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Grundstudium: Zwischenprüfung & erste Semester

Das Grundstudium im Jurastudium: Fächer, Zwischenprüfung, Übungen für Anfänger und Tipps für die ersten drei Semester. So legst du das Fundament.

3 Fragen beantwortet
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf

Inhaltsüberblick

Der Start ins Abenteuer: Das Grundstudium Jura

Herzlich willkommen im Grundstudium Jura! Du hast dich für einen der anspruchsvollsten, aber auch spannendsten Studiengänge in Deutschland entschieden. Das Jurastudium (Rechtswissenschaft) ist kein gewöhnlicher Bachelor- oder Masterstudiengang, sondern ein Marathon, der mit der Ersten Juristischen Prüfung, dem berüchtigten Staatsexamen, endet. Doch bevor du dich den großen Prüfungen stellst, musst du das Fundament legen: die ersten drei bis vier Semester, bekannt als das Grundstudium.

In Deutschland sind aktuell rund 100.000 Studierende in Rechtswissenschaften eingeschrieben. Die Regelstudienzeit von 9 Semestern (4,5 Jahre) ist zwar das Ziel, doch die Realität sieht oft anders aus: Im Durchschnitt benötigen Studierende 10,9 Semester bis zum Abschluss. Das Grundstudium ist dabei die Phase, in der du entscheidest, ob Jura wirklich das Richtige für dich ist. Hier lernst du nicht nur Paragraphen, sondern eine völlig neue Sprache und Denkweise.

Das Jurastudium auf einen Blick

  • Regelstudienzeit: 9 Semester
  • Tatsächliche Dauer: ca. 11 Semester
  • Abschluss: Erste Juristische Prüfung (Staatsexamen)
  • Studienorte: 44 Fakultäten bundesweit
  • Zulassung: Oft über NC, teils zulassungsfrei

Die drei Säulen des Rechts: Was dich im Grundstudium erwartet

Das Grundstudium Jura gliedert sich klassischerweise in die drei großen Rechtsgebiete. Diese bilden das Rückgrat deiner gesamten juristischen Ausbildung. Wer hier die Grundlagen — das sogenannte Jurastudium Grundlagen — vernachlässigt, wird es später im Hauptstudium und in der Examensvorbereitung doppelt schwer haben.

1. Zivilrecht (BGB)

Das Zivilrecht regelt die Rechtsbeziehungen zwischen Privatpersonen. Im Fokus steht das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB). Dein Weg beginnt fast immer mit dem BGB AT Jurastudium (Allgemeiner Teil). Hier lernst du, wie Verträge zustande kommen, was eine Willenserklärung ist und wann jemand geschäftsfähig ist. Es folgen das Schuldrecht (AT & BT) und erste Einblicke in das Sachenrecht. Tipp: Löse von Anfang an Fälle, statt nur Lehrbücher zu lesen. Der Gutachtenstil ist dein wichtigstes Werkzeug.

2. Öffentliches Recht

Hier geht es um das Verhältnis zwischen Bürger und Staat. Im Jurastudium erste Semester startest du meist mit dem Staatsorganisationsrecht (wie funktioniert unser Staat?) und den Grundrechten. Auch das Europarecht spielt bereits eine Rolle. Das Öffentliche Recht erfordert ein tiefes Verständnis für verfassungsrechtliche Strukturen, die die Basis für alles Weitere bilden.

3. Strafrecht

Das Strafrecht gilt bei vielen Anfängern als das „spannendste“ Fach. Im Grundstudium konzentrierst du dich auf den Strafrecht Allgemeinen Teil (AT). Du lernst, wann eine Tat rechtswidrig und schuldhaft ist, was einen Versuch ausmacht und wie Mittäterschaft funktioniert. Verinnerliche die Schemata frühzeitig und übe den Gutachtenstil ab Tag eins konsequent.

Grundlagenfächer: Mehr als nur Theorie

Neben den drei Hauptsäulen begegnen dir im Grundstudium die Grundlagenfächer: Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie und Rechtssoziologie. Viele Studierende unterschätzen diese Fächer, da sie nicht unmittelbar „fallrelevant“ wirken. Doch Prof. Dr. Dr. h.c. Barbara Dauner-Lieb betont in Folge 155 von „Irgendwas mit Recht“, dass ein tiefes Verständnis für das „Warum“ hinter dem Recht entscheidend für den späteren Erfolg ist. Diese Fächer können im Examen in der mündlichen Prüfung oft das Zünglein an der Waage sein.

Die Zwischenprüfung Jura: Die erste große Hürde

Das Ziel des Grundstudiums ist das Bestehen der Zwischenprüfung Jura. Diese ist an den meisten Universitäten Voraussetzung, um überhaupt in das Hauptstudium vorrücken zu dürfen. Sie besteht meist aus einer Reihe von Klausuren in den Kernbereichen Zivilrecht, Öffentliches Recht und Strafrecht.

  • Anforderungen: Meist müssen Klausuren in allen drei Säulen bestanden werden.
  • Bestehensquoten: Diese variieren je nach Uni, doch der Druck ist spürbar.
  • Bedeutung: Die Zwischenprüfung dient als Siebfunktion. Wer hier besteht, hat bewiesen, dass er das juristische Handwerkszeug beherrscht.

Zusätzlich zur Zwischenprüfung musst du die sogenannten Jura Anfängerübungen (Übungen für Anfänger) absolvieren. Hier schreibst du oft deine erste Hausarbeit in den Semesterferien — ein Format, das 20 bis 30 Seiten umfasst und tiefgehende Recherche in der Bibliothek erfordert.

Typische Fehler im Grundstudium und wie du sie vermeidest

Viele Erstsemester machen den Fehler, sich in Details zu verlieren. Sie lesen drei verschiedene Lehrbücher zum BGB AT, schreiben aber keinen einzigen Übungsfall. Jura ist eine Anwendungswissenschaft. Es bringt dir nichts, die Definition der „Wegnahme“ auswendig zu kennen, wenn du sie nicht in einem Gutachten unterbringen kannst. Ein weiterer Fehler: Das Ignorieren der Arbeitsgemeinschaften (AGs). In den AGs lernst du das Handwerk, das in der Vorlesung oft zu kurz kommt.

Wie Karsten Dusse (Bestsellerautor und Rechtsanwalt) in Folge 100 unseres Podcasts sagt: „Jura sollte eine von vielen Facetten sein, nicht die einzige.“ Achte auf deine mentale Gesundheit und schaffe dir Ausgleiche zum Lernalltag.

Ausblick: Vom Grundstudium zum Schwerpunkt

Hast du die Zwischenprüfung erst einmal in der Tasche, wartet das Hauptstudium. Dort vertiefst du dein Wissen und wählst schließlich deinen Schwerpunktbereich. Ob Wirtschaftsrecht, Strafrecht oder IT-Recht — der Schwerpunkt macht 30% deiner Gesamtnote aus und bietet die Chance, dich nach deinen Interessen zu spezialisieren. Aber denk daran: Ohne ein solides Grundstudium Jura ist die Spezialisierung nur ein Kartenhaus.

Fragen & Antworten

3 Antworten aus Podcast-Episoden

Die beste Vorbereitung auf die Zwischenprüfung Jura ist die konsequente Fallbearbeitung. Es reicht nicht, Lehrbücher zu lesen; du musst den Gutachtenstil aktiv anwenden. Nutze Altklausuren deiner Universität, um ein Gefühl für das Zeitmanagement und die Fragestellungen deiner Professoren zu bekommen. Bilde frühzeitig Lerngruppen: Der Austausch über rechtliche Probleme hilft, Argumentationsmuster zu verinnerlichen. Achte zudem darauf, die Grundlagen (BGB AT, Strafrecht AT, Staatsorga) wirklich sicher zu beherrschen, da darauf alle fortgeschrittenen Fragen aufbauen.

Das sagen unsere Experten

Das Grundstudium ist die wichtigste Phase, um den Gutachtenstil zu perfektionieren. Wer hier lernt, strukturiert und präzise zu formulieren, spart in der Examensvorbereitung Monate an Zeit. Nutze die Grundlagenfächer, um das System hinter den Gesetzen zu verstehen, statt nur isoliertes Wissen anzuhäufen.

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.