Inhaltsüberblick
Dual Career für Juristen: Wenn beide Partner Karriere machen
Die Zeiten, in denen ein Partner die Karriere verfolgte und der andere sich um Familie und Haushalt kümmerte, sind in der juristischen Berufswelt längst vorbei. Immer mehr Juristinnen und Juristen stehen vor der Herausforderung, zwei anspruchsvolle Karrieren unter einen Hut zu bringen – sei es mit einem Partner aus derselben Branche oder aus einem anderen Berufsfeld. Diese Dual-Career-Konstellation erfordert bewusste Planung, offene Kommunikation und die Bereitschaft, kreative Lösungen zu finden.
Standortwahl als strategische Karriereentscheidung
Eine der größten Herausforderungen für Dual-Career-Paare ist die Standortfrage. Großkanzleien konzentrieren sich auf wenige Standorte – Frankfurt, München, Düsseldorf, Hamburg, Berlin –, während der Partner möglicherweise andernorts bessere Karrierechancen hätte. In Episode 353 wird deutlich, wie internationale Karrierechancen – etwa bis nach Tokio – die Standortfrage zusätzlich verkomplizieren können, aber auch spannende Möglichkeiten eröffnen, wenn beide Partner flexibel sind.
Die gute Nachricht: Immer mehr Kanzleien und Unternehmen bieten flexible Arbeitsmodelle an, die die räumliche Bindung lockern. Episode 340 zeigt, dass selbst in der Versicherungsbranche 100% Remote Work möglich ist – ein Modell, das für Dual-Career-Paare völlig neue Perspektiven eröffnet.
Karrieremodelle und Arbeitszeit-Balance
Dual Career bedeutet nicht zwangsläufig, dass beide Partner Vollzeit in einer Großkanzlei arbeiten. Es gibt zahlreiche Modelle, die eine bessere Balance ermöglichen: Teilzeit-Partnerschaften, Counsel-Positionen, Wechsel in die Rechtsabteilung oder eine Tätigkeit im öffentlichen Dienst mit geregelteren Arbeitszeiten. In Episode 347 wird der Unterschied zwischen Assoziierten Partnern und Counsel erläutert – beides Karrierestufen, die mehr Flexibilität bieten können als die klassische Equity-Partnerschaft.
Entscheidend ist, dass beide Partner ihre Karriereziele offen besprechen und gemeinsam priorisieren. Manchmal bedeutet das, dass ein Partner zeitweise zurücksteckt, um dem anderen eine Karrierechance zu ermöglichen – mit der Vereinbarung, dass sich dieses Muster später umkehrt.
Führung, New Work und moderne Arbeitsmodelle
Die Vereinbarkeit zweier Karrieren hängt maßgeblich von den Arbeitgebern ab. Moderne Führungskräfte erkennen zunehmend, dass gute Führung und Flexibilität keine Gegensätze sind. Episode 352 zeigt, wie moderne Führungsansätze und ein Scientist Mindset die Kanzleikultur verändern. In Episode 350 wird beschrieben, wie internationale Wirtschaftskanzleien moderne Arbeits- und Büromodelle konzipieren, die auch Dual-Career-Paaren entgegenkommen: Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice-Optionen und ergebnisorientiertes Arbeiten statt Präsenzkultur.
Karrierephasen bewusst gestalten
Eine Dual-Career-Partnerschaft funktioniert am besten, wenn beide Partner ihre Karriere in Phasen denken. Die ersten Jahre nach dem zweiten Staatsexamen sind typischerweise die intensivsten – hier wird der Grundstein für spätere Karriereschritte gelegt. In Episode 348 wird deutlich, wie die Vielfalt von M&A-Transaktionen und die Rolle als Projektmanager hohe Flexibilität und Belastbarkeit erfordern – Phasen, in denen der Partner stärker kompensieren muss.
Gleichzeitig bieten spätere Karrierestufen oft mehr Gestaltungsspielraum. Episode 343 zeigt mit dem Beispiel der Dozententätigkeit an einer Hochschule, wie alternative Karrierepfade mehr zeitliche Planbarkeit bieten können.
Unterstützungsnetzwerke und praktische Strategien
Erfolgreiche Dual-Career-Paare zeichnen sich durch pragmatische Strategien aus: Sie nutzen professionelle Kinderbetreuung, delegieren Haushaltsaufgaben, pflegen ein starkes soziales Netzwerk und kommunizieren offen über Belastungsgrenzen. Wie in Episode 346 beschrieben, bieten auch weniger klassische juristische Arbeitgeber wie Versicherungsunternehmen interessante Karrieremöglichkeiten mit oft besserer Work-Life-Balance als Großkanzleien. Wer die Dual-Career-Herausforderung als gemeinsames Projekt begreift und bereit ist, von starren Vorstellungen abzuweichen, findet in der heutigen Arbeitswelt mehr Möglichkeiten denn je.
Fragen & Antworten
15 Antworten aus Podcast-Episoden
Ich wollte eine Marke, die unabhängig von einzelnen Partnernamen bleibt. Darum beauftragten wir eine Agentur mit A-Namen, damit wir alphabetisch stets oben erscheinen. „ARQIS“ klang international, löste in keiner Sprache peinliche Assoziationen aus und passt zu unserem Logo – eine Brücke, weil wir Geschäftspartner sowie Deutschland und Japan verbinden. So bleibt die Kanzlei zukunftsfähig, selbst wenn Gründer ausscheiden.
Aus Episode #353
IMR353: Managing Partner & Senior Partner, Ownership und Unternehmermindset, Big Law Boutique, Kanzleiwachstum seit 20 Jahren, Karrierechancen bis Tokio
mit Dr. Shigeo Yamaguchi
Das sagen unsere Experten
„Als Managing Partner einer Big Law Boutique mit internationalen Karrierechancen bis Tokio weiß ich, wie wichtig ein unterstützendes Umfeld ist. Ownership und Unternehmermindset erfordern enormen Einsatz – das funktioniert nur, wenn zu Hause ein Partner ist, der das mitträgt, und wenn man selbst bereit ist, diese Unterstützung auch zurückzugeben.“
„Die Möglichkeit, auf Wunsch vollständig remote zu arbeiten, hat für meine Partnerschaft alles verändert. Mein Partner konnte seinen Traumjob in einer anderen Stadt annehmen, und ich arbeite von dort aus genauso effektiv wie früher im Büro. Remote Work ist für Dual-Career-Paare ein echtes Game-Changer-Modell.“
„Gute Führung bedeutet heute, die individuellen Lebensrealitäten der Mitarbeitenden zu berücksichtigen. Wenn beide Partner Karriere machen, brauchen sie Arbeitgeber, die Ergebnisse bewerten und nicht Präsenzstunden zählen. Ein Scientist Mindset hilft auch hier: Experimentieren, was funktioniert, und anpassen statt an starren Modellen festhalten.“
„Der Weg zum Assoziierten Partner bietet eine interessante Alternative zur klassischen Equity-Partnerschaft. Man übernimmt mehr Verantwortung und erhält Anerkennung, behält aber mehr Flexibilität als ein Equity Partner. Für Dual-Career-Paare kann das genau die richtige Stufe sein – ambitioniert, aber mit Raum für die Partnerschaft.“
„Mein Wechsel an die Hochschule war auch eine Dual-Career-Entscheidung. Die Lehrtätigkeit bietet planbare Arbeitszeiten und Semesterrhythmen, die es meinem Partner ermöglichen, seine Karriere in der Kanzlei voll zu verfolgen. Wir wechseln uns ab – in der vorlesungsfreien Zeit übernehme ich mehr zu Hause, in der Prüfungsphase meines Partners bin ich flexibler.“
Über den Autor
Marc Ohrendorf
Gründer, Irgendwas mit RechtMarc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.
Passende Episoden
8 relevante Podcast-Folgen
IMR353: Managing Partner & Senior Partner, Ownership und Unternehmermindset, Big Law Boutique, Kanzleiwachstum seit 20 Jahren, Karrierechancen bis Tokio
mit Dr. Shigeo Yamaguchi
In der 353. Episode von IMR sind Dr. Shigeo Yamaguchi und Dr. Friedrich Gebert von ARQIS zu Gast. Shigeo ist Gründungspartner und heute Senior Partner der Kanzlei, Friedrich ist Managing Partner und Leiter der Fokusgruppe Regulatory. Im Gespräch berichten sie von der Entwicklung der Kanzlei seit der Gründung 2006, dem Wachstum von rund 20 auf über 200 Mitarbeitende und dem Anspruch, als Big Law Boutique Exzellenz mit klarem Fokus zu verbinden. Die beiden geben Einblicke in den Aufbau neuer Praxisbereiche, in strategische Entscheidungen innerhalb der Partnerschaft und in die Neuaufstellung der Kanzleiführung mit einem Senior Partner für Strategie und einem Managing Partner für das operative Geschäft. Was bedeutet es konkret, eine Big Law Boutique zu sein? Wie entstehen Fokusgruppen und warum ist unternehmerisches Denken für Anwältinnen und Anwälte zentral? Welche Rolle spielen Ownership und Mindset für den Berufseinstieg? Wie gelingt nachhaltiges Wachstum ohne starre Umsatzvorgaben? Und wie positioniert sich eine Kanzlei zwischen Spezialisierung und Transaktionsstärke? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
IMR352 (x Bucerius CLP): Gute Führung und AI, AI Adoption, Scientist Mindset, kritisches Denken in Zeiten von KI
mit Prof. Dr. Madeleine Bernhardt
Die 352. IMR-Episode erscheint erneut gemeinsame mit der Bucerius Law School (Center on the Legal Profession / Bucerius Legal Innovation Hub). Zu Gast ist Prof. Dr. Madeleine Bernhardt und wir diskutieren gemeinsam, warum AI nicht nur ein Technologiethema ist, sondern vor allem ein Führungsthema. Es geht um die Frage, wie Kanzleien und Rechtsabteilungen AI sinnvoll implementieren und welche Rolle Emotionen, professionelle Identität und psychologische Sicherheit dabei spielen. Welche Auswirkungen hat es, dass Menschen KI-Systemen Absichten und Emotionen zuschreiben? Wie verändert sich kritisches Denken, wenn Chatbots Entwürfe bestätigen oder scheinbar objektiv Feedback geben? Und wie gelingt AI-Adoption in Partnerschaften mit unterschiedlichen Zukunftsbildern und Machtstrukturen? Anhand konkreter Beispiele aus dem Kanzleialltag erfahrt Ihr, wie Führungskräfte mit offenen Fragen, klaren Guardrails und einem Scientist Mindset Orientierung geben können. Viel Spaß!
IMR350: COO einer int. Wirtschaftskanzlei, wie sich juristische Arbeit verändert, Blick über klassische Karrierepfade hinaus, Konzeption moderner Arbeits- und Büro-Modelle, New Work
mit Annette Höher-Bäuerle
In der 350. Episode von IMR spricht Marc mit Annette Höher-Bäuerle von A&O Shearman in Frankfurt über ihren ungewöhnlichen Karriereweg zwischen Rechtsabteilung, internationalem M&A und operativer Unternehmensführung. Annette schildert, warum sie sich früh für eine Inhouse-Laufbahn entschied, welche Rolle betriebswirtschaftliches Wissen für Juristinnen und Juristen spielen kann und wie ihre Erfahrungen aus dem Konzernumfeld heute ihre Arbeit als COO einer Großkanzlei prägen. Im Mittelpunkt stehen zudem die Struktur und Funktionsweise einer international integrierten Wirtschaftskanzlei, die Herausforderungen des Kanzlei-Merger zwischen Allen & Overy und Shearman & Sterling sowie die Konzeption moderner Office- und Arbeitsmodelle. Außerdem geht es um den Einsatz von KI im Kanzleialltag, neue Rollenprofile im Rechtsmarkt und die Frage, wie sich juristische Arbeit künftig verändert. Welche Fähigkeiten werden für den juristischen Nachwuchs wichtiger? Wie kann man sich schon im Studium strategisch auf neue Berufsbilder vorbereiten? Und welche Chancen eröffnet der Blick über klassische Karrierepfade hinaus? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
IMR348: Vielfalt von M&A-Transaktionen, Überraschungen in der Inbox, hybrider LL.M. in Turin, Fähigkeiten als Projektmanager, Jurastudium ohne Vorprägung
mit Nastasja Bührmann
In der 348. Episode von IMR spricht Marc mit Nastasja Bührmann, Rechtsanwältin bei Herbert Smith Freehills Kramer, über ihren Weg in die Großkanzlei und ihre Tätigkeit im Bereich Corporate und M&A. Ausgehend von ersten Berührungspunkten mit dem Anwaltsberuf in der Schulzeit schildert Nastasja ihr Jurastudium in Münster, ihre Schwerpunktwahl im Gesellschaftsrecht und frühe praktische Erfahrungen in Wirtschaftskanzleien. Die Folge beleuchtet, warum sie sich bewusst für die anwaltliche Tätigkeit und gegen Justizberufe entschieden hat und welche Rolle Teamarbeit und Kommunikation dabei spielen. Ausführlich erklärt sie, wie Transaktionen ablaufen, was sich hinter Due Diligence, Signing und Closing verbirgt und warum Corporate und M&A mehr ist als reiner Unternehmenskauf. Zudem berichtet sie über ihren LL.M. nach dem zweiten Staatsexamen in Turin, der sie sehr geprägt hat. Was hat sie dort für ihren weiren Weg mitgenommen? Welche Fähigkeiten sind neben guten Noten entscheidend und für wen eignet sich ein ihrem vergleichbarer Karriereweg? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhaltet Ihr in dieser Folge von IMR. Viel Spaß!
