Inhaltsüberblick
Jura-Studium beginnen: Dein Wegweiser für den erfolgreichen Start
Der Beginn des Jurastudiums ist aufregend und herausfordernd zugleich. In den ersten Wochen und Monaten entscheidet sich vieles: Welche Vorlesungen sind wichtig? Wie funktioniert der Gutachtenstil? Wie organisiere ich mein Studium? Und wie finde ich Anschluss an Kommilitoninnen und Kommilitonen? Wer hier die richtigen Weichen stellt, verschafft sich einen Vorsprung, der sich durch das gesamte Studium zieht.
Die gute Nachricht: Man muss nicht aus einer Juristenfamilie kommen oder schon vor dem Studium wissen, welches Rechtsgebiet einen interessiert. Viele der erfolgreichsten Gäste im Podcast Irgendwas mit Recht haben als Erstakademiker begonnen oder kamen über Umwege zum Jurastudium – und haben gerade deshalb eine besondere Perspektive und Motivation mitgebracht (vgl. Episode 328).
Die ersten Wochen: Orientierung und Grundlagen
Die Orientierungsphase zu Beginn des Studiums ist entscheidend. Typische Fragen, die sich Erstsemester stellen:
- Welche Vorlesungen sind Pflicht? Im ersten Semester stehen üblicherweise BGB AT, Staatsorganisationsrecht und Strafrecht AT auf dem Programm
- Brauche ich Vorwissen? Nein – das Jurastudium setzt kein juristisches Vorwissen voraus. Alles wird von Grund auf gelehrt
- Wie lerne ich den Gutachtenstil? Das ist die zentrale methodische Kompetenz im Jurastudium – je früher man ihn sicher beherrscht, desto besser (vgl. Episode 155)
- Wie finde ich eine Lerngruppe? Erfahrungsgemäß bilden sich Lerngruppen in den ersten AG-Sitzungen und Tutorien – hier aktiv auf andere zugehen
Typische Herausforderungen am Studienanfang
Der Übergang von der Schule zur Universität ist im Jurastudium besonders spürbar. Statt vorgegebener Stundenmpläne und regelmäßiger Tests müssen Studierende ihr Lernen selbst organisieren. Die Stoffmenge wirkt am Anfang überwältigend, und die ersten Klausurergebnisse können ernüchternd sein – denn die Bewertung in Jura ist bekannt streng.
Wichtig zu wissen: Schlechte Noten am Anfang sind normal und sagen wenig über das spätere Examenergebnis aus. Viele erfolgreiche Juristinnen und Juristen berichten, dass sie im ersten Semester ernüchternde Ergebnisse hatten und sich dann kontinuierlich verbessert haben. Entscheidend ist, aus Rückschlägen zu lernen statt aufzugeben (vgl. Episode 292).
Strategien für einen gelungenen Start
Erfahrene Juristinnen und Juristen empfehlen für den Studienanfang:
- Vorlesungen besuchen und nachbereiten: Die Nachbereitung ist mindestens so wichtig wie der Besuch selbst – erst durchs Wiederholen und Vertiefen wird der Stoff gefestigt
- Früh mit Fällen arbeiten: Jura lernt man nicht durchs Lesen, sondern durchs Lösen von Fällen. Bereits im ersten Semester sollten regelmäßig Übungsfälle bearbeitet werden
- Unterstützungsangebote nutzen: AGs, Tutorien, Mentoring-Programme und die Studienberatung der Fakultät helfen bei fachlichen und organisatorischen Fragen
- Nicht allein kämpfen: Kontakte zu Kommilitoninnen und Kommilitonen sind nicht nur sozial bereichernd, sondern auch fachlich wertvoll (vgl. Episode 146)
Karriereplanung schon am Studienanfang?
Es ist nicht nötig, im ersten Semester schon zu wissen, ob man später Richterin, Anwalt oder Unternehmensjurist werden möchte. Aber ein grundsätzliches Bewusstsein für die Vielfalt juristischer Karrierewege hilft, das Studium von Anfang an breiter zu denken. Podcasts, Veranstaltungen und frühe Praktika bieten dafür niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeiten (vgl. Episode 320).
Auch die Fachschaftsarbeit kann ein wertvoller Einstieg sein: Sie bietet Vernetzung, Einblicke in universitäre Strukturen und die Möglichkeit, von älteren Studierenden zu lernen (vgl. Episode 55).
Das sagen unsere Experten
„Der Gutachtenstil ist das Erste, was Jurastudierende lernen müssen – und das Wichtigste. Wer die Methodik beherrscht, hat schon die halbe Miete. Mein Rat an Erstsemester: Übt den Gutachtenstil an einfachen Fällen, bis er in Fleisch und Blut übergeht.“
„Ich bin als Erstakademiker ins Jurastudium gestartet und hatte Angst, nicht mitzukommen. Rückblickend war diese Angst unbegründet – das Studium setzt kein Vorwissen voraus. Was zählt, ist Neugier, Fleiß und der Mut, Fragen zu stellen.“
„Als Strafverteidigerin habe ich gelernt, dass sich Beharrlichkeit immer auszahlt. Auch im Studium gab es Phasen, in denen ich an mir gezweifelt habe. Aber wer dranbleibt und sich nicht von schlechten Noten entmutigen lässt, wird belohnt – mit einer Karriere, die unglaublich vielfältig sein kann.“
„Mein wichtigster Tipp für den Studienanfang: Nutzt die Fachschaft und studentische Initiativen. Dort lernt ihr Studierende aus höheren Semestern kennen, die euch ehrlich sagen können, worauf es ankommt – das ist wertvoller als jeder Studienratgeber.“
„Als Rechtsabteilungsleiter bei Microsoft sehe ich jeden Tag, welche Fähigkeiten wirklich zählen: analytisches Denken, Kommunikation und die Fähigkeit, sich schnell in neue Themen einzuarbeiten. All das lernt man im Jurastudium – wenn man von Anfang an aktiv studiert, nicht nur passiv konsumiert.“
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
22 relevante Podcast-Folgen
IMR314: Didaktischer Unsinn Staatsexamen, juristische Videoproduktion, Hochschuldidaktik, Arbeitsgerichtsverband, selbstständig als Jurist, mit DSKRPT lernen
mit Sven Störmann
Sven Störmann gibt spannende Einblicke in seinen ungewöhnlichen juristischen Werdegang und berichtet von seinen Erfahrungen an der Bucerius Law School, seinem Engagement im Deutschen Arbeitsgerichtsverband und seiner Rolle als Mitgründer des EdTech-Startups Dskrpt. Wie beeinflusst ein Jura-Studium abseits klassischer Wege die Karriere? Was sind die Fallstricke und Chancen bei der Entwicklung digital gestützter Hochschuldidaktik? Warum hält Sven die traditionellen Staatsexamina für überholt und welche Alternativen sieht er für die Prüfung angehender Juristinnen und Juristen? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
IMR275: Senior Legal Tech Manager EU, Chancen als Legal Engineer, Legal Tech-Historie, Large Language Models, (interne) Produktisierung
mit Henrik Wehrs
In der 275. Episode von Irgendwas mit Recht ist Henrik Wehrs zu Gast, Senior Legal Tech Manager Europe bei A&O Shearman. Henrik erzählt, wie er nach seinem Jura-Studium in Bonn und Frankfurt den Weg ins Thema Legal Tech fand – von ersten Webseitenprojekten während der Examenszeit bis Gründungen im Legal Tech Startup. So wurde Henrik zum festen Bestandteil der Frankfurter sowie deutschen Legal Tech-Szene. Welche Herausforderungen und Chancen bestehen in Bezug auf di Automatisierung juristischer Prozesse? Wie kann KI in Kanzleien wirklich eingesetzt werden? Wie helfen interdisziplinäre Teams dabei, innovative Lösungen zu entwickeln? Welche Rolle spielen Self-Service-Tools für Mandanten und Anwälte in der Kanzlei? Wie verändert sich die Zusammenarbeit mit Technologieanbietern im Kanzleialltag – und warum ist Scheitern manchmal die wertvollste Erfahrung? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß mit dieser Folge Eures Jurapodcasts zu allen Karrierethemen - und frohe Festtage!
IMR198: Faszination Strafverteidigung, Lügende Mandanten erkennen, Sich erfolgreich im Job behaupten
mit Pantea Farahzadi
In der neuesten IMR-Episode begrüßen wir die faszinierende Pantea Farahzadi, eine Strafverteidigerin aus Köln. Marc und Pantea tauchen tief in ihre unerwartete Reise von den Medienwissenschaften zum Jura-Studium ein. Pantea erzählt, wie Professor Kress mit seinen außergewöhnlichen Lehrmethoden ihre Leidenschaft fürs Strafrecht weckte und wie eine persönliche Klausurbewertung alles veränderte. Aber was brachte Pantea dazu, trotz der Herausforderungen und der anfänglichen Unsicherheit am Jura-Studium festzuhalten? Pantea teilt ihre spannenden Erlebnisse als studentische Hilfskraft im Kachelmann-Fall und verrät, warum sie sich trotz der Risiken für eine Karriere als Strafverteidigerin entschied. Wie meisterte sie die finanziellen und sozialen Herausforderungen während ihres Referendariats? Und was motivierte sie, letztendlich ihre eigene Kanzlei zu gründen? Erfahrt, wie Pantea mit Mobbing und sexistischen Kommentaren in einer männerdominierten Branche umgegangen ist und warum sie glaubt, dass Frauen gerade im Sexualstrafrecht eine strategische Rolle spielen. Seid gespannt auf Panteas authentische Einsichten, ihre ungewöhnlichsten Fälle und ihre Leidenschaft für die Wahrheit. Wie baut sie Vertrauen zu ihren Mandanten auf und wie geht sie mit den Herausforderungen der Selbstständigkeit um? Dies und vieles mehr in einer Folge, die einmal mehr zeigt, dass anwaltliche Arbeit viel mehr als nur Paragraphen sind. Viel Spaß!
IMR278: Managerhaftung, Verhältnis zum Wirtschaftsstrafrecht, Fall mit Millionen im Koffer und Flugzeugabsturz
mit Dr. Florian Weichselgärtner
In der 278. Episode von Irgendwas mit Recht spricht Marc mit Dr. Florian Weichselgärtner von Advant Beiten in München. Florian hat eine ungewöhnliche Reise hinter sich: Vom Basketballspieler in Regensburg über das Jurastudium, das Referendariat und eine Promotion im Sportrecht zum heutigen Experten für Versicherungsrecht und Organhaftung. Er berichtet von seinen Anfängen, den Herausforderungen im Jura-Studium, der Frage, wie man Berufseinstieg und Promotion unter einen Hut bringt, und warum ihn schließlich die Arbeit im Bereich Managerhaftung fasziniert hat. Außerdem gibt er spannende Einblicke in typische Fälle aus seinem Arbeitsalltag, wie etwa die Haftung von Geschäftsführern bei Insolvenzverschleppung oder komplexe D&O-Fälle, und berichtet von besonderen Fällen, die sogar ihren Weg in die Presse gefunden haben. Viel Spaß mit dieser Episode eures Jurapodcasts zu allen Karrierethemen!
