Zum Hauptinhalt springen

Referendariat in Bayern: Bewerbung, Ablauf und Besonderheiten

Referendariat in Bayern: Bewerbung beim OLG München, 9 Klausuren, 1.602 EUR Unterhaltsbeihilfe und Berufsfeld-Gespräch. Alle Infos 2026.

5 Fragen beantwortet
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf

Inhaltsüberblick

Referendariat in Bayern: Das Wichtigste im Überblick

Bayern ist das Bundesland mit den meisten Klausuren im 2. Staatsexamen: Ganze 9 Aufsichtsarbeiten erwarten dich. Gleichzeitig ist Bayern das einzige Bundesland, in dem es keinen Aktenvortrag gibt. Stattdessen wirst du im Berufsfeld-Gespräch geprüft, das mit 40 % der mündlichen Note eine besondere Gewichtung hat. Die Unterhaltsbeihilfe liegt bei 1.602,08 EUR brutto, und als Beamte auf Widerruf profitierst du von einem höheren Netto als in Ländern ohne Verbeamtung. Das Referendariat dauert 24 Monate und wird an drei OLG-Bezirken (München, Nürnberg, Bamberg) mit insgesamt 22 Landgerichten absolviert.

Bewerbung und Einstellung

Zuständig für die Referendarausbildung in Bayern sind die drei Oberlandesgerichte München, Nürnberg und Bamberg, jeweils für ihren Bezirk. Das Landesjustizprüfungsamt Bayern übernimmt die Prüfungsorganisation.

Es gibt zwei Einstellungstermine pro Jahr: den 1. April und den 1. Oktober. Die Bewerbungsfrist endet als Ausschlussfrist ca. 7 bis 8 Wochen vor dem jeweiligen Einstellungstermin. Für den 1. April 2026 bedeutet das einen Bewerbungsschluss um den 10. Februar 2026.

Die Bewerbung erfolgt online über die Websites der jeweiligen OLG. Alle Unterlagen müssen als eine einzige PDF-Datei zusammengefasst und hochgeladen werden. Du kannst drei Präferenzen für Ausbildungsgerichte (Landgerichte) angeben.

Erforderliche Unterlagen:

  • Lebenslauf
  • Zeugnis der Ersten Juristischen Prüfung
  • Personalausweis oder Reisepass (Kopie)
  • Führungszeugnis
  • Ggf. Nachweise für Standortwünsche und Härtefälle

Grundsätzlich erhalten alle Bewerber einen Platz in Bayern. Allerdings hat das OLG München seit Oktober 2025 erstmals Kapazitätsengpässe: 37 von 561 Bewerbern konnten nicht in München platziert werden und wurden nach Bamberg oder Nürnberg umverteilt. München ist also zunehmend überbucht. Die OLG-Bezirke Nürnberg und Bamberg bieten dagegen noch ausreichend Plätze.

Wichtig: Bei einer Doppelbewerbung muss die andere Bewerbung bis zum Stichtag zurückgezogen werden, sonst wird München nicht berücksichtigt.

Unterhaltsbeihilfe und Vergütung

Die Unterhaltsbeihilfe in Bayern beträgt 1.602,08 EUR brutto (Stand: Februar 2025). Als Beamte auf Widerruf zahlst du keine Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung. Du bist beihilfeberechtigt und musst dich privat krankenversichern (Beihilfe 50 %). Das Netto liegt dadurch bei ca. 1.300 bis 1.350 EUR und ist höher als in vielen Bundesländern mit ähnlichem Brutto, aber ohne Verbeamtung.

Zum Familienzuschlag: Verheiratete erhalten 113,04 EUR (Stufe 1), mit einem Kind sind es 209,72 EUR (Stufe 2), ab dem zweiten Kind kommen 115,24 EUR hinzu, ab dem dritten Kind 357,16 EUR pro Kind. Zusätzlich gibt es vermögenswirksame Leistungen von 6,65 EUR pro Monat. Eine Jahressonderzahlung (Weihnachtsgeld) wird für Beamtenanwärter in Bayern gezahlt und beträgt ca. 70 % eines Monatsgehalts.

Beachte: Die Lebenshaltungskosten variieren erheblich. In München sind Mieten von 15 bis 25 EUR/m² keine Seltenheit, während ländliche Standorte wie Passau, Deggendorf oder Kempten deutlich günstiger sind.

Stationen und Ablauf

Das Referendariat in Bayern dauert 24 Monate und folgt der klassischen Stationenstruktur:

  • Zivilstation: 5 Monate bei einem ordentlichen Gericht in Zivilsachen, mit Einführungslehrgang
  • Strafstation: 3 Monate bei Staatsanwaltschaft oder Amtsgericht in Strafsachen, mit Einführungslehrgang
  • Verwaltungsstation: 4 Monate bei Kommunalverwaltung oder bis zu 2 Monate am Verwaltungsgericht, mit Einführungslehrgang
  • Anwaltsstation: 9 Monate bei einem eingetragenen Referendarausbilder, mit Einführungslehrgang
  • Wahlstation (Pflichtwahlpraktikum): 3 bis 5 Monate im gewählten Berufsfeld

Eine Besonderheit in Bayern ist die Wahlstation als Pflichtwahlpraktikum im selbst gewählten Berufsfeld (Justiz, Anwaltschaft, Verwaltung oder Wirtschaft). Dieses Berufsfeld ist auch Gegenstand des Berufsfeld-Gesprächs in der mündlichen Prüfung. Auslandsaufenthalte sind in der Verwaltungs- und Wahlstation möglich.

Die AG-Qualität ist an allen Standorten gut strukturiert. München gilt als besonders attraktiv wegen der Nähe zu Großkanzleien und internationalen Unternehmen, wobei die Qualität zwischen den einzelnen Landgerichten variiert.

Die OLG-Bezirke umfassen folgende Landgerichte:

  • München: LG München I, München II, Augsburg, Deggendorf, Ingolstadt, Kempten, Landshut, Memmingen, Passau, Traunstein
  • Nürnberg: LG Nürnberg-Fürth, Regensburg, Amberg, Ansbach, Weiden i.d. OPf.
  • Bamberg: LG Bamberg, Coburg, Bayreuth, Hof, Schweinfurt, Würzburg, Aschaffenburg

2. Staatsexamen in Bayern

Bayern hat das anspruchsvollste schriftliche Examen aller Bundesländer. Die Prüfungsstruktur im Überblick:

  • Klausuren: 9 (die meisten aller Bundesländer)
  • Gewichtung schriftlich: 70 %
  • Gewichtung mündlich: 30 %
  • Aktenvortrag: Nein (einziges Bundesland ohne Aktenvortrag)
  • Mündliche Prüfung: 4 Prüfungsfächer: Zivilrecht (20 %), Öffentliches Recht (20 %), Strafrecht (20 %), Berufsfeld-Gespräch (40 %)

Das Berufsfeld-Gespräch gibt es nur in Bayern. Es hat mit 40 % der mündlichen Note das doppelte Gewicht der anderen drei Fächer. Du wählst vor der Prüfung ein Berufsfeld (Justiz, Anwaltschaft, Verwaltung oder Wirtschaft) und wirst darin geprüft. Dieser Prüfungsteil bietet eine gute Chance, die Gesamtnote zu verbessern, wenn du dich intensiv vorbereitest.

Die Durchfallquote lag 2023 bei 13,3 %.

Rechtsgrundlage: §§ 62, 66, 67 JAPO

Berechne deine voraussichtliche Note mit unserem Notenrechner 2. Staatsexamen

Besonderheiten in Bayern

Bayern unterscheidet sich in mehreren Punkten von anderen Bundesländern:

  • 9 Klausuren machen die schriftliche Prüfung zur umfangreichsten in Deutschland. Das bedeutet mehr Lernstoff, aber auch mehr Chancen, einen schlechten Tag auszugleichen.
  • Kein Aktenvortrag: Während in allen anderen Bundesländern ein Aktenvortrag zur mündlichen Prüfung gehört, gibt es in Bayern stattdessen das Berufsfeld-Gespräch.
  • Verbeamtung: Als Beamte auf Widerruf genießt du finanziell deutliche Vorteile gegenüber Ländern ohne Verbeamtung.
  • Drei OLG-Bezirke bieten eine große Bandbreite an Ausbildungsorten, vom Großstadtleben in München bis zum ländlichen Ambiente in Passau oder Deggendorf.
  • Starke Wirtschaft: Insbesondere der Großraum München bietet hervorragende Möglichkeiten für die Anwaltsstation bei Großkanzleien und internationalen Unternehmen.

Erfahrungen und Tipps

Wenn du dich für Bayern entscheidest, solltest du folgende Punkte bedenken:

Standortwahl: München ist der beliebteste Standort und seit 2025 nicht mehr für alle Bewerber verfügbar. Überlege dir frühzeitig Alternativen. Nürnberg und Bamberg bieten ebenfalls gute Ausbildungsqualität bei deutlich günstigeren Lebenshaltungskosten.

Examensvorbereitung: Die 9 Klausuren erfordern ein breites und tiefes Wissen. Nutze die Arbeitsgemeinschaften und beginne früh mit dem Klausurentraining. Der fehlende Aktenvortrag entlastet dich in der Vorbereitung auf die mündliche Prüfung, dafür solltest du das Berufsfeld-Gespräch nicht unterschätzen.

Finanzen: Die Verbeamtung ist ein klarer Vorteil. In München reicht die Unterhaltsbeihilfe allerdings kaum zum Leben. Eine Nebentätigkeit in einer Kanzlei ist fast unvermeidlich und gleichzeitig eine gute Gelegenheit für Praxiserfahrung.

Referendar-Community: Bayern hat mit dem Verein der Rechtsreferendare (RefV) eine aktive Interessenvertretung, die dir bei Fragen weiterhelfen kann.

Weitere Informationen findest du in unserem umfassenden Referendariat Guide und im Artikel zur 2. Staatsexamen Vorbereitung.

Fragen & Antworten

5 Antworten aus Podcast-Episoden

In Bayern schreibst du 9 Klausuren im 2. Staatsexamen -- das sind die meisten aller Bundesländer. Die Klausuren zählen 70 % der Gesamtnote. Bayern ist außerdem das einzige Bundesland ohne Aktenvortrag. Stattdessen gibt es das Berufsfeld-Gespräch, das 40 % der mündlichen Note ausmacht.

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.