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Referendariat in Brandenburg: Bewerbung, Ablauf und Besonderheiten

Referendariat in Brandenburg: Keine Wartezeit, GJPA mit Berlin, 1.673 EUR Unterhaltsbeihilfe. Alle Infos zu Bewerbung, Stationen und 2. Staatsexamen 2026.

4 Fragen beantwortet
Marc OhrendorfVon Marc Ohrendorf

Inhaltsüberblick

Referendariat in Brandenburg: Das Wichtigste im Überblick

Brandenburg ist eine attraktive Alternative zu Berlin: Identische Prüfung durch das gemeinsame GJPA, keine Wartezeit, eine sogar höhere Unterhaltsbeihilfe (1.673,26 EUR) und deutlich günstigere Lebenshaltungskosten. Mit vier Einstellungsterminen pro Jahr und vier Landgerichten als Ausbildungsstandorte bietet Brandenburg Flexibilität bei gleichzeitig persönlicher Betreuung. Im 2. Staatsexamen werden 7 Klausuren geschrieben, die mündliche Prüfung zählt 40 %.

Bewerbung und Einstellung

Zuständig ist der Präsident des Brandenburgischen Oberlandesgerichts (Gertrud-Piter-Platz 11, 14770 Brandenburg an der Havel). Die Prüfung wird vom GJPA in Berlin organisiert.

Brandenburg bietet vier Einstellungstermine pro Jahr, wobei die Zuordnung zum Landgericht vom Termin abhängt:

  • 1. Februar und 1. August: LG Potsdam oder LG Neuruppin
  • 1. Mai und 1. November: LG Frankfurt (Oder) oder LG Cottbus

Die Bewerbung kann über ein Online-Bewerbungsformular eingereicht werden.

Erforderliche Unterlagen:

  • Lebenslauf
  • Zeugnis der Ersten Juristischen Prüfung
  • Personalausweis oder Reisepass (Kopie)
  • Führungszeugnis
  • Meldebescheinigung

Keine Wartezeit: Alle Bewerber werden aufgenommen. Es gibt keine Auswahl nach Note und keine Kapazitätsprobleme. Das macht Brandenburg besonders attraktiv für Bewerber, die in Berlin oder anderen Bundesländern mit Wartezeiten rechnen müssten.

Unterhaltsbeihilfe und Vergütung

Die Unterhaltsbeihilfe beträgt 1.673,26 EUR brutto (Stand: Februar 2025) und liegt damit sogar über dem Berliner Niveau (1.637,52 EUR). Brandenburg verbeamtet nicht; es besteht ein öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis mit voller Sozialversicherungspflicht. Das Netto liegt bei ca. 1.280 bis 1.330 EUR.

In Kombination mit den deutlich günstigeren Lebenshaltungskosten (insbesondere an den Standorten Neuruppin, Frankfurt/Oder und Cottbus mit Mieten ab 6 bis 8 EUR/m²) ergibt sich eine wesentlich bessere Kaufkraft als in Berlin.

Stationen und Ablauf

Das Referendariat dauert 24 Monate:

  • Zivilstation: 4 Monate bei einem Zivilgericht, mit Einführungslehrgang
  • Strafstation: 3,5 Monate bei der Staatsanwaltschaft, mit 2-wöchigem Einführungskurs
  • Verwaltungsstation: 3,5 Monate bei Kommunalverwaltung oder Verwaltungsgericht, mit Einführungskurs
  • Anwaltsstation: 9 Monate bei selbstgewähltem Rechtsanwalt, mit Einführungskurs
  • Wahlstation: 3 Monate bei zugelassener Ausbildungsstelle

Die vier Ausbildungsstandorte bieten unterschiedliche Profile: Potsdam ist am beliebtesten wegen der Berlin-Nähe (Pendeloptionen). Frankfurt (Oder) und Cottbus bieten eine besonders persönliche Atmosphäre mit kleinen Arbeitsgemeinschaften. Neuruppin verbindet ländliche Ruhe mit guter Anbindung.

2. Staatsexamen in Brandenburg

Wie in Berlin wird das 2. Staatsexamen vom GJPA organisiert. Die Prüfungsstruktur ist identisch:

  • Klausuren: 7
  • Gewichtung schriftlich: 60 %
  • Gewichtung mündlich: 40 %
  • Aktenvortrag: Ja, 16 % der Gesamtnote
  • Prüfungsgespräche: 3 Gespräche zu je 8 % = 24 % der Gesamtnote

Die Durchfallquote lag 2023 bei 9,3 %, ebenfalls deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.

Rechtsgrundlage: §§ 42, 49, 53 BbgJAG

Berechne deine voraussichtliche Note mit unserem Notenrechner 2. Staatsexamen

Besonderheiten in Brandenburg

  • GJPA mit Berlin: Du schreibst exakt dieselbe Prüfung wie die Berliner Referendare, ohne Wartezeit und mit höherer Unterhaltsbeihilfe.
  • Potsdam als Geheimtipp: Nur 25 Minuten vom Berliner Zentrum entfernt, günstiger als Berlin, trotzdem städtisch und kulturell attraktiv. Viele Referendare wohnen in Potsdam und nutzen die Berliner Kanzleilandschaft für Nebentätigkeiten.
  • Keine Wartezeit: Alle Bewerber werden aufgenommen, unabhängig von der Note.
  • Überschaubare Gruppengrößen: Die kleinen AG-Gruppen ermöglichen intensive Betreuung.
  • Höhere Unterhaltsbeihilfe als Berlin: 1.673 EUR vs. 1.638 EUR brutto.

Erfahrungen und Tipps

Berlin-Pendler-Strategie: Viele Referendare nutzen Brandenburg (insbesondere Potsdam) als Basis und pendeln für Nebentätigkeiten nach Berlin. Du profitierst von günstigeren Mieten und einer höheren Unterhaltsbeihilfe, ohne auf die Berliner Kanzleilandschaft verzichten zu müssen.

Standortwahl: Achte bei der Bewerbung auf den Einstellungstermin, denn dieser bestimmt deinen Standort: Februar/August = Potsdam oder Neuruppin, Mai/November = Frankfurt (Oder) oder Cottbus.

Lebenshaltungskosten: An den östlichen Standorten (Frankfurt/Oder, Cottbus) sind die Lebenshaltungskosten extrem niedrig. Die Unterhaltsbeihilfe reicht hier für ein komfortables Leben.

Weitere Informationen im Referendariat Guide und zur 2. Staatsexamen Vorbereitung.

Fragen & Antworten

4 Antworten aus Podcast-Episoden

Die Unterhaltsbeihilfe beträgt 1.673,26 EUR brutto (Stand: Februar 2025). Das ist sogar höher als in Berlin (1.637,52 EUR). Da Brandenburg nicht verbeamtet, liegt das Netto bei ca. 1.280 bis 1.330 EUR.

Über den Autor

Marc Ohrendorf

Marc Ohrendorf

Gründer, Irgendwas mit Recht

Marc ist Gründer von Irgendwas mit Recht und hat als Jurist und Podcaster mit über 350 Episoden einzigartige Einblicke in die juristische Berufswelt gesammelt. Für die Karriere-Artikel recherchiert er aktuelle Entwicklungen und spricht mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Unternehmen und dem öffentlichen Dienst.