, ob man sein Potenzial in der Prüfungssituation tatsächlich abrufen kann. Es geht darum, die Nerven zu behalten, wenn die Klausur unerwartete Wendungen nimmt.

Also ich halte vom Staatsexamen leider gar nichts als Prüfungsformat. Es zwingt Studierende zum Fakten-Reproduzieren und Schnellschreiben per Hand, statt moderne Kompetenzen wie Teamarbeit oder digitale Recherche zu fördern.

Sven Störmanns Kritik trifft einen Nerv der Zeit. Viele Experten fordern eine Reform hin zu kompetenzorientierten Prüfungsformaten. Für dich bedeutet das: Sei dir bewusst, dass das Examen ein spezifisches Format bedient, das nicht unbedingt deine gesamte juristische Brillanz widerspiegelt, sondern eine sehr spezifische Prüfungssituation darstellt.

Ein einziges, hoch anspruchsvolles Examen, anonym und doppelt blind korrigiert – das wäre mein Modell. Wer die Grenze erreicht, besitzt die Befähigung für alle Berufe.

Die Diskussion um das "Einheitsjurist-Modell" und die Fairness der Korrektur ist allgegenwärtig. Jens Jeep plädiert für mehr Objektivität durch Doppelblindkorrekturen, um das sogenannte "Notenroulette" zu beenden. Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, sich nicht allein über die Examensnote zu definieren, da auch externe Faktoren eine Rolle spielen können.

Mein Vorgesetzter sagte klar: 'Mit nur einem Examen bist du halbe Juristin.' Das zweite Examen eröffnet langfristig mehr Optionen.

Trotz aller Kritik bleibt das zweite Staatsexamen der Goldstandard für die klassische juristische Karriere. Emily Bünings Erfahrung zeigt, dass die Entscheidung für das Referendariat oft eine Investition in die berufliche Flexibilität ist, auch wenn man später nicht unbedingt als Anwalt oder Richter arbeiten möchte.

Handlungsempfehlung der Experten

Zusammenfassend lässt sich sagen: Akzeptiere die psychische Belastung als Teil des Prozesses, finde deinen individuellen Lernrhythmus (z. B. mit Unterstützung durch Repetitorien wie die Kaiserseminare, siehe Episode 142) und entscheide dich bewusst für oder gegen das zweite Examen basierend auf deinen langfristigen Zielen, nicht aus einer bloßen Fluchtreaktion heraus.

Vertiefung: Staatsexamen allgemein im Detail

Wenn wir über das Staatsexamen sprechen, müssen wir auch über die harten Fakten der Bewertung und die damit verbundenen Karrierechancen sprechen. Ein zentrales Thema, das in der juristischen Ausbildung immer wieder für Zündstoff sorgt, ist die Vergleichbarkeit der Noten. Clemens Hufeld analysiert in Episode 237 das Phänomen des "Notenroulettes". Er weist darauf hin, dass massive Abweichungen zwischen Erst- und Zweitkorrekturen keine Seltenheit sind. Würden diese Schwankungen systematisch erfasst, hätten wir ein verfassungsrechtliches Problem hinsichtlich der Chancengleichheit Episode 237 ▶ 18:06. Dies führt dazu, dass viele Studierende sich durch zusätzliche Angebote wie die Kaiserseminare Episode 142 absichern wollen, um die methodische Sicherheit beim Klausurenschreiben zu maximieren.

Wirtschaftliche Perspektiven nach dem Examen

Das Staatsexamen ist das Tor zu den lukrativsten Stellen im Rechtsmarkt. Branchenaten zeigen, dass die Note zwar nicht alles ist, aber oft den Weg ebnet:

  • Großkanzleien: Hier liegen die Einstiegsgehälter 2024/2025 oft zwischen 140.000 € und 180.000 €. Oft werden hier zwei Prädikatsexamen oder zumindest ein "gut" im ersten Examen vorausgesetzt (siehe Max Lieb in Episode 68).
  • Öffentlicher Dienst: Der Einstieg als Richter oder Staatsanwalt (R1) bietet ca. 55.000 € bis 65.000 €, was aufgrund der Verbeamtung einem deutlich höheren Bruttogehalt in der freien Wirtschaft entspricht.
  • Unternehmen: Syndikusrechtsanwälte starten oft zwischen 65.000 € und 110.000 €, wobei ein Doktortitel oder ein LL.M. oft einen Gehaltsaufschlag von 10.000 € bis 15.000 € bringt.

Alternative Wege und Spezialisierungen

Nicht jeder muss den klassischen Weg gehen. Pascal Bayer zeigt in Episode 328, wie der Einstieg in ein kommunales Rechtsamt direkt nach dem zweiten Examen gelingen kann, was eine hohe Lebensqualität bei fairer Bezahlung bietet. Gleichzeitig verdeutlicht die Episode mit Willy Kleinoth Episode 335, dass gerade im Bereich Tech und Legal Innovation Praxiserfahrung oft schwerer wiegt als das bloße Vorhandensein des zweiten Examens. Letztlich ist das Staatsexamen ein Werkzeug – wie du es einsetzt, ob als Sprungbrett in die Großkanzlei oder als Fundament für eine spezialisierte Nische, bleibt deine individuelle Entscheidung.

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.

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mit Prof. Dr. Dr. h.c. Barbara Dauner-Lieb

Im Interview mit Prof. Dr. Dr. h.c. Dauner-Lieb zur Frage, was eine gute Lerngruppe für das Staatsexamen ausmacht. Wir sprechen darüber, warum der individuelle Lerntyp vielleicht gar nicht so entscheidend ist wie gutes Teamwork und – am Ende des Tages – harte Arbeit. Hört, inwieweit Ihr vom gegenseitigen Korrigieren Eurer Klausuren profitieren könnt und wie Euch klar strukturierte Vorgehensweisen beim Veranstalten Eurer Lerngruppe helfen. Ferner reflektieren wir über den Unterschied zwischen Lern- und Arbeitszeit und stellen die These auf, dass wir eigentlich besser von Arbeitsgruppen sprechen sollten. Schließlich warnen wir von potentiell unseriösen Angeboten mancher Jura-Coaches. Wir wünschen Euch viel Spaß mit der Folge und viel Erfolg für Euren nächsten Schritt.

IMR142: Kaiserseminare, Repetitorium, Examenstipps, Jura-Referendariat, Familienunternehmen
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IMR142: Kaiserseminare, Repetitorium, Examenstipps, Jura-Referendariat, Familienunternehmen

mit Jan Kaiser

In der heutigen Folge spricht Jan Kaiser über die Arbeit der Kaiserseminare als Repetitorium für das zweite Staatsexamen. Als kleines Unternehmen mit Bruder und Vater begonnen, ist das Familienunternehmen heute deutschlandweit bekannt und erfolgreich. Wie kommt man dazu, Seminare für die Vorbereitung auf das zweite Staatsexamen anzubieten? Wie wird daraus ein erfolgreiches Familienunternehmen? Warum lohnt es sich, ein Reptitorium für das zweite Examen zu besuchen? Welche Motivation hatten Jan und sein Bruder, nicht in klassischen juristischen Berufen, sondern als Repetitor tätig zu sein? Wie hat Corona das Geschäft verändert? Und was haben Juraklausuren mit Kinderbüchern gemeinsam? Außerdem diskutieren wir das zweite Staatsexamen ganz allgemein: Wie viele Klausuren solltet Ihr schreiben, um das Examen zu bestehen? Was braucht es für ein Prädikat – und wie bewahrt man bei all dem Examensdruck Ruhe? Wie hat sich die Examensprüfung in den letzten 20 Jahren gewandelt? Neben Antworten auf diese Fragen erhaltet Ihr von Jan die Top3-Examenstipps. Viel Spaß beim Anhören!

IMR010: Erfolgreich Verhandeln, Verhandlungstraining und Bonn Negotiators | Interview Student
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mit Thomas Stenshorn

Was macht einen erfolgreichen Verhandler aus und was bedeutet es, nach der Harvard-Methode zu verhandeln? Wie kann man bereits im Jurastudium lernen, sich im Berufsleben und dem Berufseinstieg durchzusetzen? Welche Rolle kann eine studentische Initiative in diesem Zusammenhang spielen? Ist all das auch neben der Vorbereitung auf das erste Staatsexamen und den Klausuren des Jura-Schwerpunkt möglich? Erfahrt dies in Episode 10 von Eurem Jura-Podcast im Gespräch mit Thomas Stenshorn und Maximilian Spitzley, Studenten an der Universität Bonn.

IMR068: Ein gutes Staatsexamen | Interview Executive Assistant
#68

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mit Max Lieb

Im Interview mit Max Lieb zur Frage, wie man ein buchstäblich "gutes" erstes juristisches Staatsexamen schaffen kann. Wir diskutieren über den Sinn von Lernroutinen, warum jeder seinen individuellen Weg in der Examensvorbereitung finden muss und welche strategischen Überlegungen Sinn machen können. Warum könnte es sich bei dem öffentlichen Recht für viele Prüflinge um eine Art "Lebensversicherung" handeln? Macht es Sinn, das Strafrecht tatsächlich in der Examensvorbereitung etwas zu vernachlässigen? Anschließend erörtern wir Schwächen des aktuellen Prüfungssystems und argumentieren für eine doppelte Blindkorrektur aller Klausuren. Schließlich gehen wir auf die #notmyJAG-Kampagne ein, wozu Ihr vertiefende Hinweise und Gutachten in den Shownotes findet. Viel Spaß!